Carlos Zorrilla Piña
VL+L Einführung in die Philosophie – Probleme und Perspektiven
Kurzbeschreibung
Den Anfang mit dem Philosophieren macht man am Besten, indem man den Anfang der Philosophie im alten Griechenland studiert. Der erste große Systematiker ist Platon. Das bedeutet: Bei ihm werden schon fast alle philosophischen Probleme gestellt: 1) Die Frage nach dem Sein, also dem, was in Wahrheit wirklich ist; 2) die Frage nach der Erkenntnis; und 3) die Frage nach der Freiheit. Platon entwickelt als erster den Begriff der Philosophie, den Unterschied von Philosophie und den Einzelwissenschaften und hat in allen genannten Fragen bleibende Maßstäbe im Denken gesetzt. Mit Platon kann man aber auch nicht unmittelbar beginnen. Wir werden daher die Einsichten seines Lehrers Sokrates vergegenwärtigen sowie auf Ansätze und Einsichten vorsokratischer Denker eingehen. Dabei wird abwechselnd einmal die theoretische Seite (Problem des Erkennens), einmal die praktische Seite (Problem des Handelns) der Philosophie im Vordergrund stehen. Insgesamt soll klar werden: Es geht in der Philosophie nicht um ein beliebiges, leeres Gerede, sondern um das Erfassen einer Sache und eine haltbare systematische Entwicklung der begrifflichen Bestimmungen. Philosophie dient nicht einem außer ihr liegenden Zweck, sondern in ihr geht es um die Realisierung des höchsten Zwecks: der Selbsterkenntnis der Vernunft, die sich in ihrer natürlichen wie geistig-geschichtlichen Wirklichkeit erfasst.
Eine Aufzeichnung der Vorlesung zum Nachhören wird verfügbar gemacht.
Lernergebnisse
Ein erstes Verständnis der Grundprobleme der Philosophie - Kenntnis grundlegender Positionen, Begriffe und Argumentationsformen.
Literatur
Die beste Lektüre ist die Primärliteratur. Pflichtlektüre wird in der Lehrveranstaltung bekanntgegeben. Eine ohne Einschränkung zu empfehlende selbst philosophische Einführung gibt es leider noch nicht.
Brauchbar sind:
- Anzenbacher, Arno, Einführung in die Philosophie, Freiburg 2002.
- Heintel, Erich, Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Versuch einer gemeinverständlichen Einführung in das Philosophieren, Wien 1986.
- Hofmeister, Heimo, Philosophisch denken, Göttingen 21997 (UTB 1652).
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Mündliche Prüfung.
PS Lektürekurs Philosophie: A History of the Philosophical Problem of Matter
Kurzbeschreibung
What is matter? And why would matter be interesting from a philosophical perspective? Most of us think of matter quite simply as the “stuff” out of which the many things we encounter in the world are made. Pressed a bit further, however, we would find that such an intuitive understanding of matter is neither as straightforward nor as unproblematic as it may initially appear, instead opening a series of questions which get at the heart of our very understanding of reality and of those aspects of reality which are most dear to us: Indeed, what gives this so-called stuff its ca-pacity to endure across time and space? To what extent can we hope to bend it to our designs and purposes? How can we explain that such a stuff be common to all things and yet show itself so differently in each of them? Why, if it is defined by its property of inertia, can it nonetheless be at the root of beings which are endowed with life? And how can it both be that which is op-posed to thought and intelligence and simultaneously their condition? Guided by such questions, this course offers students a historical introduction to the philosophical problems connected with the notion of matter, from antiquity, through modernity, and all the way to our days.
Lernergebnisse
By the end of this course, students will have developed a foundational understanding of how major thinkers—from Plato and Aristotle, through Newton and Leibniz, Hans Jonas and Judith Butler—have conceptualized matter, substance, and physical reality, as well as how these views relate to broader metaphysical and scientific questions. Students who take this course can thus expect to become conversant with key historical perspectives on the nature of matter, to gain the ability to articulate how the changing conceptualization of matter reflects shifts in philo-sophical perspectives and worldview, as well as to develop the conceptual and analytical competences necessary to identify and critically engage with the theoretical challenges that continue to be linked to the notion of matter.
Literatur
We will be engaging with the work of a series of thinkers spanning the entire history of philosophy. This means that our readings will be quite diverse in terms of nature and provenance. For that reason, they cannot be found in one single source, and so for the most part I will be making class readings available on the course’s Moodle site.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
The final grade consists of two components: 1) three short summaries of assigned texts spread out over the entire semester; 2) a final seminar paper. Regular attendance starting on 6th Octo-ber 2026 is also mandatory; failure to meet this requirement may affect the final grade.
Archiv
Sommersemester 2026
VL+L Philosophie der Gegenwart:
Kurzbeschreibung
Die Absicht dieses Vorlesungskurses, der sich mit dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges und seiner Rezeption in den Werken einer heterogenen Gruppe von Philosophen des 20. Jahrhunderts befasst, besteht darin, sowohl Borges als auch einige seiner berühmtesten Gesprächspartner als Zugang zur Philosophie der Gegenwart zu nutzen. Borges (1899–1986) gilt nicht nur als einer der originellsten und beliebtesten Autoren des 20. Jahrhunderts, sondern auch als einer der philosophischsten. Tatsächlich ist es mitt-lerweile gängig, Borges, der vor allem Kurzgeschichten, Gedichte und kurze Essays schrieb, als einen Denker von großer philosophischer Bedeutung zu betrachten, und in den letzten Jahren wurde er als „verkleideter Philosoph” und als „Metaphysiker, der sich als Miniaturist der Erzählkunst maskiert” charakterisiert. Dies scheint erstens aufgrund des Einflusses, den Borges auf eine beträchtliche Anzahl hoch angesehener Philosophen des 20. Jahrhunderts ausübte, völlig berechtigt: darunter Foucault, Eco, Baudrillard, Deleuze usw., die sich alle ausdrücklich mit Borges' Ideen auseinandersetzten und ihn als Inspirationsquelle für ihre Arbeit würdigten. Und zweitens, weil obwohl er selbst bekanntlich den Titel eines Denkers ablehnte und seine Ideen keineswegs eine systematische Lehre darstellen, die Einsichten und gelegentliche Originalität seiner Überlegungen dennoch Borges einen Platz als eigenständige Figur in der Geschichte des zeitgenössischen Denkens verdienen.
Lernergebnisse
Studierende, die diesen Einführungskurs in die Philosophie der Gegenwart belegen, können Lernergebnisse entlang drei miteinander verbundenen Denkachsen erwarten. Durch die Auseinandersetzung mit Denkern wie Deleuze, Danto und Foucault bietet der Kurs erstens einen Einblick in die vielfältigen thematischen Bereiche, in die sich die zeitgenössische Philosophie verzweigt hat, darunter Metaphysik, Kulturwissenschaften und Kunstphilosophie. Zweitens soll der Kurs all jenen, die Borges noch nicht kennen, die Möglich-keit geben, sich sowohl aus literarischer als auch aus philosophischer Perspektive mit ihm vertraut zu machen. Und schließlich sind Borges' Erzählungen, die sich in der Regel mit einer humorvollen, aber scharfsinnigen Hinterfragung von Realität befassen, auch für eine philosophische Auseinandersetzung mit der Frage, was genau Gegenwärtigkeit ist, perfekt geeignet, sodass die ansonsten rein chronologische Bezeichnung „Philosophie der Gegenwart” eine weitere Bedeutung erlangt.
Literatur
- Baudrillard, Jean. Simulacra and Simulation. Übers. von Glaser, Sheila. Ann Arbor: University of Michigan Press, 1994. (ISBN: 978-0472065219) oder die deutsche Teilübersetzung in Agonie des Realen, Übers. von Kurzawa, Lothar; Schaefer, Volker. Berlin: Merve Verlag, 1978 (ISBN: 978-3920986999)
- Borges, Jorge Luis. Fiktionen: Erzählungen 1939 – 1944. Übers. von Haefs, Gisbert; Horts, Karl August, et al. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 2012. (ISBN: 978-3596105816)
- Danto, Arthur. Die Verklärung des Gewöhnlichen. Eine Philosophie der Kunst. Übers. von Looser, Max. Berlin: Suhrkamp Verlag, 1991. (ISBN: 978-3518285572)
- Deleuze, Gilles. Differenz und Wiederholung. Übers. von Vogl, Jospeh. München: Wilhelm Fink Verlag, 1991. (ISBN: 978-3770527304)
- Eco, Umberto. Über Spiegel und andere Phänomene. Übers. von Kroeber, Burkhart. München: Carl Hanser Verlag, 1988. (ISBN: 978-3446146815)
- Foucault, Michel. Die Ordnung der Dinge. Übers. von Köppen, Ulrich. Berlin: Suhrkamp Verlag, 1974. (ISBN: 978-3518276964)
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Kontinuierliche Teilnahme an den Unterrichtseinheiten, beginnend mit dem 04.03.2026, ist dringend empfohlen. Teilnehmende, die den Kurs für Kreditpunkte belegen, werden ausschließlich anhand einer mündlichen Prüfung bewertet (nur in begründeten Ausnah-mefällen mit einer schriftlichen Klausur).
