Christian Spieß
AG Theologie studieren
Kurzbeschreibung
Im Studium der Theologie treffen auf eigentümliche Weise verschiedene Lebenswelten zusammen: Ein - manchmal vages, manchmal intensives - Interesse an Religion, unterschiedliche Erfahrungen der religiösen Sozialisation, mehr oder weniger ausgeprägte Glaubenspraxis und eine religiöse Orientierung auf der einen Seite - und der Anspruch bz. die Anforderung, dies alles auf wissenschaftlich-methodische Art zu reflektieren,
unterschiedliche Theorien des Religiösen, große Antworten der Tradition auf die Frage nach Gott und vorsichtiges, nachmetaphysisches Tasten nach der Bedeutung von
Glaubensinhalten auf der anderen Seite. Diese Lehrveranstaltung führt zum einen praktisch in das Studium der Theologie ein (Zugänge, Fächer, aktuelle Herausforderungen) und soll zum anderen aber auch hilfreich dabei sein, eine wissenschaftlich-kritische Haltung zu Fragen der religiösen Praxis und der theologischen Theoriebildung zu entwickeln.
Lernergebnisse
Studierende finden sich in der Struktur des Theologiestudiums zurecht:
- Studierende wissen um das Profil der Theologie als Wissenschaft mit den unterschiedlichen Fachgruppen und Fächern;
- Studierende entwickeln ein Problembewusstsein für die Herausforderungen wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit religiösen Fragen in der Gegenwart moderner Gesellschaften;
- Studierende entwickeln eine wissenschaftlich verantwortete Haltung zu religiösen Fragen;
- Studierende entwickeln erste Beurteilungskompetenzen für die Vielfalt theologischer Denkmodelle.
Literatur
- Norbert Mette, Einführung in die katholische Praktische Theologie. Ein Überblick, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005.
- Michael Seewald, Einführung in die Systematische Theologie, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2018.
- Klaus von Stosch, Einführung in die Systematische Theologie, 5. Aufl., Paderborn: Brill/Schöningh 2022 (utb).
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Als veranstaltungsimmanente Prüfungsleistung (= Anwesenheitspflicht) ist ein Essay aus dem Themenspektrum der Lehrveranstaltung anzufertigen. Die Lehrveranstaltung
beginnt am 7. Oktober 2026.
AG Einführung in den Zusammenhang Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft aus theologischer Perspektive: Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft. Einführung in den Zusammenhang von Religion, Gesellschaft und Politik
Kurzbeschreibung
Trotz des Rückgangs der Bedeutung traditionaler religiöser Praxis in spätmodernen Gesellschaften wie in Österreich (abnehmende Kirchenmitgliedschaft, Rückgang des Gottesdienstbe-suchs, Relevanzverlust der Sakramente an den Lebenswenden) kann das kirchlich verfasste Christentum auf einem wichtigen Feld seine Bedeutung behaupten: In verschiedenen Bereichen der Diakonie bleibt die Bedeutung der christlichen Religion bestehen oder wächst sogar. Die sozialen Dienste etwa der katholischen Caritas sind ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftli-chen Zusammenlebens und auch der politischen Verfasstheit des säkularen Staates. Während das Ansehen und das Vertrauen in die Kirchen immer geringer wird, ist das Ansehen und das Vertrauen in die kirchlichen Wohlfahrtsorganisationen nach wie vor sehr hoch. Eine positive Bedeutung der Religion wird - gesamtgesellschaftlich betrachtet - immer weniger mit Verkündi-gung und Liturgie, dafür immer mehr mit ihrem diakonischen Wirken und gesellschaftlichen Engagement in Verbindung gebracht. In dieser Lehrveranstaltung werden wir dieser zunehmen-den "sozialen Macht des Christlichen" nachgehen: In welchem Verhältnis stehen Religion und Politik? Welche Rolle kann und sollte Religion in modernen Gesellschaften spielen? Welche Bedeutung haben religiöse Motive für Wirtschafts- und Sozialpolitik? Welche Bedeutung kann Religion in pluralen Gesellschaften und im säkularen Verfassungsstaat haben?
Lernergebnisse
Studierende gewinnen Kompetenzen in der Auseinandersetzung mit Texten zum Zusammenhang von Religion und Gesellschaft; Studierende können sich im Feld gesellschaftlicher kontro-versen aus einer christlich motivierten Perspektive orientieren; Studierende lernen den Umgang mit religiösen Argumenten im Hinblick auf gesellschaftliche und politische Probleme.
Literatur
- Karl Gabriel, Die soziale Macht des Christlichen. Religion und Wohlfahrt in Deutschland und Europa, Frankfurt am Main/New York: Campus 2024.
- Christian Spieß, Zwischen Gewalt und Menschenrechten. Religion im Spannungsfeld der Moderne, Paderborn: Schöningh 2016.
- Hermann-Josef Große Kracht/Christian Spieß (Hg.), Wohlfahrtspolitik in Zeiten der Säkularisierung. Analysen und Reflexionen, Frankfurt am Main/New York: Campus 2023.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Als veranstaltungsimmanente Prüfungsleistung (= Anwesenheitspflicht) ist ein Essay aus dem Themenspektrum der Lehrveranstaltung anzufertigen. Die Lehrveranstaltung beginnt am 7. Oktober 2026.
VL Christliche Sozialwissenschaften I: Einführung und Grundlagen
Kurzbeschreibung
Christliche Glaubenspraxis versteht sich immer auch als Wirken in die Welt von heute hinein. Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der politischen Gestaltung des Gemeinwe-sens sind selbstverständlich auch Fragen der Religionen. Insbesondere im Katholizismus hat sich deshalb mit der Sozialethik bzw. den christlichen Sozialwissenschaften eine Disziplin ent-wickelt, die sich in besonderer Weise mit gesellschaftlichen, sozialpolitischen, ökonomischen und politischen Fragen aus der Perspektive des christlichen Glaubens auseinandersetzt. Zuletzt hat Papst Leo XIV. mit seiner Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" diesen Anspruch bekräftigt. In der Vorlesung werden die grundsätzlichen Zugänge und der christlichen Ethik zur Welt von heute erörtert: In welchem Verhältnis stehen religiöse Überzeugungen und gesellschaftliches Zusammenleben? Wie lässt sich religiöser Glaube auf politische Praxis beziehen? Vor welchen Herausforderungen stehen Akteure der Religionen und der Kirchen angesichts der von verschiedenen Krisen und nicht zuletzt von der Säkularisierung geprägten Gegenwart?
Lernergebnisse
Studierende
- wissen um die gesellschaftliche und politische Relevanz des Glaubens;
- kennen wichtige sozialethische Motive der Tradition ("katholische Soziallehre") und der Sozialethik der Gegenwart;
- gewinnen ein Problembewusstsein für die Rolle religiöser Ethik im säkularen Verfassungsstaat und in einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft;
- können eigenständig gesellschafts- und politisch-ethische Argumente aus der Perspektive des christlichen Glaubens auf aktuelle Herausforderungen der Gegenwart beziehen.
Literatur
- Marianne Heimbach-Steins u.a. (Hg.); Christliche Sozialethik. Grundlagen - Kontexte - Themen. Ein Lehr- und Studienbuch, Regensburg: Pustet 2022.
- Arno Anzenbacher, Christliche Sozialethik. Einführung und Prinzipien, Paderborn: Schöningh 1998.
- Karl Gabriel, Die soziale Macht des Christlichen. Religion und Wohlfahrt in Deutschland und Europa, Frankfurt am Main/New York: Campus 2024.
- Hermann-Josef Große Kracht, Die Sozialverkündigung der Päpste. Geschichte und Gegenwart, zwei Teilbände, Freiburg im Breisgau u.a.: Herder 2026.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Die Vorlesung wird mit einer 90minütigen Klausur abgeschlossen, in der die Studierenden ihre Kenntnisse und Kompetenzen unter Beweis stellen, indem sie eine mehrteilige Prüfungsfrage in Form eines Aufsatzes beantworten. Beginn der Vorlesung am 7. Oktober 2026.
VL Religionssoziologie
Kurzbeschreibung
Für die theologische Bildung ist eine Einführung in grundlegende Überlegungen der Religionssoziologie unerlässlich. Es geht dabei aus einer nicht-theologischen Perspektive um die Fra-gen, was Religion eigentlich ist, wie sie sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen konstituiert und wie sie sich verändert. Dabei spielt der
Gesichtspunkt der Säkularisierung eine besondere Rolle: Wie verändert sich Religion in Gesellschaften, in denen traditionale religiöse Praxisformen und Bindungen (Kirchenmitgliedschaft, Gottesdienstbesuch, Inanspruchnahme von Riten bzw. Sakramenten zu den Lebenswenden) an Bedeutung verlieren. In der Vorlesung werden die wichtigsten religionssoziologischen Theo-rieansätze vorgestellt und diskutiert sowie unterschiedliche Antworten auf die Säkularisierungsfrage erörtert.
Lernergebnisse
Studierende
- sind mit den Grundfragen der Religionssoziologie vertraut;
- kennen die wichtigsten religionssoziologischen Theorieansätze;
- wissen um die stark unterschiedlichen Zugänge zur (Bedeutung der) Religion in der Gegenwart;
- entwickeln ein Problembewusstsein für die Veränderung der Bedeutung von Religion und Kirche in säkularen Staaten und weltanschaulich pluralen Gesellschaften;
- kennen den "Streit um die Säkularisierung";
- können sich selbst kompetent im Feld der Auseinandersetzung um den Wandel der Bedeutung von Religion und Kirche in der Gegenwart positionieren.
Literatur
- Gert Pickel, Religionssoziologie. Eine Einführung in zentrale Themenbereiche, Wiesbaden: VS Verlag 2011.
- Karl Gabriel/Christel Gärtner/Detlef Pollack, Umstrittene Säkularisierung. Soziologische und historische Analysen zur Differenzierung von Religion und Politik. Zweite, um ein Register ergänzte Auflage, Berlin: Berlin University Press 2014.
- Detlef Pollack/Gergely Rosta, Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, Frankfurt am Main/New York: Campus 2025.
- Karl Gabriel/Hans-Richard Reuter (Hg.), Religion und Gesellschaft. Texte zur Religionssoziologie, Paderborn u.a.: Schöningh 2004 (utb).
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Die Vorlesung wird mit einer 90minütigen Klausur abgeschlossen, in der die Studierenden ihre Kenntnisse und Kompetenzen unter Beweis stellen, indem sie eine mehrteilige Prüfungsfrage in Form eines Aufsatzes beantworten. Beginn der Vorlesung am 7. Oktober 2026.
Archiv
Wintersemester 2025/2026
SE Interdisziplinäres Seminar: Staat ohne Gott. Philosophische und religionspolitische Perspektiven auf den säkularen Verfassungsstaat
Kurzbeschreibung
Vor allem anhand der Arbeiten des Verfassungsrechtlers Horst Dreier sowie mit Bezug auf einige aktuelle Beispiele werden Zugänge zum Verhältnis von Religion und Politik im "modernen Staat" bzw. in der säkularen Verfassungsdemokratie erörtert. Auch wenn in Österreich und Westeuropa grundsätzlich weit gehende Einigkeit darüber besteht, dass Religion und Politik im säkularen Verfassungsstaat getrennt sind, gibt es eine Reihe von Verflechtungen religiöser Motive bzw. Anliegen und politischer Entscheidungsprozesse. Zum einen stellt sich die Frage, in welcher Form religiöse bzw. christliche Überzeugungen ("Werte") in den politischen Diskurs eingespeist werden können und welche Rolle sie in demokratischen Verfahren spielen dürfen. Zum anderen führt die Frage nach der Präsenz religiöser Lebensformen (Bekleidungskonventionen, Speisevorschriften etc.) und Symbole (Kreuze, Minarette etc.) in der Öffentlichkeit zu immer neuen Debatten. Wie kann zu diesen verschiedenen Fragestellungen von einem kulturell informierten oder auch religionsaffinen Standpunkt aus, eine religionspolitische Position entwickelt werden, die den Standards des säkularen Verfassungsstaats - also der Trennung von Religion und Politik sowie der negativen und positiven/aktiven Religionsfreiheit - gerecht wird und dabei die sozialwissenschaftliche Faktenlage einer säkularisierten bzw. sich rasch säkularisierenden Gesellschaft angemessen berücksichtigt?
Lernergebnisse
Die Studierenden entwickeln Problembewusstsein für die Schwierigkeiten der Zuordnung von Religion und Politik im säkularen Verfassungsstaat; sie kennen wesentliche Positionen im religionspolitischen Diskurs; sie können eine eigene Position auf der Grundlage philosophischer, religionspolitischer und sozialwissenschaftlicher Kenntnisse formulieren; sie wissen zwischen einer säkular-politischen und einer partikular-religiösen Betrachtungsweise von politischen Fragen zu unterscheiden.
Literatur
- Horst Dreier, Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2018.(Die Lehrenden empfehlen den Studierenden nachdrücklich die Anschaffung dieses Bandes von Horst Dreier, der versandkostenfrei um 5,-- Euro bei der (deutschen) Bundeszentrale für politische Bildung zu beziehen ist).
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Die veranstaltungsbegleitende Prüfung besteht in der Vorstellung (eines Teils) eines Kapitels aus dem Buch "Staat ohne Gott" von Horst Dreier oder eines anderen einschlägigen Textes im Seminar sowie einer schriftlichen Ausarbeitung des entsprechenden Referats.
Sommersemester 2025
VL Christliche Sozialwissenschaften II: Christliche Sozial- und Wirtschaftsethik
Kurzbeschreibung
In der Vorlesung werden Motive christlicher und säkularer Sozial- und Wirtschaftsethik vorgestellt, erörtert und diskutiert.Die Sorge um das Zusammenleben gehört seit jeher konstitutiv zum christlichen Glauben und zur Praxis der christlichen Kirchen. Mit der katholischen Soziallehre wurde im Katholizismus seit dem 19. Jahrhundert ein besonderer Zugriff auf die sozialen Fragen der Gegenwart entwickelt. Dabei spielte die Frage nach der Organisation der Wirtschaft und Frage der Gestaltung des Sozialstaats eine besondere Rolle.Spezifisch christliche bzw. katholische Motive wie soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl etc. konnten große Bedeutung weit über den religiösen Binnenraum hinaus entfalten. Welche Dynamik können solche Motive angesichts der (vorüberge-henden?) Dominanz eines libertär interpretierten Kapitalismus noch entfalten? Wie kann sich das katholischen Sozialmodell, wie wir es beispielsweise aus Österreich kennen, neben anderen Sozialstaatskonzepten bewähren? Welche Bedeutung haben religiöse Motive der Sozial- und Wirtschaftsethik überhaupt noch in sich dynamisch säkularisierenden Gesellschaften?
Lernergebnisse
• Einblick in den sozial- und wirtschaftsethischen Diskurs der Gegenwart.• Kenntnis der wichtigsten Fragen in Bezug auf Wirtschaftsordnung und Sozialstaat.• Grundkenntnisse der Vergleichenden Sozialstaatsforschung.• Kenntnis der wichtigsten sozialethischen Motive (Solidarität, Subsidiarität, soziale Gerechtigkeit) in den Anwendungsbereichen Ökonomie und soziale Sicherung.• Kenntnis wichtiger säkularer wirtschaftsethischer Theorien.
Literatur
Peter Ulrich, Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie, 5. Aufl., Bern: Haupt 2016. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München: dtv 2002. Bernhard Emunds, Politische Wirtschaftsethik globaler Finanzmärkte, Wiesbaden: Springer Gabler 2014. Marianne Heimbach-Steins et al. (Hg.), Christliche Sozialethik. Grundlagen – Kontexte – Themen. Ein Lehr- und Studienbuch, Regensburg: Pustet 2022.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Schriftliche Prüfung/Klausur.
SE Christliche Sozialwissenschaften: Eure Armut kotzt uns an! Neuer Wohlstandchauvinismus und diakonischer Auftrag der Kirche
Kurzbeschreibung
Zu den Kennzeichen des politischen Systems in Österreich gehört nicht nur die liberale Demokratie, sondern auch die soziale Wohlfahrtspolitik. Das österreichische Sozialmodell zeichnet sich durch Sozialversicherungssysteme und existenzsichernde Transferleistun-gen sowie durch die Sozialpartnerschaft und Wohlfahrtsverbände (Volkshilfe, Caritas, Diakonie...) aus. Zugleich gehört der diakonische Auftrag der Caritas zu den „Grundvollzügen“ der Kirche.Im Seminar wird die Grundstruktur des österreichischen Sozialmodells – im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsmodellen – erörtert, werden soziale Herausforderungen und Probleme der Gegenwart (Armut, soziale Ungleichheit, Bildungsungerechtigkeit etc.) analysiert und werden unterschiedliche sozialpolitische Strategien diskutiert.Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie ernst nimmt die Politik, wie ernst nimmt die Kirche, wie ernst nimmt die Theologie, wie ernst nehmen wir im gesellschaftlichen Diskurs eigentlich sozioökonomische Ungleichheit, soziale Diskriminierung und das Problem der Armut?
Lernergebnisse
Teilnehmende• setzen sich mit Gestalt und Struktur der Wohlfahrtspolitik (in Österreich) auseinander, erörtern den diakonischen Auftrag der Kirche und analysieren die soziale und diakonische Arbeit kirchlicher Wohlfahrtsverbände im österreichischen Sozialmodell;• setzen sich mit der Realität sozioökonomischer Ungleichheit und deren Auswirkungen für die Menschen auseinander, diskutieren verschiedene Konzepte der Armut und analysieren vergleichend unterschiedliche sozialpolitische Strategien;• bilden Sachkenntnis, Problembewusstsein und Beurteilungskompetenz im Hinblick auf soziale Herausforderungen (wie Bildungsungerechtigkeit, Armut, gesellschaftliche Diskriminierung etc.) aus.
Literatur
- Friedhelm Hengsbach / Matthias Möhring-Hesse (Hg.), Eure Armut kotzt uns an!Solidarität in der Krise, Frankfurt am Main: Fischer 1995.
- Hermann-Josef Große Kracht / Christian Spieß (Hg.), Wohlfahrtspolitik in Zeiten der Säkularisierung. Analysen und Reflexionen, Frankfurt/New York: Campus 2023.
- Karl Gabriel, Die soziale Macht des Christlichen. Religion und Wohlfahrt in Deutschland und Europa, Frankfurt/New York: Campus 2024.
- Stephan Lessenich, Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Berlin: Hanser 2016.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Veranstaltungsimmanente Prüfung, in der Regel bestehend aus der Gestaltung einer Sitzung bzw. eines Themas und einer schriftlichen Ausarbeitung.
Wintersemester 2024/25
VL Christliche Sozialwissenschaften I: Grundlagen
Kurzbeschreibung
Die Vorlesung führt in die Grundlagen der christlichen Sozialethik und in die sozialwissenschaftliche Reflexion religiöser Überzeugungen und Praxis in modernen Gesellschaften ein.Wie lassen sich Glaubensüberzeugungen in ethische Diskurse der Gegenwart einbringen? In welchem Verhältnis stehen moralische Grundsätze der Religion und universalistische Normen säkularer Verfassungsstaaten? Welche grundlegenden normativen Orientie-rungen bietet die christliche Sozialethik für die Gestaltung moderner, weltanschaulich pluraler Gesellschaften und politischer Strukturen im liberalen Rechtsstaat?Die Vorlesung bietet Gelegenheit zur Diskussion; es wird begleitendes Material (Abstracts, Präsentationen, ergänzende Texte etc.) bereitgestellt.
Lernergebnisse
Studierende• kennen das Anliegen und die Arbeitsweise der christlichen Sozialethik;• können religiöse Orientierungen mit der sozialwissenschaftlichen Realität moderner Gesellschaften in Verbindung bringen;• wissen um die Differenz partikularer religiöser Moral und universaler Gerechtigkeit;• kennen wichtige Anliegen der katholischen Soziallehre im Hinblick auf Freiheitsrechte, bürgerliche Rechte und soziale Anspruchsrechte und• sind in der Lage, die Bedeutung christlicher Überzeugungen in säkularen Diskursen einzuordnen.
Literatur
Marianne Heimbach-Steins et al. (Hg.), Christliche Sozialethik. Grundlagen - Kontexte - Themen. Ein Lehr und Studienbuch, Regensburg: Pustet 2022. Christian Spieß, Zwischen Gewalt und Menschenrechten. Religion im Spannungsfeld der Moderne, Paderborn: Schöningh 2016. Arno Anzenbacher, Christliche Sozialethik. Einführung und Prinzipien, Paderborn: Schöningh (UTB) 1998.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Schriftliche Prüfung (Klausur 90 Minuten).
VL Einführung in religionswissenschaftliche Teildisziplinen gemäß Angebot I: Religionssoziologie Religion und moderne Gesellschaft
Kurzbeschreibung
Die Vorlesung führt in wichtige Themen der Religionssoziologie ein.Was ist – aus sozialwissenschaftlicher Perspektive – eigentlich Religion? Welche Funktion erfüllt Religion in (post-)modernen Gesellschaften? Wie verändert sich die Rolle der Religion in den Prozessen der Modernisierung, also angesichts von Individualisierung, Pluralisierung und Säkularisierung? Welche wichtigen Thesen gibt es heute im Streit um die Säkularisierung, also um die Frage, ob und in welcher Weise Religion in modernen Gesellschaften „verschwindet“ oder sich verändert?Die Vorlesung bietet Gelegenheit zur Diskussion; es wird begleitendes Material (Abstracts/Skripten, Präsentationen, Texte etc.) bereitgestellt.
Lernergebnisse
Studierende
* sind mit einer sozialwissenschaftlichen Betrachtungsweise der Religion vertraut;
* kennen wichtige Positionen der Religionssoziologie;
* kennen den aktuellen Diskurs um die Säkularisierung („umstrittene Säkularisierung“)
* können die Rolle der Religion in modernen Gesellschaften problembewusst einordnen;
* sind in der Lage, in kontroversen Diskursen um religiöse Überzeugungen und religiös motivierte Praxis begründet Stellung zu beziehen.
Literatur
* Gert Pickel, Religionssoziologie. Eine Einführung in zentrale Themenbereiche, Wiesbaden: VS Verlag 2011.
* Karl Gabriel/Hans-Richard Reuter (Hg.), Religion und Gesellschaft. Texte zur Religionssoziologie, Paderborn u.a.: Schöningh (UTB) 2004.
* Christian Spieß, Zwischen Gewalt und Menschenrechten. Religion im Spannungsfeld der Moderne, Paderborn: Schöningh 2016.
* Karl Gabriel/Christel Gärtner/Detlef Pollack (Hg.), Umstrittene Säkularisierung. Soziologische und historische Analysen zur Differenzierung von Religion und Politik, Berlin: Berlin University Press 2012.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Schriftliche Prüfung (Klausur 90 Minuten).
Sommersemester 2024
SE / SE-M Interdisziplinäres Seminar – Christliche Sozialwissenschaften und Theoretische Philosophie: Säkularisierung. Philosophische, religionspolitische und sozialwissenschaftliche Perspektiven
Kurzbeschreibung
Säkularisierung beschreibt als Begriff unterschiedlicher geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen den Wandel der Bedeutung und der Funktion von Religion und Religiosität in der Moderne. Insbesondere geht es dabei um Differenzierungsprozesse etwa von Religion und Politik und um einen Bedeutungsverlust der Religion in modernen politischen Gemeinwesen. Allerdings ist der Säkularisierungsbegriff selbst vielgestaltig, die Säkularisierungsthese umstritten und der Säkularisierungsdiskurs seinerseits einem rasanten Wandel unterworfen.
Im Seminar werden einige der wichtigsten Positionen zur Säkularisierung vorgestellt und erörtert. Anhand wichtiger Texte des Diskurses um Säkularisierung aus den Geistes- und Sozialwis-senschaften (Lektüre) werden Positionen zur Säkularisierung vorgestellt (strukturierte Textvorstellung anhand von Thesenpapieren) und in der Seminargruppe diskutiert. Das Seminar ist interdisziplinär angelegt und verbindet vor allem (politisch-)philosophische und (religions-)soziologische Perspektiven.
Lernergebnisse
* Kenntnis des Begriffs der Säkularisierung: Bedeutungsebenen und Variante;
* Kenntnis der wichtigsten Annahmen der Säkularisierungsthese(n);
* Kompetenz im Umgang mit unterschiedlichen (politisch- und rechtsphilosophischen, soziologischen) Zugängen zum Säkularisierungsbegriff;
* Kenntnis des aktuellen Standes des Säkularisierungsdiskurses (einschließlich des empirischen Status quo).
Literatur
* Christine Frey /Uwe Hebekus / David Martyn (Hg.), Säkularisierung. Grundlagentexte zur Theoriegeschichte, Berlin: Suhrkamp 2020.
* Karl Gabriel / Christel Gärtner / Detlef Pollack (Hg.), Umstrittene Säkularisierung. Soziologische und historische Analysen zur Differenzierung von Religion und Politik, Berlin: Berlin Uni-versity Press 2012.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Strukturierte Vorstellung eines Textes; schriftliche Ausarbeitung.
Wintersemester 2023/24
VL Christliche Sozialwissenschaften III: Ausgewählte Themen - Aktuelle Probleme
Diversität und Inklusion als theologisch-ethische Herausforderung
Kurzberscheibung:
Ausgehend von ganz unterschiedlichen Exklusions- und Diskriminierungserfahrungen von einzelnen Menschen und Gruppen wird in der Vorlesung die Inklusionsethik bearbeitet. Inklusion (d.h. die grundsätzliche Ermöglichung weitreichender gesellschaftlicher Teilhabe aller Menschen, unabhängig von ihrer individuellen Ausstattung) ist eine Zielperspektive verschiedener Politik- und Praxisfelder, z.B. im Bildungsbereich, in der (Erwerbs-)Arbeit, im Bereich Migration und Flucht, aber auch im Bereich der Anerkennung verschiedener Lebensformen und sexueller Selbstbestimmung. Dabei hat Inklusion immer eine kulturelle und eine ökonomische Seite. Papst Franziskus macht dezidiert darauf aufmerksam, dass es bei Inklusion um die Überwindung von "Armut" geht (s. Fratelli tutti und Evangelii Gaudium), so dass "Inklusion" sogar als ein Leitbegriff seiner Soziallehre gelten kann. Neben sozialwissenschaftlichen und politisch-ethischen Positionen, die Inklusion in gesamtgesellschaftlicher Perspektive thematisieren, wird in der Vorlesung auch die Frage behandelt, was eine "inklusive Kirche" bedeuten könnte. In jeder Vorlesungssitzung ist Zeit für Nachfragen und Diskussion eingeplant.
Lernergebnisse:
- Kenntnisse von Exklusionserfahrungen unterschiedlicher Menschen und Gruppen- Grundlegendes Verständnis des Inklusionsbegriffs aus sozialwissenschaftlicher und ethischer Perspektive und angrenzender Begriffe wie z.B. Integration oder Subalternität- Kenntnisse über die Positionen der katholischen Tradition zur Inklusionsthematik - Kenntnis sozialethischer Reflexionsmethoden auf aktuelle Fragestellungen der Inklusionsethik- Kompetente Auseinandersetzung mit der Inklusionsthematik in verschiedenen Praxisfeldern (Schule, Pfarre etc.)
Literatur:
Johannes Eurich; Andreas Lob-Hüdepohl (Hg.), Behinderung – Profile inklusiver Theologie, Diakonie und Kirche (= Behinderung – Theologie – Kirche. Beiträge zu diakonisch-caritativen Disability Studies. Bd.7), Stuttgart 2014. Christian Spieß, Wohlfahrtsstaatliche Anerkennungsordnung und katholische Sozialverkündigung, in: Ders./Hermann-Josef Große Kracht (Hg.), Wohlfahrtspolitik in Zeiten der SäkularisierungAnalysen und Reflexionen, Frankfurt 2023.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten:
Klausur 90 Min.
Sommersemester 2023
VL Christliche Sozialwissenschaften II: Sozial- und Wirtschaftsethik
In der Vorlesung werden Motive christlicher und säkularer Sozial- und Wirtschaftsethik vorgestellt, erörtert und diskutiert. Die Sorge um das Zusammenleben gehört seit jeher konstitutiv zum christlichen Glauben und zur Praxis der christlichen Kirchen. Mit der katholischen Soziallehre wurde im Katholizismus seit dem 19. Jahrhundert ein besonderer Zugriff auf die sozialen Fragen der Gegenwart entwickelt. Dabei spielte die Frage nach der Organisation des ökonomischen Systems und Frage der Gestaltung des Sozialstaats eine besondere Rolle. Spezifisch christliche bzw. katholische Motive wie soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl etc. konnten große Bedeutung weit über den religiösen Binnenraum hinaus entfalten. Welche Dynamik können solche Modelle angesichts der (vorübergehenden?) Dominanz eines libertär interpretierten Kapitalismus noch entfalten? Wie kann sich das katholischen Sozialmodell, wie wir es beispielsweise aus Österreich kennen, neben anderen Sozialstaatskonzepten bewähren? Welche Bedeutung haben religiöse Motive der Sozial- und Wirtschaftsethik überhaupt noch in sich dynamisch säkularisierenden Gesellschaften?
SE Christliche Sozialwissenschaften - Politische Ethik des Katholizismus: Zwischen Austrofaschismus und demokratischer Kooperation
Das Seminar beleuchtet die teilweise sehr spannungsvollen Aussagen des Lehramts der katholischen Kirche sowie der theologischen Ethik zu Fragen der Organisation politischer Strukturen (Staat, Herrschaft, demokratische Beteiligung). Einerseits betont das Lehramt die Bedeutung der Menschenrechte und der Bürgerrechte auf der Grundlage der personalen Autonomie, andererseits werden auch in der Gegenwart noch strikte Sittlichkeitsvorgaben für "katholische Politiker" formuliert, wenn es etwa in demokratischen Prozessen um bioethische Fragen oder Entscheidungen über Formen des Zusammenlebens ("Ehe für alle"; "Genderideologie") geht. Einerseits gehört die Kirche seit dem Zweiten Vatikanum zu den wichtigsten Verfecher:innen der liberalen und sozialen Menschenrechte; andererseits hatte sie bis weit in das 20. Jahrhundert hinein den politischen Liberalismus als "deliriumartigen Irrtum" abgelehnt. Einerseits wirken kirchliche Akteure in vielen demokratischen Verfassungsstaaten als kooperative und konstruktive Kräfte mit; andererseits gehörten kirchliche Gruppen und Persönlichkeiten zu den tragenden Kräften der faschistischen Systeme in Europa, so nicht zuletzt die christlich-soziale Bewegung im Austrofaschismus. Wie lassen sich solche Widersprüche verstehen und erklären? Gibt es überhaupt eine Kontinuität oder einen wahrheitsfähigen "Kern" der politischen Ethik des Katholizismus?
