Gregor Cavallar
VL+L Themen der Metaphysik und Philosophischen Theologie
Kurzbeschreibung
Die Lehrveranstaltung „Aufklärung: Geschichte, Konzeptionen, Kontroversen“ bietet eine problemorientierte Einführung in zentrale Ideen, Akteure und Konfliktlinien der europäischen Aufklärung vom 18. Jahrhundert bis zu ihren gegenwärtigen Deutungen. Ausgehend von verbreiteten Klischees und der These einer „gescheiterten Aufklärung“ werden unterschiedliche Konzepte, Selbstverständnisse und innere Spannungen der Aufklärung historisch eingeordnet und kritisch diskutiert. Thematisiert werden unter anderem die Frage nach der Einheit oder Vielfalt der Aufklärung, die Entstehung des Intellektuellen in der ständischen Gesellschaft, erkenntnistheoretische Debatten um Vernunft, Emotionen und Skeptizismus sowie moralische, ethische und bildungstheoretische Positionen. Weitere Schwerpunkte liegen auf politischen Dimensionen wie Toleranz, res publica und Kosmopolitismus, auf Kolonialismus, Ungleichheit, Rassismus und Geschlechterverhältnissen sowie auf der religiösen Aufklärung. Den Abschluss bildet eine kritische Auseinanderset-zung mit der Französischen Revolution und dem (angeblichen) „Erbe der Aufklärung“.
Die Lehrveranstaltung ist als Vorlesung mit vierzehn Sitzungen à 90 Minuten konzipiert. Sie kombiniert Impulsvorträge, gemeinsame Textlektüre zentraler Quellen und Forschungsliteratur sowie strukturierte Diskussionen.
Lernergebnisse
Die Studierenden sind in der Lage,
- zentrale Konzepte, Akteure und Strömungen der europäischen Aufklärung historisch einzuordnen und unterschiedliche Konzeptionen der Aufklärung kritisch voneinander zu unterscheiden;
- gängige Klischees (z. B. einer einheitlichen oder „gescheiterten“ Aufklärung) zu analysieren, zu problematisieren und auf der Grundlage einschlägiger Forschungsliteratur differenziert zu beurteilen;
- erkenntnistheoretische, moralphilosophische, politische und religiöse Debatten der Aufklärung (Vernunft, Emotion, Skeptizismus, Toleranz, Bildung, Religion) mit ihren inneren Spannungen und Grenzen zu erklären;
- die gesellschaftlichen und politischen Implikationen der Aufklärung – insbesondere im Hinblick auf Kolonialismus, Kosmopolitismus, Ungleichheit, Rassismus und Geschlechterverhältnisse – kritisch zu reflektieren und historisch einzuordnen;
- zentrale Texte der Aufklärung sowie der neueren Forschung selbstständig zu lesen, argumentativ zu erschließen und deren Gegenwartsrelevanz, etwa im Kontext moderner Demokratie- oder Fortschrittsdebatten, zu begründen bzw. zu diskutieren.
Literatur
- Beutel, Albrecht, Kirchengeschichte im Zeitalter der Aufklärung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2009.
- Cavallar, Georg, Gescheiterte Aufklärung? Ein philosophischer Essay, Stuttgart: Kohlhammer 2018.
- Lehner, Ulrich und Michael Printy, Hrsg. Brill's Companion to the Catholic Enlightenment in Europe, Leiden: Brill 2010.
- Meyer, Annette, Die Epoche der Aufklärung, Berlin: Akademie Verlag 2010.
- Tricoire, Damien, Die Aufklärung, Köln: Böhlau 2023.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Schriftliche Prüfung mit folgenden Terminen: 15.06.2026 / 19.10.2026 / 23.11.2026 / 25.01.2027. Bewertet werden dabei insbesondere Argumentationsfähigkeit, Textverständnis, analytische Tiefe sowie die Fähigkeit zur historischen Einordnung und der Gegenwarts-bezug.
