Interdisziplinäre Tagung: Die komplexen Herausforderungen der Liturgiesprache.

Die Liturgiesprache zählt aktuell zu den größten Herausforderungen im Bereich des Gottesdienstes, und das sowohl im deutschsprachigen Raum als auch weltweit. Im Synodalen Prozess in der Weltkirche gehört die “Baustelle Liturgiesprache" stets zu den Top 3 der Rückmeldungen. Gleichzeitig werden für den deutschen Sprachraum die wichtigen liturgischen Bücher des Messbuchs und des Benediktionales durch Kommissionen momentan überarbeitet.
Mit der vom Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie ausgerichteten Fachtagung "Die Liturgiesprache: Ein Komplex von Herausforderungen" machten Universitätsprofessor Ewald Volgger und Assistenz-Professor Predrag Bukovec den ersten Aufschlag zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der wohl zur Zeit wichtigsten Thematik in der Liturgiewissenschaft. Es konnten Akzente gesetzt werden, die in der folgenden Fachdiskussion prägend sein dürften. Die hohen Anmeldezahlen überraschten selbst die Organisatoren und zeigen, dass das Thema einen Nerv trifft: Hauptamtliche aus der Pastoral kamen aus ganz Österreich, ebenso Ehrenamtliche und kirchlich Engagierte sowie Interessierte aus Südtirol und Deutschland.
Wie der Untertitel bereits verrät, stellt sich die Thematik – noch radikaler als in früheren Jahrzehnten – als ein Komplex von vielen Herausforderungen dar, die hier erstmals erfasst und reflektiert wurden. Dafür wurde bewusst neben der Einbindung der beiden Liturgischen Institute in Salzburg und Trier die interdisziplinäre Expertise aus der Journalistik, Germanistik, der musikalischen Praxis sowie der Kategorialen Seelsorge einbezogen. Außerdem waren mehrere Vortragende aus der Ökumene beteiligt, die ihre Erfahrungen einbringen konnten. Ein Höhepunkt der Tagung war der Vortrag von Bischof Manfred Scheuer, der seine Gedanken zur Liturgiesprache aus der Sicht eines Diözesanbischofs dem Auditorium vorstellte.
Die Tagung begann mit einem öffentlichen Abendvortrag des ORF-Moderators Tarek Leitner (Zeit im Bild), der Überlegungen über das Sprechen im öffentlichen Raum anstellte. Es folgten am Freitag und Samstag 16 Vorträge, die in vier Panels eingeteilt waren: Damit konnte das breite Panorama der Liturgiesprache aus verschiedenen Blickwinkeln vertieft werden. Man reflektierte die Grundlagen von Sprache und Liturgie, ihre Inspiration durch die Heilige Schrift und ihre enge Verbindung zur Musik. Die laufenden Revisionsvorhaben wurden vorgestellt und in die Entwicklung seit der Liturgiereform eingeordnet. Der Freitagnachmittag war der gottesdienstlichen Besonderheit gewidmet, dass hier die Sprache stets mit rituell-körperlichem Tun verbunden ist und mehrheitlich als Gesang entgegentritt. Der Samstag setzte Akzente, die bislang im Fachgespräch kaum Beachtung fanden: Die Liturgiesprache hat sich verstärkt auszudifferenzieren, weil es Personengruppen gibt, für welche das Standardidiom aus verschiedenen Gründen angepasst werden muss: Zu denken ist hier an Menschen in Demenz und Menschen mit Behinderung genauso wie an Menschen in ihrer frühen Entwicklung, also Kinder und Jugendliche.
Die Tagung konnte durch die Vielfalt an Zugängen ein Forum für fachlichen Austausch bieten und zeigen, wie wichtig die Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener Perspektiven ist, um sich mit einem hochkomplexen Thema wie der Liturgiesprache angemessen auseinanderzusetzen. Es wurde deutlich, dass die Sprache im Gottesdienst zum Wesenskern der Liturgie gehört, aber heute darauf ankommt, dass sie differenzierter und viel breiter angegangen werden muss.
17.3.2026/PB/RK




