Ars Electronica Festival: Exhibition Walk an der KU Linz.
09. - 13. September 2026
10:00 - 18:00 Uhr
KU Linz
Ars Electronica Festival 2026
FUTURE BEGINS
NEGOTIATING HUMANITY
Vom 9. bis 13. September 2026 wird Linz zum Hotspot der internationalen Medienkunstszene. An verschiedenen Festivalorten in der ganzen Stadt finden Ausstellungen, Performances, Konzerte und Konferenzen statt.
Details zum Programm und den Locations unter
Ars Electronica Festival 2026
Ein Festival als Infrastruktur des Verhandelns
In einer Zeit, in der Konflikte nicht nur geführt, sondern auch benannt werden müssen, verschieben sich Auseinandersetzungen zunehmend in den Raum der Sprache – und treiben die Spirale der Eskalation weiter. Denn wenn Begriffe nicht nur beschreiben, sondern Wirklichkeit formen, wird ihre Wahl selbst zum Gegenstand des Konflikts.
Wo Sprache verhärtet, verengen sich auch die Räume des Denkens und Handelns und Begriffe werden zu moralischen Grenzen, jenseits derer kein Gespräch mehr möglich ist. Ins Zentrum rückt also nicht die Frage nach der richtigen Bezeichnung, sondern die Frage nach der Möglichkeit, darüber zu verhandeln
Wo Begriffe zu Waffen werden, muss Kunst einen Zwischenraum offenhalten – einen Raum, in dem aus moralischer Gewissheit wieder eine Frage werden kann; in dem unterschiedliche Perspektiven nicht sofort in unvereinbare Gegensätze kippen; in dem Positionen nicht gefestigt, sondern geöffnet werden. Das nennen wir Konfliktfähigkeit und Konfliktkultur – Grundbedingungen einer demokratischen Gesellschaft.
Ein Festival kann und soll dabei nicht „neutral“ sein. Als Plattform für künstlerische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Positionen muss es der Offenheit, der Vielfalt und der Kontroverse verpflichtet sein. Ein Festival kann nicht einfach sagen: „Das ist die Position des/r Künstlers*in, nicht unsere“. Denn die Einladung auf die Bühne des Festivals ist eine kuratorische Entscheidung, die immer auch in einer institutionellen Haltung begründet ist: Eine Haltung, die das Festival selbst als Auseinandersetzung begreift und nicht als dogmatisches Tribunal, die nicht versucht, Positionen festzuschreiben, sondern die Bedingungen sichtbar zu machen, unter denen wir Positionen einnehmen. Diese Freiheit zu verteidigen, ist eine institutionelle Aufgabe und Verantwortung.
Kunst wird hier zur Infrastruktur des Verhandelns: Nicht als Ort der Entscheidung, sondern als Raum der Zumutung, der Ambivalenz und der Auseinandersetzung – ein Raum, in dem Dissens nicht verschwiegen, sondern benannt wird, in dem Konflikte nicht aufgehoben, sondern bearbeitbar werden.
14.07.2026/RK

