Isabella Bruckner

VL Dialog der Religionen / Theologie der Religionen

Kurzbeschreibung

Der interreligiöse Dialog ist eine der größten Herausforderungen, mit denen die heutige Theologie konfrontiert ist. Insbesondere die sogenannte „dialogische Spannung“ 
zwischen Offenheit und Identität stellt ein zentrales Thema in der heutigen Debatte dar. Kann man die eigene religiöse Identität bewahren, ohne sich dem anderen gegenüber zu verschlie-ßen? Diese Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit der Frage, wie Kirche und Theologie den anderen Religionen im Lauf der Geschichte begegnet sind, und analysiert unterschiedliche An-sätze und Entwürfe zur Theologie der Religionen in der gegenwärtigen Debatte. Vor allem werden vier Modelle für eine christliche Theologie der Religionen kritisch untersucht, nämlich der Exklusivismus, der Inklusivismus, der Pluralismus und der Partikularismus, indem gefragt wird, wie sich diese Modelle zu der dialogischen Spannung zwischen Offenheit und Identität verhal-ten. In diesem Zusammenhang wird insbesondere eine theologische Hermeneutik der interreligiösen Gastfreundschaft thematisiert, um mögliche Kriterien, Potentiale sowie Grenzen des Dialogs der Religionen zu diskutieren.

Lernergebnisse

Studierende sind in der Lage, die Grundansätze der Theologie der Religionen zu benennen, kritisch zu analysieren und über die Herausforderungen religiöser Pluralität theo-logisch ange-messen Auskunft zu geben.

Literatur

- Dehn, U./ Caspar-Seeger, U. / Bernstorff, F.: Handbuch Theologie der Religionen. Texte zur religiösen Vielfalt und zum interreligiösen Dialog, Basel/Freiburg/Wien, 2017.
- Ebach, J.: Vielfalt ohne Beliebigkeit. Theologische Reden 5, Bochum 2002.
- Moyaert, M.: Fragile Identities. Towards a Theology of Interreligious Hospitality, Amsterdam/New York 2011.
- Rötting, M.: Navigation. Spirituelle Identität in einer interreligiösen Welt. Fallstudien aus München, Vilnius, Seoul und New York, St. Ottilien 2019.
- Rötting, M.: Religionen in der Zukunft!? Krisen, Herausforderungen, Spiritualitäten und interreligiöse Optionen, St. Ottilien 2025.

Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten

Klausur oder mündliche Prüfung. Regelmäßige Teilnahme an den Präsenzeinheiten wird empfohlen. Diese sind am 07.10. und 21.10. von 15:00 bis 19:00, sowie am 04.11., 18.11., 02.12., 09.12., 16.12., 13.01., 20.01. von 14:00-16:00 Uhr.
 

SE Ausgewählte Fragen der Fundamentaltheologie: Spurensuche Gottes in einer Gott-fremden Welt? Glaubens- und Kulturanalyse mit Michel de Certeau

Kurzbeschreibung

Das Werk des französischen Jesuiten Michel de Certeau (1925-1986) scheint gegenwärtig ein „Jetzt der Lesbarkeit“ (Walter Benjamin) zu erfahren. Seinerzeit nicht nur ein hellsichtiger Be-obachter religions- und gesellschaftssoziologischer Entwicklungen, zeugen seine Schriften zugleich von einer tiefen Kenntnis und Verwurzelung in der spirituellen Tradition des Christentums. Seine Reflexionen der christlichen Glaubenserfahrung und die abenteuerliche Praxisvielfalt der Alltagskultur waren von daher sowohl biblisch und ignatianisch als auch von der Philosophie (v.a. Heideggers und Hegels) sowie von der Psychoanalyse inspiriert. In seinen disziplinär breit angelegten Studien zur neuzeitlichen Mystik stieß Certeau immer wieder auf die in der Moder-ne miteinander verknüpften Themen von Gotteserfahrung und Gottesverlust. Gerade seine Wende hin zu den Humanwissenschaften bieten für eine zeitgenössische Theologie signifikante Anknüpfungspunkte für eine Übersetzung des christlichen Glaubens in (post-)säkularen Gesellschafts- und Wissenskontexten. Das Seminar gestaltet sich als eine Einführung in Leben und Werk des französischen Intellektuellen anhand der Lektüre von Ausschnitten seiner zentralen Werke im Bereich der Religionssoziologie, Spiritualitätsforschung und Kulturwissenschaft.

Lernergebnisse

Die Studierenden sind dazu imstande, die zentralen Fragen zur Reflexion der Erkenntnis und Praxis des christlichen Glaubens in Michel de Certeaus Texten zu erörtern und die von ihm ge-botenen Perspektiven am Schnittpunkt von Theologie, Philosophie, Spiritualität und Kulturwissenschaften für die Kontexte der Gegenwart auszuloten.

Literatur

- Bauer, Christian / Sorace, Marco A. (Hg.): Gott, anderswo? Theologie im Gespräch mit Michel de Certeau, Ostfildern: Grünewald 2019.
- Certeau, Michel de: GlaubensSchwachheit, Stuttgart: Kohlhammer 2009. 
- Certeau, Michel de: Der Fremde oder Einheit in Verschiedenheit, Stuttgart: Kohlhammer 2017. 
- Certeau, Michel de: Kunst des Handelns, Berlin: Merve 1988.
- Eckholt, Margit: Gast eines Anderen werden: Glaubensanalyse mit Michel de Certeau in Zeiten interkultureller und interreligiöser Begegnungen, Grünewald 2020.

Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten

Regelmäßige Teilnahme an den Seminareinheiten ab 06. Oktober 2026 und aktive Beteiligung an den Diskussionen, schriftliche Kurzreflexionen sowie das Verfassen eines abschließenden Essays.
 

VL Credo III: Eschatologie und Kirche

Kurzbeschreibung

Der Tod als Ende des Lebens wirft seit jeher Fragen auf: Wird das Leben am Ende nur eine flüchtige Episode gewesen sein, die im Abgrund des Nichts verschwindet? Oder gibt es ein Leben über den Tod hinaus? Und wenn ja, wie kann das immer bruchstückhaft bleibende und von Schuld gezeichnete Leben eines Menschen geheilt und vollendet werden? Wird es durch ein Gericht hindurchgehen und in die Wahrheit mit sich und den anderen kommen? Was bedeutet ewiges Leben? Der klassische Ort, an dem diese und ähnliche Fragen behandelt werden, ist die Eschatologie – die Lehre vom Letzten. In der Tat betreffen diese Fragen jedoch nicht nur ein fernes Jenseits, sondern zugleich die Existenz der Glaubenden, respektive der Kirche als eschatologischer Gemeinschaft der Freude hier und heute. Die Vorlesung wird unter Rückgriff auf die Heilige Schrift, die lehramtliche Tradition und theologische Arbeiten der Gegenwart die Themen Tod, Auferstehung, Gericht sowie die eschatologischen „Orte“ Himmel, Purgatorium und Hölle behandeln. Dabei wird die Frage nach der Hoffnung für alle ebenso leitend sein wie die Frage einer postmortalen Versöhnung zwischen Tätern und Opfern sowie die Entwicklung einer eschatologischen Perspektive auf die Kirche, nämlich in ihrer Berufung zur Bezeugung der göttlichen Liebe und Freude in der Welt von heute.

Lernergebnisse

Die Studierenden kennen die Grundaussagen der traditionellen Eschatologie und können neuere Problemstellungen darlegen; sie lernen die Kirche als eschatologische Gemeinschaft zu reflektieren und sind in der Lage, die beiden Themenbereiche Kirche und Eschatologie in ihrer Verflochtenheit zu beleuchten.

Literatur

- Balthasar, H.U.: Was dürfen wir hoffen?, Einsiedeln 1986.
- Fuchs, O.: Das Jüngste Gericht. Hoffnung auf Gerechtigkeit, Regensburg 2007.
- Rahner, K.: Theologische Prinzipien der Hermeneutik eschatologischer Aussagen, in: Schriften zur Theologie Bd. 4 (1960) 401-428.
- Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben "Evangelii Gaudium", Rom 2013.
- Ratzinger, J.: Eschatologie. Tod und ewiges Leben, Regensburg 2006.

Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten

Mündliche Prüfung von 15 min.

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