Mehr als ein Zeichen: Der Weltfrauentag als Statement und Haltung.

Seit mehr als 100 Jahren wird der 8. März in vielen Ländern als "Weltfrauentag" begangen. Gerade auch Bildungs- und Forschungseinrichtungen kommt eine hohe Verantwortung zu, problematische Verhältnisse und Strukturen zu benennen, zu analysieren und mit Imperativen von Ethik und Moral zu konfrontieren. Was verbinden Lehrende und Forschende der KU Linz mit dem "Weltfrauentag"? Wir haben nachgefragt.

An der Katholischen Privat-Universität Linz mit ihren Fachbereichen Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft sind Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion gelebtes Selbstverständnis. Die KU Linz begreift sich, nicht zuletzt mit Schwerpunktthemen in Forschung und Lehre, als Ermöglichungsraum und Vorbild für Chancengleichheit, Wertschätzung und Gleichstellung in der Praxis. Sensibel im Blick auf die Universitätskultur, auf akademische Strukturen, Organisationsformen und Arbeitsbedingungen und durch institutionell verankerte Instrumente wie den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen ist die KU Linz bestrebt, sich stets weiterzuentwickeln. Sichtbar wird das u.a. in einem im österreichischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Frauenanteil bei Professor:innen, Lehrenden und Forschenden.

Der Weltfrauentag, der in vielen Ländern am 8. März begangen wird, ist mittlerweile international etabliert – in fast 30 Staaten auch als gesetzlicher Feiertag. Im Zentrum steht – damals wie heute – der Einsatz für die Rechte von Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter. Frauen sind nach wie vor sind in vielen Bereichen benachteiligt, etwa beim Einkommen, politischer Mitbestimmung, Bildung, Gesundheit, körperlicher Selbstbestimmung, Sicherheit und gesetzlicher Gleichstellung.

Wir haben Lehrende und Forschende der KU Linz zu Statements über den "Weltfrauentag" und seine Bedeutung eingeladen und gefragt, was sie persönlich mit diesem Tag verbinden:

Der Weltfrauentag erinnert daran, dass Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit ist: Viele Ziele auf dem Weg zu umfassender Geschlechtergerechtigkeit sind noch nicht erreicht, zugleich gilt es bereits Erreichtes zu bewahren. Dieser besondere Tag bietet die Chance, sich an das von Frauen Geleistete zu erinnern, Erfolge zu feiern, aber auch weiter vorhandene Defizite aufzuzeigen, um gemeinsam aktiv für die Rechte von Frauen und ihre vollumfängliche Teilhabe einzutreten.

Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber
Universitätsprofessorin der neutestamentlichen Bibelwissenschaft

Der Internationale Frauentag ist sowohl ein Grund zur Freude als auch zur Pflicht. Freude vor allem deshalb, weil er Gelegenheit bietet, der bereits errungenen Erfolge im historischen Kampf um die Gleichberechtigung aller Frauen zu gedenken. Zugleich jedoch – und in erster Linie sogar – ist dieser Tag jedes Jahr auch eine Erinnerung an eine Pflicht, da er uns bewusst macht, dass der Kampf noch lange nicht gewonnen ist, und uns auffordert, unser Engagement zu erneuern und unsere Anstrengungen zu verdoppeln.

Ass.-Prof. Dr. Carlos Zorrilla Piña
Institut für Geschichte der Philosophie

Am Internationaler Frauentag erinnert die Theologin Rosemary Radford Ruether (1936–2022) daran, dass die Heilung der Erde ohne soziale Gerechtigkeit und die Gleichberechtigung der Frauen undenkbar ist. Ihre Theologie legt die verborgenen Verflechtungen zwischen ökologischer Zerstörung, patriarchalen Machtstrukturen sowie kolonialer und rassistischer Unterwerfung frei – Strukturen, die tief in der westlichen Kultur- und Ideengeschichte eingeschrieben sind.

Gerade deshalb braucht es eine Wandlung unserer Denkformen, unserer Beziehungen und unserer Vorstellungskraft. Auch der theologische Diskurs kann zur Transformation entfremdender Deutungsmuster beitragen, wenn er seine rationalen, aber ebenso seine symbolischen, affektiven und kritischen Kräfte neu belebt und in Bildung, Sprache und gemeinsames Handeln einfließen lässt – eine Aufgabe, für die gerade Theologinnen eine unverzichtbare Stimme sind.

Univ.-Prof.in Dr.in Isabella Guanzini
Vorständin des Instituts für Fundamentaltheologie

Universitäten sind in Bezug auf die Gleichbehandlung wichtige Institutionen, etwa in der Gestaltung als konkreter Arbeitsplatz oder durch die geistesgeschichtliche Erforschung von Frauenbildern. Als Professorin für Kunstwissenschaft versuche ich den Studierenden dabei ein Vorbild und eine Ansprechperson zu sein sowie in meiner Lehre durch die Beschäftigung mit Kunstwerken das Bewusstsein für die Bedeutung von Geschlecht als die Gesellschaft und das Leben vielfältig prägende Kategorie zu wecken.

Univ.-Prof.in Dr.in Elisabeth Fritz
Professur für Kunstwissenschaft und Ästhetik / Institut für Geschichte und Theorie der Kunst

Meiner Meinung nach gehört der Frauentag zu den schönsten Vermächtnissen des Kommunismus. Jedes Jahr erinnert er uns an die großen Schritte, die unsere Gesellschaft im Schutz und in der Emanzipation der Frauen gemacht hat – und zugleich daran, dass diese Schritte noch längst nicht überall auf der Welt Wirklichkeit geworden sind.

Zugleich ist er eine Gelegenheit, all jene „tüchtigen Frauen“ in unserem Leben wahrzunehmen: Frauen, die mehr wert sind als Perlen, die ihre Hand den Armen öffnen, die mit Stärke und Würde bekleidet sind und den Herrn fürchten, die mit Weisheit reden und auf die sich ihre Männer verlassen können (vgl. Spr 31,10–31).

Ass.-Prof. Dr. Mateja Sapina-Svirac
Fachsekretärin Abteilung Synodalität / Assistenz-Professorin für Pastoraltheologie 

Gegenwärtig scheint ein als traditionell verstandenes Rollendenken nicht zuletzt in den Sozialen Medien neu an Attraktivität zu gewinnen. Frauen* und Mädchen* drohen dabei in die häusliche Sphäre und die damit verbundenen Wirkungs- und Aufgabenbereiche (zurück-)verwiesen zu werden. Umso wichtiger ist es, solche gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch zu reflektieren und sich weiterhin entschlossen für Gleichberechtigung und gleiche Teilhabe in allen Lebensbereichen einzusetzen.

Univ.-Lekt.in Mag.a Anna Bachofner-Mayr
Universitätslektorin (Senior Lecturer) am Institut für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik
Dr.in Verena Lorber
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Franz und Franziska Jägerstätter Institut" der KU Linz

6.3.2026/HE