Matteo Trentini

SE / SE-M

Kurzbeschreibung

Das Seminar vermittelt eine umfassende Rekonstruktion der architektonischen und städtebaulichen Entwicklungen in Italien während des faschistischen Ventennio (1922–1943). Im Zentrum steht die Analyse der ideologischen Implikationen, in deren Rahmen Archi-tektur und Städtebau als zentrale Instrumente der mussolinischen Propaganda fungierten. Analysiert werden sowohl ausgewählte architektonische und städtebauliche Projekte – etwa die Città Universitaria di Roma oder das Ausstellungsgelände E42 – als auch die theoretischen Debatten der Zeit. Dabei wird untersucht, wie zentrale Themen der internationalen Debatte von der italienischen Architektur rezipiert und im spezifischen politischen und kulturellen Kontext Italiens interpretiert wurden, darunter funktionalistische Tenden-zen, die ideologische Instrumentalisierung klassizistischer Formensprachen in den 1930er Jahren sowie die Wohnungsfrage im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher und kollektiver Dimension. Darüber hinaus thematisiert das Seminar die Rolle architektonischer Zeitschriften wie Domus und Casabella, von Architekturausstellungen und der universitären Ausbildung. Unterschiedliche, teils gegensätzliche architektonische Strömungen werden unter Einbezug biografischer Fallstudien zentraler Akteure wie Marcello Piacentini, Gio Ponti und Giuseppe Terragni diskutiert. Abschließend wird der italienische Kontext in eine vergleichende Perspektive eingeordnet, die auch andere ideologische Kontexte der 1930er Jahre berücksichtigt.

Lernergebnisse

Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls verfügen die Studierenden über vertiefte Kenntnisse der architektonischen und städtebaulichen Produktion des italienischen Faschismus und sind befähigt, diese historisch einzuordnen und kritisch zu analysieren. Studie-rende können die ideologischen und propagandistischen Dimensionen und Implikationen von historischen und gegenwärtigen Architektur reflektieren und diese im Rahmen eines vergleichenden Ansatzes mit zeitgenössischen Entwicklungen in anderen politischen Kontexten, insbesondere in Deutschland und Russland, in Beziehung setzen.

Literatur

- Bodenschatz, Harald (Hg.): Städtebau für Mussolini: auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien. DOM Publishers, 2011;
- Bodenschatz, Harald et al. (Hg.): Urbanism and Dictatorship. A European Perspective. Birkhäuser 2015;
- Ghirardo Diane: Architecture and the Fascist State 1922-1943 in Ghirardo, Diane: Italy. Modern Architectures in History, Reaktion Books, 2013; 
- Pfammatter, Ueli: Moderne und Macht. „Razionalismo“: Italienische Architekten 1927–1942. Fried. Viehweg & Sohn. 1990.

Hinweise zu Prüfungs-/Beurteilungsmodalitäten

Eine kontinuierliche und aktive Teilnahme ist erwünscht. Die Übernahme eines Referates und das Verfassen eine schriftlichen Seminararbeit ist Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Seminars. Erster Sitzungstermin: 9. März 2026.

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