Heimat neu denken: Kunsthistorische Exkursion nach Vorarlberg.
Vorarlberg bietet besondere Möglichkeiten, das Verhältnis von regionaler Identität und zeitgenössischer Kultur zu untersuchen. Die Region wird oft mit alpiner Landschaft, bäuerlicher Tradition und einer ausgeprägten Handwerks- und Baukultur verbunden. Zugleich ist ihre Geschichte von Industrialisierung, Migration, grenzüberschreitenden Beziehungen und internationalem Austausch geprägt. Wie lassen sich diese unterschiedlichen Geschichten zusammendenken? Und welche Rolle spielen Kunst und Kulturinstitutionen dabei, das Bild einer Region zu vermitteln und neu zu verhandeln?
Ausgehend von diesen Fragen richtete die Exkursion den Blick auf Ausstellungen und ihre lokalen wie institutionellen Kontexte. Die Besuche im vorarlberg museum, im Künstlerhaus Bregenz, im Kunstraum Dornbirn, im Angelika-Kauffmann-Museum und im Karl Max Kessler Archiv eröffneten unterschiedliche Zugänge zu regionaler Geschichte und kultureller Zugehörigkeit. Das Kunsthaus Bregenz und der Bildraum Bodensee erweiterten die Perspektive um künstlerische Positionen, die sich mit Raum, Materialität und gesellschaftlichen Gegenwartsdiskursen auseinandersetzen. Ein Highlight war die Ausstellungseröffnung im Kunsthaus, bei der wir ein Gruppenfoto mit der international renommierten Künstlerin Torkwase Dyson machen konnten.
Durch die vielfältigen Ausstellungen und Referate der Studierenden erfuhren wir Heimat als etwas Prozessuales, in dem sich zunehmend verschiedene Formen und Zeiträume der Beheimatung überlagern. Heimat ist damit eng mit Identität verbunden, da man sich bestimmten Traditionen oder Narrativen zugehörig fühlen kann. Zugleich konnten wir Aushandlungen von Heimat als etwas Ausgrenzendes beobachten: Gruppen werden gezielt von der Teilhabe an den Geographien der Heimat ausgeschlossen. Heimat wird somit auch soziokulturell hergestellt, wie wir an der gezielten Kuratierung von Heimat sehen konnten.
Die Woche war von künstlerischer Vielfalt und vor allem vom persönlichen Austausch mit den Kunstvermittlerinnen und Leiterinnen der besuchten Institutionen geprägt. Wir wurden herzlich empfangen und konnten in anregenden Gesprächen mit den Kulturschaffenden vor Ort unterschiedliche Perspektiven auf die regionale Kunst- und Kulturlandschaft kennenlernen. So eröffnete der direkte Austausch Einblicke in die Bedingungen, unter denen Kunst in Vorarlberg ermöglicht, vermittelt und diskutiert wird.
27.10.2026/CJ/HE







