Gedächtnisbuch Oberösterreich - Präsentation 2026

Am 20. Mai 2026 fand um 18 Uhr in Anwesenheit von etwa 100 Gästen die diesjährige Präsentation der neuen Beiträge des Gedächtnisbuches Oberösterreich auf dem Linzer OK-Deck statt. Das Projekt ermöglicht das Sichtbarmachen individueller Schicksale oberösterreichischer Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden oder ihr Leben durch widerständiges Handeln gefährdeten.

Dieses Jahr stellte das Gedächtnisbuch OÖ -  eine fortlaufend erweiterte Sammlung von Biografien zu Personen, die im Nationalsozialismus aus den verschiedensten Gründen verfolgt waren oder durch widerständiges Handeln gegen das NS-Regime ihr Leben in Gefahr brachten - besonders Mitglieder des kommunistischen und christlich-sozialen Widerstands, Opfer der NS-Euthanasie, die Gruppe der Zeug:innen Jehovas, eine Sinti Familie, die Gruppe der „Asozialen“ und Opfer der Zwangsprostitution in den Konzentrationslagern in den Mittelpunkt. Mit Franz Ohnmacht findet auch ein enger Mitarbeiter des damaligen Diözesanbischofs Johannes M. Gföllner Eingang in die Sammlung.

Das Gedächtnisbuch OÖ kann im Mariendom Linz und im Linzer Schlossmuseum aufgeschlagen werden. Ziel ist es, das Gedächtnisbuch in verschiedene Kontexte des Erinnerns zu verorten und die erarbeiteten Biografien in die Gedenkkultur des Landes Oberösterreich einzubinden.

Bei der Präsentation am 20. Mai 2026 auf dem OK-Deck in Linz sprachen Thomas Schlager-Weidinger und Margot Nazzal, Leiterin der Direktion Kultur und Gesellschaft der Oö. Landesregierung, einführende Worte. Danach präsentierten die Beitragenden die neu eingefügten Seiten im inzwischen 66 Beiträge umfassenden Buch. Die musikalische Gestaltung übernahmen Bernhard Kitzmüller und Martin Kramer (Gitarren-Duo) sowie Davide Zavatti (Cello) und Stephan Hametner (Klavier).

Schlussworte sprachen Andreas Schmoller, Leiter des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts an der KU Linz, und Bischof Manfred Scheuer. Bischof Scheuer bezeichnete in seinen Gedanken die Erinnerung als das Schlüsselwort; sie verbinde Vergangenheit und Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Das Erinnern gebe der Gerechtigkeit ihre Würde zurück. Erinnerung an Leid und an Leidende stehe im Kontext von Abwehr, Empörung, Grauen, Sympathie, Apathie oder Antipathie, von Scham oder Gleichgültigkeit, Nihilismus, Hoffnung, Arroganz, Hass, Verachtung, Verzweiflung, Verzeihen, Freude am Leben, Bitterkeit. „Wenn alle von ‚Bewältigung’ und ‚Aufarbeitung’ der Vergangenheit reden, dann werden die unschuldig Leidenden wieder zu Material. Dies geschieht auf ganz andere Weise, wenn die Toten im Besitz der Lebenden für gegenwärtige Machtkämpfe herhalten müssen, wenn die moralische Entrüstung hervorgeholt wird, um als nützliche Waffe zu dienen. Und nicht zuletzt sind die Schmerzen und Schreie der Opfer in der Vergangenheit interessant für Voyeure, denen es gerade fad ist und die deshalb nach Unterhaltung rufen. Und dann gibt es auch einen Trend zur Musealisierung, zur Neutralisierung oder zur Relativierung und geschichtlichen Einordnung des Holocaust. Aber Geschichte kann man nicht neutralisieren“, so Scheuer. Bischof Scheuer dankte dem Projektteam des Gedächtnisbuches und allen, die ihre Verbundenheit mit ihren Familienangehörigen gezeigt hätten.

Die Beiträge sowie nähere Informationen zur Veranstaltung können Sie hier nachlesen.

Quelle: Pressemitteilung Diözese Linz

22.5.2026/HE