Ohne Mission bleibt Synodalität Binnenreform

Die Abteilung für Synodalität der KU Linz ist neues Mitglied der International Association for Mission

Studies. Klara A. Csiszar sprach bei der 16. Generalversammlung in Pretoria über das integrale Missionsverständnis als theologische Grundlage synodaler Kirchenentwicklung.

Die Delegierten der 16. Generalversammlung des IAMS

Linz/Pretoria – Die Abteilung für Synodalität am Institut für Pastoraltheologie der 
Katholischen Privat-Universität Linz ist neues Mitglied der International Association for Mission Studies (IAMS), des weltweit bedeutendsten akademischen Zusammenschlusses im Bereich der Missionswissenschaft. Der Beitritt erfolgte bei der 16. Generalversammlung, die von 17. bis 21. Juli 2026 an der University of South Africa (Unisa) in Pretoria stattfand. 268 Delegierte aus allen Kontinenten kamen dort unter dem Leitthema „Walking Together in Mission: Facing Global Challenges for a Sustainable World" zusammen.

Dass ausgerechnet eine Abteilung für Synodalität einer missionswissenschaftlichen Vereinigung beitritt, ist kein Zufall, sondern eine theologische Aussage. Denn Synodalität ist ohne Mission nicht zu verstehen – und Mission nicht ohne Synodalität.

Mission als Schlüsselbegriff – neu gefasst

Kaum ein theologischer Begriff ist so belastet wie der der Mission. Über weite Strecken der Neuzeit wurde er verengt: einerseits auf Verkündigung und zahlenmäßiges Wachstum der sichtbaren Kirche, mitunter verflochten mit kolonialer Expansion und konfessioneller Konkurrenz; andererseits, als Gegenreaktion, auf reine humanitäre Hilfe, bei der die Verkündigung in den Hintergrund trat.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese Alternative überwunden, indem es Mission nicht in kirchlicher Strategie, sondern im Leben des dreifaltigen Gottes gründete. Die missio Dei geht der missio ecclesiae voraus. Stephen Bevans hat das auf die bekannte Formel gebracht: Nicht die Kirche hat eine Mission, sondern die Mission hat eine Kirche. Eine Kirche, die nur auf sich selbst blickt, widerspricht ihrem eigenen Wesen.

Ein integrales Missionsverständnis, so Csiszar in Pretoria, hält deshalb zusammen, was oft auseinanderdividiert wird: Zeugnis, Dienst und Feier – martyria, diakonia und leiturgia. Sie sind nicht drei Aufgaben, sondern die eine Sendung, weil Gott sich in Wort und Tat zugleich mitteilt. Und es verschiebt den Horizont von Mission: Sie ist nicht länger primär geografisch, sondern existentiell zu denken. Zur klassischen missio ad gentes tritt, was Csiszar seit 2018 als missio ad vulnera in misericordia bezeichnet – eine Sendung zu den Wunden der Welt, vollzogen in Barmherzigkeit. An diese Wunden geht die Kirche nicht bloß hin; dort wird sie Kirche. Barmherzigkeit ist dabei keine Zusatzhaltung, sondern, mit Papst Franziskus gesprochen, die Weise, wie Kirche überhaupt existiert.

Synodalität ist die Gestalt, in der diese Mission lebbar wird

Von hier aus wird sichtbar, was Synodalität eigentlich ist. Sie wird häufig als innerkirchliche Reformagenda gelesen: mehr Beteiligung, weniger Klerikalismus, eine stärkere Stimme für Laien und Frauen. Das trifft zu, greift aber zu kurz. Synodalität ist eine Weise, Kirche zu sein – und diese Weise hat missionarische Konsequenzen. Sie ist auch keine Kirchendemokratie: Maßstab ist nicht die Verteilung von Macht, sondern die gemeinsame Suche nach dem Willen Gottes.

Wer Synodalität ohne Mission denkt, betreibt Selbstbeschäftigung einer Institution, die um sich selbst kreist. Wer Mission ohne Synodalität denkt, kehrt zu jenen Verengungen zurück, die das Konzil hinter sich gelassen hat. Erst zusammen ergeben beide ein tragfähiges Bild: eine Kirche, die gemeinsam geht, weil sie gemeinsam gesandt ist.

Csiszar konnte dafür aus eigener Erfahrung sprechen – sie nahm 2023 und 2024 als theologische Expertin an der XVI. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode teil. Ihr Befund: Vertrauen wächst dort, wo Titel zurücktreten und die Person hervortritt. Am gemeinsamen Tisch. Und, ganz unfeierlich, im Waschraum des römischen Gästehauses neben Bischöfen. Aus geteilter Alltagssorge wird geteilte Sorge um Kirche und Welt.

Die ökumenische Pointe

Genau an diesem Punkt öffnet sich die Mission auf die Ökumene hin. Wird Mission integral verstanden, kann die Einheit der Christen nicht nur in der Annäherung der Lehre gesucht werden, sondern auch in der Konvergenz von Praxis und Herz. Zur klassischen Unterscheidung von Orthodoxie und Orthopraxis tritt deshalb ein Drittes: Orthopathos, die rechte Ordnung der Compassion. Wer bekennt, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist, betreibt Orthodoxie; wer für die Würde eines konkreten Menschen einsteht, Orthopraxis; wer sich davon im Herzen berühren lässt, Orthopathos. Fehlt eines davon, wird das Zeugnis arm – Lehre ohne Handeln bleibt leer, Handeln ohne Mitgefühl bleibt kalt.

Wo Christinnen und Christen verschiedener Traditionen gemeinsam an den Wunden der Welt stehen, entsteht bereits jetzt eine Gemeinschaft der Praxis, die keine Konfession allein hervorbringen kann. Sie ersetzt die lehrmäßigen Dialoge nicht – sie bereitet sie.

Eine Verbindung seit 2017

Die Mitgliedschaft schließt an eine langjährige Zusammenarbeit an. Csiszar steht mit IAMS seit 2017 in Verbindung, seit ihrer Forschungsarbeit zum integralen Missionsbegriff. Was damals als missionstheologische Grundlagenforschung begann, ist heute das theologische Fundament, auf dem die Linzer Synodalitätsforschung aufbaut.

Für die Abteilung bedeutet der Beitritt den Anschluss an ein weltweites, konfessionell breit aufgestelltes Forschungsnetzwerk. Der Austausch mit Forschenden aus dem Globalen Süden – etwa mit den seit 2024 in IAMS Africa gebündelten afrikanischen Stimmen – bringt Erfahrungen ein, die europäische Debatten korrigieren und erweitern. Umgekehrt wird die in Linz entwickelte Forschung international sichtbar und anschlussfähig.

Ausblick

Die 17. IAMS-Generalversammlung wird 2030 in Brasilien stattfinden. Bis dahin arbeitet der neu gewählte Vorstand unter Präsident Thinandavha Mashau daran, IAMS stärker als globale Bewegung zu profilieren. Die Linzer Abteilung für Synodalität wird sich in diesen Prozess einbringen.

 

Weiterführender Link:
Unisa brings world's leading mission scholars together to tackle global challenges