Study Integrated Qualification (SIQ): Bau- und Kunstdenkmalpflege.

Mit dem im Sommersemester gestarteten Study Integrated Qualification-Programm im Rahmen des Schwerpunkts für „Bau- und Kunstdenkmalpflege“ an der Katholischen Privat-Universität Linz wird der gesellschaftlichen Bedeutung des (bau)kulturellen Erbes Rechnung getragen. In der aktuellen Ausgabe der „Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege“ schildert Assistenz-Professorin Veronika Müller Ziel und Motivation des Programms sowie weiterer Angebote.

Kulturelles Erbe für junge Leute

Schwerpunkt „Bau- und Kunstdenkmalpflege“ an der Katholischen Privat-Universität Linz

Ein neuer Schwerpunkt für „Bau- und Kunstdenkmalpflege“ der Katholischen Privat-Universität Linz gibt Studierenden Einblicke in die Arbeit der Denkmalpflege, um sie für diesen Arbeitsbereich zu begeistern. Das Study Integrated Qualification-Programm, also eine vertiefte Ausbildung innerhalb des Studiums, wird in Oberösterreich erstmalig durch das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und die vom Land Oberösterreich gestiftete Stelle Baukultur und baukulturelles Erbe angeboten, um die Bedeutung des(bau)kulturellen Erbes stärker in aktuelle gesellschaftliche Debatten einzubringen.

„Je moderner die moderne Welt wird, desto unvermeidlicher wird die Erzählung.“ Mit diesem Gedanken betonte der Philosoph Odo Marquard die Bedeutung des Erinnerns und Erzählens. „Erst seine Widerfahrnisse und Geschichten machen den Menschen als solchen erkennbar“, so Marquard weiter. „Wer auf das Erzählen verzichtet, verzichtet auf seine Geschichten; wer auf seine Geschichten verzichtet, verzichtet auf sich selbst.“

Historische Kulturlandschaften, Bauwerke, Kunstwerke und Alltagsobjekte erzählen vom alltäglichen Leben, von sozialen Systemen bis hin zum handwerklichen Know-how. Sie sind nicht nur Zeugnisse vergangener Gesellschaften, sondern prägen auch unser heutiges Selbstverständnis. Die Erhaltung, Verwaltung und Weiterentwicklung dieses kulturellen Erbes ist eine Aufgabe von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Dies ist insbesondere in einer Zeit wichtig, in der die Pflege eines historischen Gebäudebestandes als wesentlicher Teil einer „Bauwende“ verstanden wird.

Die institutionalisierte Denkmalpflege beschäftigt sich seit fast 200 Jahren mit dem Erhalt des kulturellen Erbes und entwickelt Konzepte, die den gesellschaftlichen Wert von Geschichte definieren und den Umgang mit ihr anleiten. Als eigene wissenschaftliche Disziplin und integraler Bestandteil der Baukultur hat sie sich durch ihre lange Geschichte ein großes Repertoire an Fach- und Methodenkompetenzen erarbeitet, die sich kontinuierlich weiterentwickeln.

Um dieses Wissen über Geschichte, Theorie, Werte, Standards und Methoden denkmalpflegerischer Tätigkeiten stärker in der Lehre zu verankern und Studierende frühzeitig für die Denkmalpflege zu begeistern, bietet die Katholische Privat-Universität Linz seit dem Sommersemester 2026 das neue Study Integrated Qualification-Programm Bau- und Kulturdenkmalpflege an.

Das Programm wurde von Universitätsprofessorin Anna Minta (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur) und Assistenz-Professorin Veronika Müller (Stiftungsstelle für Baukultur und baukulturelles Erbe) in enger Kooperationmit dem Bundesdenkmalamt (BDA), Landeskonservator Daniel Resch, Diplom-Restauratorin Susanne Beseler (Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Restauratorinnen und Restauratoren), sowie Diözesankonservatorin Ulrike Parzmair-Pfau realisiert. Es wird gemeinsam mit dem Fachbereich Kunst der Diözese Linz angeboten, der für Erhalt, Pflege und Nutzung des historischen Baubestandes und Kulturguts zuständig ist.

Für das aus sieben Modulen bestehende Grundlagenseminar öffnen nicht nur die Abteilung für Konservierung und Restaurierung des Bundesdenkmalamts und das Informations- und Weiterbildungszentrum in der Kartause Mauerbach ihre Tore, auch der kulturGUTspeicher Gleink der Diözese Linz und das Diözesanarchiv zeigen, wie historische Bestände erhalten, interpretiert und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. 

Namhafte Expert:innen wie Petra Weiss, Fachdirektorin des BDA, halten Referate zu Grundlagen der Pflege, Forschung und Vermittlung des kulturellen Erbes und geben Einblicke in die praktische Arbeit des Inventarisierens, Konservierens und Restaurierens. Das Programm soll auch Berufsperspektiven aufzeigen und die Vernetzung mit dem Bundesdenkmalamt und dem diözesanen Fachbereich Kunst als mögliche zukünftige Arbeitgeber fördern.

Aufbauend darauf können sich die Studierenden für ein mehrwöchiges Praktikum im Bereich der Inventarisation unter Anleitung des Fachbereichs Kunst der Diözese Linz entscheiden. Diese praktische Erfahrung ermöglicht es, die gelernten denkmalpflegerischen Grundsätze mit den praktischen Möglichkeiten ihrer Umsetzung zu verbinden. Der Besuch weiterer Kurse, wie des Kulturgutpflege-Kurses der Diözese Linz oder der Kurse des Informations- und Weiterbildungszentrums Kartause Mauerbach zu historischen Techniken und Baumaterialien, ist frei wählbar und komplettiert schließlich das neue Study Integrated Qualification-Programm. Es zeigt deutlich: (Bau)kulturelles Erbe ist weit mehr als ein Relikt der Vergangenheit. Es bietet Orientierungswissen für gegenwärtige Fragestellungen und kann Impulse für eine nachhaltige, sozial verantwortliche und pluralistische Gesellschaft geben. Indem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Beziehung gesetzt werden, wird Kulturerbe zu einer wichtigen Ressource für gesellschaftliche Transformation.

Mehr zum Study Integrated Qualification-Programm finden Sie auf der Homepage der KU Linz.

Beitrag von Ass.-Prof.in Mag.a arch. Dr.in phil. Veronika Müller (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur / Schwerpunkt Baukultur und baukulturelles Erbe)
in: Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege 56 (2026), Heft 2, 14–15.

24.8.2026/HE