Retrospektionsabend zur Ausstellung "Heimat – Überall!?"

Unter der Moderation von Chiara Juriatti vom Institut für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien der KU Linz wurde im Gespräch deutlich, wie stark das Konzept von Heimat historisch über Abgrenzung gewachsen ist. Besonders präsent erscheint Heimat oft in der Ferne – als Herkunft, als Erinnerungsraum, als das Eigene, das im Kontrast zum Anderen Kontur gewinnt. Zugleich wurde betont, dass Heimat keine selbstverständlich zugängliche Kategorie ist. Wenn Zugehörigkeit mit Rechten, Anerkennung und sozialer Sicherheit verknüpft ist, wird Heimat zu einer gesellschaftlichen Ressource, die nicht allen Menschen gleichermaßen offensteht, wie Johanna Neuhauser hervorhob. Soziale Positionierungen prägen wesentlich die Möglichkeiten, sich als Teil einer Heimat zu begreifen und an ihrer Gestaltung mitzuwirken.
Vor diesem Hintergrund wurde Heimat nicht als statischer Zustand verstanden, sondern als dynamischer Prozess. An die Stelle eines ausschließenden Gegenbegriffs zum „Anderen“ trat die Idee der Partizipation. Gabriele Kepplinger regte an, Heimat auch als Einladung zu denken: als Praxis des Teilens und Aushandelns, in der unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Biografien aufeinandertreffen. In dieser Relationalität zeigt sich ihr transformierendes Potenzial. Denn das gemeinsame Konstituieren von Heimat in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft bedeutet, Zugehörigkeit immer wieder neu auszuhandeln.
Die Diskussion machte deutlich, dass Heimat historisch aus Mechanismen des Ausschlusses hervorgegangen ist. Umso dringlicher erscheint es heute, diese Strukturen bewusst zu reflektieren und aufzubrechen – und Heimat als relationale, veränderbare Form von Zugehörigkeit aktiv zu praktizieren.
Der Gesprächsabend wurde filmisch von dorfTV dokumentiert.
23.2.2026/CJ/KH
