Matteo Trentini
SE/SE-B Vertiefende Fragen/Ausgewählte Themen der Kunstwissenschaft: Architektur der Renaissance(n) und die Frage nach den Ursprüngen
Kurzbeschreibung
Der Begriff „Renaissance" scheint zwischen zwei gegensätzlichen Bedeutungsebenen zu changieren: Einerseits verweist er auf einen Prozess der Wiederentdeckung jener Werte und For-men, die als grundlegend für die Disziplin der Architektur gelten; andererseits impliziert er einen deutlichen Bruch und eine Diskontinuität gegenüber der unmittelbaren Vergangenheit. Aus-gehend von einer Lektüre der Renaissance als einer strukturell konfliktreichen Epoche widmet sich das Seminar der Frage nach jener geradezu obsessiven Suche nach den „Ursprüngen", die die europäische Architekturkultur in zyklischer Wiederkehr durchzogen hat. Durch die eingehende Analyse ausgewählter Fallstudien und Biographien (u. a. Alberti, Palladio et al.), durch die Untersuchung der urbanen Entwicklung von Städten wie Rom und Venedig sowie durch die Diskussion übergeordneter Fragestellungen – etwa das Verhältnis zur Geschichte, morpholo-gische Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die Zirkulation und Migration von Wissen u. a. – eröffnet das Seminar einen weiter gefassten Reflexionsraum über die vielfältigen Interpretations-möglichkeiten des Phänomens „Renaissance". Ein zentraler Teil des Seminars widmet sich darüber hinaus der Rezeption der Renaissance in späteren Epochen sowie in außereuropäischen Kontexten, mit besonderem Augenmerk auf einer historisch-kritischen Lektüre des Phänomens „Renaissance" und ihrer bis in die Gegenwart reichenden Wirkungsgeschichte.
Lernergebnisse
Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls verfügen die Studierenden über vertiefte Kenntnisse der architektonischen und städtebaulichen Produktion der Epoche der Renaissance, deren ideologischen und intellektuellen Implikationen und sind befähigt, diese historisch einzuordnen und kritisch zu analysieren. Studierende können selbstständig die Bedeutungen und Definitio-nen von Renaissance reflektieren und diese auch kontextualisieren.
Literatur
- Alberti, Leon Battista, und Max Theuer. Zehn Bücher über die Baukunst. Wiss. Buchges., 2005.
- Frommel, Christoph Luitpold. Die Architektur der Renaissance in Italien. Beck, 2009.
- Murray, Peter. Architektur der Renaissance. Belser, 1975.
- Summerson, John. The Classical Language of Architecture. Methuen & Co. Ltd, 1966.
- Wittkower, Rudolf. Architectural Principles in the Age of Humanism. 5. ed.., no. 5. ed., Academy Ed., 1998.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Eine kontinuierliche und aktive Teilnahme ist erwünscht. Innerhalb jeder Sitzung sind Zeitfenster für studentische Referate sowie für die anschließende gemeinsame Diskussion der behandelten Themen vorgesehen.
Archiv
Sommersemester 2026
SE / SE-M Ausgewählte Themen der Kunstwissenschaft: ARCHTEKTUR UND FASCHISMEN. Architektur, Stadtplanung und Ideologie in Italien 1922-1943
Kurzbeschreibung
Das Seminar vermittelt eine umfassende Rekonstruktion der architektonischen und städtebaulichen Entwicklungen in Italien während des faschistischen Ventennio (1922–1943). Im Zentrum steht die Analyse der ideologischen Implikationen, in deren Rahmen Archi-tektur und Städtebau als zentrale Instrumente der mussolinischen Propaganda fungierten. Analysiert werden sowohl ausgewählte architektonische und städtebauliche Projekte – etwa die Città Universitaria di Roma oder das Ausstellungsgelände E42 – als auch die theoretischen Debatten der Zeit. Dabei wird untersucht, wie zentrale Themen der internationalen Debatte von der italienischen Architektur rezipiert und im spezifischen politischen und kulturellen Kontext Italiens interpretiert wurden, darunter funktionalistische Tenden-zen, die ideologische Instrumentalisierung klassizistischer Formensprachen in den 1930er Jahren sowie die Wohnungsfrage im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher und kollektiver Dimension. Darüber hinaus thematisiert das Seminar die Rolle architektonischer Zeitschriften wie Domus und Casabella, von Architekturausstellungen und der universitären Ausbildung. Unterschiedliche, teils gegensätzliche architektonische Strömungen werden unter Einbezug biografischer Fallstudien zentraler Akteure wie Marcello Piacentini, Gio Ponti und Giuseppe Terragni diskutiert. Abschließend wird der italienische Kontext in eine vergleichende Perspektive eingeordnet, die auch andere ideologische Kontexte der 1930er Jahre berücksichtigt.
Lernergebnisse
Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls verfügen die Studierenden über vertiefte Kenntnisse der architektonischen und städtebaulichen Produktion des italienischen Faschismus und sind befähigt, diese historisch einzuordnen und kritisch zu analysieren. Studie-rende können die ideologischen und propagandistischen Dimensionen und Implikationen von historischen und gegenwärtigen Architektur reflektieren und diese im Rahmen eines vergleichenden Ansatzes mit zeitgenössischen Entwicklungen in anderen politischen Kontexten, insbesondere in Deutschland und Russland, in Beziehung setzen.
Literatur
- Bodenschatz, Harald (Hg.): Städtebau für Mussolini: auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien. DOM Publishers, 2011;
- Bodenschatz, Harald et al. (Hg.): Urbanism and Dictatorship. A European Perspective. Birkhäuser 2015;
- Ghirardo Diane: Architecture and the Fascist State 1922-1943 in Ghirardo, Diane: Italy. Modern Architectures in History, Reaktion Books, 2013;
- Pfammatter, Ueli: Moderne und Macht. „Razionalismo“: Italienische Architekten 1927–1942. Fried. Viehweg & Sohn. 1990.
Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten
Eine kontinuierliche und aktive Teilnahme ist erwünscht. Die Übernahme eines Referates und das Verfassen eine schriftlichen Seminararbeit ist Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Seminars. Erster Sitzungstermin: 9. März 2026.
