Julian Kapeller, Obdachlosenseelsorger
Kapeller-Raster

- 2008–2010 Lehre zum Finanzdienstleistungskaufmann
- 2010–2014 Abendmatura und diverse Berufe wie Reinigungskraft, mobile Automatenwartung
- 2014–2015 Lehramtstudium Physik und Mathematik, JKU Linz
- 2015–2018 Bakkalaureatsstudium Religionspädagogik, KU Linz
- 2018–2022 Magisterstudium Religionspädagogik, KU Linz
- Seit 2021 Beauftragter für Jugendpastoral, Diözese Linz
- Seit 2024 Obdachlosenseelsorger, Diözese Linz
Mag. Julian Kapeller Bacc. rel. paed. ist Beauftragter für Jugendpastoral und Obdachlosenseelsorger in der Diözese Linz
Dass er einmal Theologie studieren würde, hätte Julian Kapeller selbst lange nicht gedacht. Aufgewachsen ohne starke kirchliche Prägung, hielt er als Jugendlicher Kirche für „langweilig, veraltet und vor allem unsinnig“. Unverständliche Rituale und alte Lieder – Glaube erschien ihm als Widerspruch zu naturwissenschaftlichem Denken.
Nach Beginn eines Physikstudiums an der JKU Linz kam Julian Kapeller mit der KU Linz in Kontakt und erlebte dort eine Theologie, die kritische Fragen nicht nur zulässt, sondern fördert. Er begann, eigene Vorurteile zu hinterfragen – ein Prozess, der herausfordernd und zugleich befreiend war. „Im Studium wurde mir hier nicht nur die Fähigkeit des philosophischen und theologischen Denkens vermittelt, es hat mich auch sprachfähig gemacht über Inhalte, wo einem im Alltag oft die Worte fehlen: Sinn, Hoffnung, Zweifel, Sehnsucht oder Vergänglichkeit. Vor allem aber hat es mir einen persönlichen Zugang zur Ressource Glaube eröffnet“, so Kapeller.
Dass Kirche kein Ort starrer Traditionen ist, sondern ein Raum der Gemeinschaft, des Austauschs und der Inspiration, erlebte er in der Begegnung mit der Jugendkirche „Grüner Anker“ – ein Verständnis, das er heute als Jugendbeauftragter weiterträgt. Mit Formaten aus Musik, Theater oder Street Art möchte er sakrale Räume neu erfahrbar machen. Dabei ist für ihn klar: „Kunst und Spiritualität sind Schwestern im Geist.“ Beide schaffen Kontexte, „in denen Menschen sich selbst, anderen und manchmal auch dem Göttlichen neu begegnen können“.
Kirche bedeutet für Julian Kapeller auch, aktiv zur Gestaltung einer gerechteren Welt beizutragen. Als Obdachlosenseelsorger ist er dort präsent, wo gesellschaftliche Brüche sichtbar werden. Er begegnet Menschen, die von Armut, Einsamkeit und Ausgrenzung geprägt sind. Seine Aufgabe sieht er als Ergänzung zu materiellen Sozialleistungen vor allem im Zuhören, im Dasein und im Ermöglichen von Beziehung, denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Auch bei Fürsorgebegräbnissen setzt er sich dafür ein, dass jeder Mensch einen würdigen Abschied erhält, auch ohne Trauergäste.
Heute blickt er dankbar auf seinen Weg zurück. Aus einem zufälligen Einstieg wurde eine klare Berufung: Brücken zu bauen zwischen Theologie, Kunst und Lebenswelt – und Menschen in ihrer Verletzlichkeit zu begleiten.
