Carlos Zorrilla Piña
VL+L Philosophie der Gegenwart:
Kurzbeschreibung
Die Absicht dieses Vorlesungskurses, der sich mit dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges und seiner Rezeption in den Werken einer heterogenen Gruppe von Philosophen des 20. Jahrhunderts befasst, besteht darin, sowohl Borges als auch einige seiner berühmtesten Gesprächspartner als Zugang zur Philosophie der Gegenwart zu nutzen. Borges (1899–1986) gilt nicht nur als einer der originellsten und beliebtesten Autoren des 20. Jahrhunderts, sondern auch als einer der philosophischsten. Tatsächlich ist es mitt-lerweile gängig, Borges, der vor allem Kurzgeschichten, Gedichte und kurze Essays schrieb, als einen Denker von großer philosophischer Bedeutung zu betrachten, und in den letzten Jahren wurde er als „verkleideter Philosoph” und als „Metaphysiker, der sich als Miniaturist der Erzählkunst maskiert” charakterisiert. Dies scheint erstens aufgrund des Einflusses, den Borges auf eine beträchtliche Anzahl hoch angesehener Philosophen des 20. Jahrhunderts ausübte, völlig berechtigt: darunter Foucault, Eco, Baudrillard, Deleuze usw., die sich alle ausdrücklich mit Borges' Ideen auseinandersetzten und ihn als Inspirationsquelle für ihre Arbeit würdigten. Und zweitens, weil obwohl er selbst bekanntlich den Titel eines Denkers ablehnte und seine Ideen keineswegs eine systematische Lehre darstellen, die Einsichten und gelegentliche Originalität seiner Überlegungen dennoch Borges einen Platz als eigenständige Figur in der Geschichte des zeitgenössischen Denkens verdienen.
Lernergebnisse
Studierende, die diesen Einführungskurs in die Philosophie der Gegenwart belegen, können Lernergebnisse entlang drei miteinander verbundenen Denkachsen erwarten. Durch die Auseinandersetzung mit Denkern wie Deleuze, Danto und Foucault bietet der Kurs erstens einen Einblick in die vielfältigen thematischen Bereiche, in die sich die zeitgenössische Philosophie verzweigt hat, darunter Metaphysik, Kulturwissenschaften und Kunstphilosophie. Zweitens soll der Kurs all jenen, die Borges noch nicht kennen, die Möglich-keit geben, sich sowohl aus literarischer als auch aus philosophischer Perspektive mit ihm vertraut zu machen. Und schließlich sind Borges' Erzählungen, die sich in der Regel mit einer humorvollen, aber scharfsinnigen Hinterfragung von Realität befassen, auch für eine philosophische Auseinandersetzung mit der Frage, was genau Gegenwärtigkeit ist, perfekt geeignet, sodass die ansonsten rein chronologische Bezeichnung „Philosophie der Gegenwart” eine weitere Bedeutung erlangt.
Literatur
- Baudrillard, Jean. Simulacra and Simulation. Übers. von Glaser, Sheila. Ann Arbor: University of Michigan Press, 1994. (ISBN: 978-0472065219) oder die deutsche Teilübersetzung in Agonie des Realen, Übers. von Kurzawa, Lothar; Schaefer, Volker. Berlin: Merve Verlag, 1978 (ISBN: 978-3920986999)
- Borges, Jorge Luis. Fiktionen: Erzählungen 1939 – 1944. Übers. von Haefs, Gisbert; Horts, Karl August, et al. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 2012. (ISBN: 978-3596105816)
- Danto, Arthur. Die Verklärung des Gewöhnlichen. Eine Philosophie der Kunst. Übers. von Looser, Max. Berlin: Suhrkamp Verlag, 1991. (ISBN: 978-3518285572)
- Deleuze, Gilles. Differenz und Wiederholung. Übers. von Vogl, Jospeh. München: Wilhelm Fink Verlag, 1991. (ISBN: 978-3770527304)
- Eco, Umberto. Über Spiegel und andere Phänomene. Übers. von Kroeber, Burkhart. München: Carl Hanser Verlag, 1988. (ISBN: 978-3446146815)
- Foucault, Michel. Die Ordnung der Dinge. Übers. von Köppen, Ulrich. Berlin: Suhrkamp Verlag, 1974. (ISBN: 978-3518276964)
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Kontinuierliche Teilnahme an den Unterrichtseinheiten, beginnend mit dem 04.03.2026, ist dringend empfohlen. Teilnehmende, die den Kurs für Kreditpunkte belegen, werden ausschließlich anhand einer mündlichen Prüfung bewertet (nur in begründeten Ausnah-mefällen mit einer schriftlichen Klausur).
