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Aufgaben der Diözesanbibliothek
„Was ist und zu welchem Zweck gibt es eine Diözesanbibliothek?“ Auftrag und Aufgabe einer Diözesanbibliothek
Die Diözesanbibliothek ist eine zentrale Gedächtnis- und Bildungsinstitution ihrer Diözese. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zu der in die Zukunft weisenden Pflege des kulturellen diözesanen Erbes. Als Dienstleisterin zur wissenschaftsbasierten Literatur- und Informationsvermittlung transformiert sie dieses Erbe ins digitale Zeitalter und ist ein für alle offener Ort der theologischen und kulturellen Bildung.
Aus diesem Grundauftrag ergeben sich die folgenden einzelnen Aufgaben:
1. Die Diözesanbibliothek erwirbt, erhält und erschließt Handschriften, Druckwerke und Medien aller Art und stellt sie zur Nutzung bereit. Priorität haben dabei Werke, die auf dem Diözesangebiet entstanden sind, dort als Sammlung angelegt wurden oder Belange der Diözese thematisieren.
2. Als integraler Bestandteil der zentralen Infrastruktur der Diözese versorgt die Diözesanbibliothek kirchliche Stellen, Einrichtungen und Mitarbeitende mit den für ihre Aufgaben erforderlichen Medien. Sie unterstützt insbesondere
a) die in der Pastoral Tätigen in ihrem Evangelisierungsauftrag durch Bereitstellung einschlägiger theologischer Fachliteratur,
b) kirchliche Bildungseinrichtungen, insbesondere Akademien, Schulen und Hochschulen, durch abgestimmte Literaturversorgung,
c) alle Interessierten mit fundierter Sachliteratur zu kirchlichen, religiösen und gesellschaftsrelevanten Themen,
d) eine breitere Öffentlichkeit mit einem Angebot in allen theologischen Disziplinen, insbesondere beim Fehlen geeigneter Angebote vor Ort,
e) die Verwaltung durch Fachinformationen zur Aufgabenerfüllung.
Die Diözesanbibliothek nimmt damit auch kosteneffizient die Aufgabe einer Behörden- bzw. Dienstbibliothek wahr und gewährleistet zugleich einen freien, ungehinderten und direkten Zugang zu den benötigten Medien.
3. Dafür ergänzt und aktualisiert die Diözesanbibliothek ihre Bestände regelmäßig durch Kauf, Tausch, Beleg, Schenkung oder in sonst geeigneter Weise. Insbesondere durch die Sammlung von Grauer Literatur erfüllt die Diözesanbibliothek eine Aufgabe, die von keiner anderen Institution übernommen wird. Sachdienlich ist in diesem Zusammenhang eine Pflichtabgabe für Publikationen kirchlicher Stellen in der jeweiligen Diözese.
4. Der Diözesanbibliothek obliegt die Sorge über alle der Steuerung durch diözesane Stellen zugängliche wissenschaftliche Bibliotheken (in Instituten, Seminaren, Pfarreien und Ordensgemeinschaften). Sie stellt diesen ihr fachliches Wissen zur Verfügung. Buchbestände solcher Provenienzen von ideellem Wert können in der Diözesanbibliothek zusammengeführt, fachgerecht gelagert und erschlossen werden.1
5. Als Schnittpunkt zwischen kirchlicher und gesellschaftlicher Öffentlichkeit ist die Diözesanbibliothek ein Lernort sowie ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Sie beteiligt sich an der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit der Diözese durch Veranstaltungen und Publikationen zu kirchlichen Themen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft, auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen, z.B. Bildungswerken, Akademien, Schulen und Hochschulen, Universitäten, Museen. Die Diözesanbibliothek ist durch ihren unmittelbaren Kontakt zu den Menschen und ihr niederschwelliges, weitgehend kostenfreies Dienstleistungsangebot ein „Aushängeschild“ der Kirche und ein Raum, zu dem auch kirchenferne Kreise Zugang finden können. Insbesondere diesem wachsenden Personenkreis gibt sie die erforderlichen Erstinformationen an die Hand, mit denen er in die für ihn kaum mehr verständliche Welt der Kirche eintreten und direkten Zugang zu gesicherten Informationen erhalten kann. 6. Die Diözesanbibliothek nutzt alle zeitgemäßen medialen Ausdrucksformen und digitalen Werkzeuge, die ihrem Auftrag dienlich sind. Sie treibt die freie Verfügbarkeit von Kultur- und Forschungsdaten voran und setzt sich für das Publizieren im Open Access ein. 7. Die Diözesanbibliothek ist ein unentbehrlicher diözesaner Kulturträger. Gemeinsam mit Diözesanarchiv, Diözesanmuseum sowie Kunst- und Denkmalpflege bildet sie das kulturelle Zentrum für Bewahrung, Erforschung und Präsentation von Geschichte und Gegenwart der Diözese und trägt damit prägend zu ihrer Identität bei. In der Zusammenarbeit mit den diözesanen Medienstellen sowie den Katholischen Öffentlichen Büchereien wirkt sie in die ganze Breite der Diözese. Diese Kooperationen, ggf. mit weiteren diözesanen Stellen und ebenso nichtkirchlichen Einrichtungen, erfolgen grundsätzlich in ökumenischer Perspektive. 8. Die Diözesanbibliothek arbeitet nach den fachlichen Standards des wissenschaftlichen Bibliothekswesens und engagiert sich in Fachverbänden und Bibliotheksverbünden. Sie kooperiert mit anderen kirchlichen wissenschaftlichen Bibliotheken, u.a. im Hinblick auf sich ergänzende Erwerbungsprofile, den innerkirchlichen Leihverkehr und den Aufbau gemeinsamer Infrastruktur. Sie nutzt die Synergieeffekte von Fachinformationsdiensten und sucht die Zusammenarbeit mit staatlichen wissenschaftlichen Bibliotheken und einschlägigen Wissenschaftsorganisationen. Die Diözesanbibliotheken bilden damit nicht nur gemeinsam das kulturelle literarische Gedächtnis der Kirche im deutschsprachigen Raum, sondern bieten darüber hinaus ein allgemeines Informations- und Serviceangebot für die ganze Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund partizipieren sie auch an der öffentlichen Kultur- und Wissenschaftsförderung. Sie bieten zukunftsweisende Synergieeffekte und verstärken die überregionale bis internationale Wahrnehmung ihrer Medien- und Dienstleistungs angebote. Ausblick Mit den vielfältigen aktuellen Aufgaben der Diözesanbibliotheken wachsen auch die Herausforderungen an Ressourcen und Kompetenzen. Das hochspezialisierte wissenschaftliche Bibliothekswesen im kirchlichen Bereich ist zwar im Zentrum der Infrastruktur angesiedelt, das Aufgaben- und Leistungsspektrum einer Diözesanbibliothek ist jedoch oftmals nicht allgemein bekannt. Diese Diskrepanz verschärft die in öffentlichen Einrichtungen generell bestehende Tendenz, in Zeiten knapper Finanzmittel bevorzugt im kulturellen Bereich zu sparen. Die damit verbundenen Risiken hat die zuständige päpstliche Fachkommission erkannt und vor einem nachrangigen Umgang mit dem Kulturgut der Bibliotheken als Fehlinterpretation des pastoralen Kernauftrags gewarnt: „Es ist nicht zu rechtfertigen, […] wenn man der stark vereinfachenden und oberflächlichen Überzeugung nachgibt, dass die cura animarum von solchen Werkzeugen absehen könne, da sie – nach dieser Überzeugung – als Luxus und nicht als wesentliches Instrument der Evangelisierung [...] zu betrachten“ seien.2 Zuvorderst den Bischöfen erlegt sie die Pflicht auf, solchen Bestrebungen entschieden entgegenzutreten. Die Diözesanbibliotheken wirken in ihrem Auftreten und ihrer Argumentation auf ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge hin und treten für die vielfältigen Dimensionen ihres Auftrags ein. 2Kirchliche Bibliotheken in der Sendung der Kirche. Schreiben der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche vom 19. März 1994, Bonn 2003 (Arbeitshilfen [der Deutschen Bischofskonferenz] 168), S. 19.
1Vgl. Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen, in: Bibliotheksdienst 43 (2009), S. 712-715, hier: Abs. 5: Beitrag der Diözesanbibliotheken.
