Gottfried Bachl: Präsentation der Gesammelten Schriften an der KU Linz.

Gottfried Bachl (1932–2020), ein Theologe, den es zu entdecken gilt: Unter diesem Motto stand am 27. Mai 2026 an der Katholischen Privat-Universität Linz die Präsentation der nun abgeschlossenen Ausgabe seiner Gesammelten Schriften, erschienen im renommierten Herder Verlag. Herausgegeben von Wilhelm Achleitner, Alois Halbmayr und Heinrich Schmidinger stellen die 5 Bände mit 267 Texten und allen Buchpublikationen Bachls eine umfassende Dokumentation seines theologischen Denkens sowie seines weitgespannten schriftstellerischen Wirkens dar. Bei der Buchvorstellung gewann Gottfried Bachl als Theologe, Autor und Mensch Profil: Weggefährten erinnerten sich an eine prägende Persönlichkeit, deren Stimme es auch in Zukunft verdient, in Kirche, Theologie und Gesellschaft gehört zu werden.

Mitherausgeber Wilhelm Achleitner umriss zunächst den Entstehungsprozess der Gesammelten Schriften. Bereits unmittelbar nach dem Tod Bachls im Mai 2020 begannen die Vorbereitungen für zwei Publikationen – Zur Freiheit befreit. Gottfried Bachl und seine Gottesgeschichten (2022) und Das flüchtige Nu des Lebens (2024) –, in deren Verlauf die Entscheidung getroffen wurde, eine systematische Erfassung seines Werks vorzunehmen. Ziel war es, die sehr verstreut erschienenen Schriften und das faszinierende theologische Denken Gottfried Bachls zugänglich zu machen, durch gehaltvolle Einleitungstexte zu erschließen und zu kontextualisieren. Bei einem Rundgang durch die fünfbändige, 3070 Seiten umfassende Publikation lenkte Achleitner die Aufmerksamkeit insbesondere auf Bachls Buchpublikationen Der schwierige Jesus (1994) und Der beschädigte Eros (1989) sowie auf seine einzigartigen Ausführungen zur Eucharistie. Bemerkenswert sei, dass bereits in seinem frühesten Artikel aus dem Jahr 1966 ein bestimmendes Motiv seiner Theologie begegnet: das „Gesicht Gottes“.

In einem Kurzportrait des „Theologen und Poeten Gottfried Bachl“ bettete Mitherausgeber Heinrich Schmidinger dieses Grundmotiv Bachls in die theologischen Dispute vornehmlich der 1960er Jahre ein. „Wie verstand Jesus sich selbst?“ und „Was können wir vom historischen Jesus wissen?“: In der Auseinandersetzung mit diesen Fragen findet Bachl einen ganz eigenen Weg – bei dem das Selbstsein Jesu im Zentrum steht und das Ins-Gesicht-Schauen als Essenz des Glaubens. Denn ohne „Blickkontakt mit Jesus“ gebe es kein Christentum; ist diese Begegnung nicht möglich, so „verschwinde Jesus in der Idee der Erlösung“. Bachl warnte damit auch vor einer Theologie, die Jesus im Christusprinzip aneignet und instrumentalisiert: „Was bleibt von Jesus, wenn wir alles wegnehmen, was er für uns ist?“ Ein solcherart verkleinerter Jesus werde „in unserer Logik angenagelt“. Dass Reden über Gott das Reden mit Gott voraussetzt, spiegelt sich auch in Bachls literarischem Stil: Dieser sei nicht Äußerlichkeit oder Selbstzweck, sondern Ausdruck einer Unmittelbarkeit, die in seinen Texten mitreflektiert werde.

„Hätte uns Jesus erlöst, wenn er im Bett gestorben wäre?“ An diese bezeichnende Prüfungsfrage Bachls erinnerte sich Franz Gruber, als emeritierter Universitätsprofessor an der KU Linz einer der Lehrstuhlnachfolger Bachls. Nicht nur wegen solcher Fragen war Bachl ein Mythos im Kollegium der Lehrenden und unter Studierenden. Legendär was seine Fähigkeit, mit einem Satz die Zuhörer:innen zu gewinnen: Schon wie er das Wort „Gott“ artikulierte, ließ den Atem anhalten. Er sei kein Zitatentheologe gewesen, der sich in seiner wissenschaftlichen Festung verschanzt; er war ein Mensch des Dialogs, auch in schwierigen kirchenpolitischen Konstellationen, der ungerührt von allen Autoritäten stets wahr und freimütig sprach. Diese Eigenschaften Bachls haben junge Theolog:innen fasziniert – und prägten auch den offenen Geist der Universität.

Mit „Mosaiksteinen“ zu seinen Begegnungen mit Gottfried Bachl rundete Bischof Manfred Scheuer das Bild ab. Sichtbar wurde dabei ein durchaus streitbarer Theologe, dessen kritische Haltung zu manchen Entwicklungen und Strömungen ihn sehr klare Worte und Urteile finden ließ. So war er sehr skeptisch gegenüber jeder gerade auch theologisch verbrämten naiven Naturverklärung und hatte auch große Vorbehalte gegen Bestrebungen und Motive einer zeitweise im Diskurs tonangebenden „Politischen Theologie“. Damit war bei Bachl aber kein Relevanzverlust der Gottesrede in der Gesellschaft gemeint – im Gegenteil: Seine lebenslange Auseinandersetzung mit dem Thema Mauthausen, auch in Austausch und Zusammenarbeit mit seinem Cousin, dem Künstler Herbert Friedl, zeige bespielhaft, dass er von Theologie und Kirche erwartete, hier engagiert Stellung zu nehmen. Und in diesem Sinne habe er auch eine „geschwätzige Betriebsamkeit“ kritisiert, die die eigentlichen Probleme überspiele, und sei gegen eine „Verweigerung des theologischen Denkens im Namen der Frömmigkeit“ aufgetreten.

Der von Lukas Lahninger (Saxophon) musikalisch gestaltete Abend endete mit einer Lesung ausgewählter Texte durch die Herausgeber. Auszüge u.a. aus Auch Dinge haben ihre Tränen, Mailuft und Eisgang und Der schwierige Jesus ließen einen kraftvollen Autor erleben, dessen zugespitzte Formulierungen einmal gelesen noch lange nachwirken. Ein besonderes Erlebnis bildete den Abschluss: Eine Tonaufnahme Gottfried Bachls mit Gedichten und Texten in Mühlviertler Mundart zeigte eine ganz andere Facette des Theologen.

Mehr Informationen zu den Gesammelten Schriften von Gottfried Bachl finden Sie auf der Homepage des Herder Verlags.

Die Finanzierung der Publikation erfolgte mit Unterstützung der Erzdiözese Salzburg, der Diözese Linz, des Landes Oberösterreich, des Katholischen Pressvereins der Diözese Linz sowie der Pfarre und Stadtgemeinde Pregarten (als Heimatgemeinde Gottfried Bachls).

Zu Gottfried Bachl
Gottfried Bachl wurde am 16. April 1932 in Pregarten geboren. Nach der Matura 1953 am Kollegium Petrinum trat er in das Linzer Priesterseminar ein. 1953 begann er das Philosophie- und Theologiestudium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und wurde 1959 in Rom zum Priester geweiht. 1963 schloss er das Doktorratsstudium ab.

Von 1963 bis 1966 war Gottfried Bachl Seelsorger in der Pfarre Wels-St. Stephan und von 1966 bis 1970 Religionslehrer am Wirtschaftskundlichen Mädchen-Realgymnasium der Schulschwestern in Wels. Ab 1970 arbeitete Gottfried Bachl zuerst als Lehrbeauftragter und war ab 1973 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz (heute KU Linz). 1973 erhielt er auch den Lehrauftrag für Dogmatik an der früheren Religionspädagogischen Akademie der Diözese Linz. 1983 wurde er auf den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Salzburg berufen, wo der 1998 emeritierte. Am 23. Mai 2020 ist Gottfried Bachl im 89. Lebensjahr in Vöcklabruck gestorben.

28.5.2026/RK