Auszeichnung: Elisabeth Fritz erhielt Margret-Stuffmann-Preis.

Der Städelsche Museums-Verein in Frankfurt am Main hat heuer erstmals den Margret-Stuffmann-Preis verliehen. Preisträgerin ist die renommierte Kunsthistorikerin Universitätsprofessorin Elisabeth Fritz, die die Jury mit ihrer innovativen Forschung zur französischen Genremalerei überzeugte.
Benannt ist der Preis nach Margret Stuffmann (1936–2020), die die Graphische Sammlung des Städel Museums von 1974 bis 2001 leitete und auf besondere Weise prägte. Der neue Forschungspreis knüpft an ihr Engagement und ihre wissenschaftliche Arbeit an und würdigt herausragende kunsthistorische Leistungen auf dem Gebiet der französischen Kunst sowie des deutsch-französischen kunstwissenschaftlichen Austauschs. Initiiert wurde der Preis vom Frankfurter Mäzen Hans-Jürgen Hellwig, der für das Vorhaben eine Gruppe großzügiger Unterstützer gewinnen konnte.
Die diesjährige Fachjury des Margret-Stuffmann-Preises, bestehend aus der Vorsitzenden Mechthild Fend, Professorin für Kunstgeschichte an der GoetheUniversität Frankfurt, Astrid Reuter, Leiterin der Graphischen Sammlung bis 1800 am Städel Museum, und Frédéric Bußmann, Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, sprach sich einstimmig für die Auszeichnung von Elisabeth Fritz und ihrer Forschung zur französischen Genremalerei aus. Im Zentrum von Fritz’ Forschung stehen Antoine Watteau und Künstler aus seinem Umfeld, darunter Nicolas Lancret und Jean-Baptiste Pater. Sie untersucht Darstellungen von Geselligkeit und Zeitvertreib in Parks und Gärten des Pariser Umfelds und fragt danach, wie sich gesellschaftliche Formen des Zusammenseins und die Erfahrung von Zeit in diesen Bildern verbinden. Mit den Konzepten der „momenthaften Zeitlichkeit“ und des „FreiZeit-Bildes“ entwickelt Fritz neue Perspektiven auf die französische Genremalerei des 18. Jahrhunderts. Die Verbindung kunsthistorischer und soziologischer Fragestellungen eröffnet zugleich neue Zugänge zu einer sozialgeschichtlich ausgerichteten Kunstgeschichte. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr insbesondere ihre wissenschaftliche Arbeit „Frei/Zeit/Bild. Baden und Picknicken als geteilte Vergnügen und befreite Bildmotive bei Nicolas Lancret“, erschienen in Dominik Brabant und Britta Hochkirchen (Hg.): Ästhetische Eigenlogiken des europäischen Genrebildes, Bielefeld 2023, S. 177–202.
Elisabeth Fritz ist seit März 2026 Professorin für Kunstwissenschaft und Ästhetik sowie Leiterin des Instituts für Geschichte und Theorie der Kunst an der Katholischen Privat-Universität Linz. Zuvor war sie stellvertretende Direktorin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte (Centre allemand d’histoire de l’art) in Paris und von 2022 bis 2024 Gastprofessorin an der Freien Universität Berlin. Sie studierte Kunstgeschichte und Soziologie in Wien und Paris und war anschließend an den Universitäten Wien, Jena und Graz tätig. Sie habilitierte sich an der Friedrich Schiller-Universität Jena. Der Titel ihrer Habilitationsschrift lautet „Gesellschaft im Freien. Figurationen von Geselligkeit in Fêtes galantes“.
Margret Stuffmann kam 1966 an das Städel Museum und leitete ab 1974 fast drei Jahrzehnte lang die Graphische Sammlung. Ein Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen und kuratorischen Arbeit lag auf der französischen Kunst, insbesondere des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Unter ihrer Leitung gelangten zahlreiche bedeutende Werke auf Papier sowie Gemälde in die Sammlung des Städel Museums. Zu den herausragenden Beispielen zählen unter anderem Paul Cézannes Le bassin et l'allée des marronniers au Jas de Bouffan (ca. 1878–1890), Eugène Delacroix’ Faust und Mephisto auf dem Blocksberg (ca. 1826–1827) und Antoine Watteaus Gemälde Die Einschiffung nach Kythera (ca. 1709–1710). Zugleich entwickelte Stuffmann zahlreiche Ausstellungsprojekte für die Graphische Sammlung, die sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Beständen auszeichneten.
Presseaussendung des Städel-Museums
27.10.2026/HE
