Erlebnis Wissenschaft. Lange Nacht der Forschung an der KU Linz.

Ein interaktiver Bibliothekskrimi, eine Debatte über Tierethik, eine Führung zu den Wandbildern (Murals) und noch mehr Wissenswertes, Überraschendes und Erstaunliches erwartete die Besucher:innen bei der „Langen Nacht der Forschung" am 24. April 2026 an der Katholischen Privat-Universität Linz. Insgesamt fünf Programmpunkte gaben von 17:00 bis 23:00 Uhr spannende Einblicke in die drei Fachbereiche Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft.

Graffiti, Street Art und Urban Art: Dass diese als sehr modern wahrgenommenen flüchtigen Formen der Kunst über eine lange Geschichte verfügen, zeigte Kunstwissenschaftlerin Ilaria Hoppe. Von der Antike über die Sgraffito-Technik des Mittelalters bis in die urbanen Zentren der heutigen USA führte der Rundgang, an dessen Ende die gemeinsame Besichtigung der Murals an den Fassaden der Universitätsgebäude stand. 

Eine Begegnung mit Originalbriefen von Franz Jägerstätter ermöglichte Andreas Schmoller: Der Historiker öffnete das Archiv des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts und ging mit den Teilnehmer:innen der Frage nach, mit wem der 1943 hingerichtete Kriegsdienstverweigerer während der Zeit des Nationalsozialismus in Linz in Kontakt stand. In der unmittelbaren Auseinandersetzung mit den Quellen wurde der Mensch Jägerstätter greifbar – und Forschung konkret erlebbar.

Einen Kurzlehrgang in Bildkompetenz bot Kunstwissenschaftlerin Kerstin Borchhardt – und wählte dazu fiktive Figuren, die in digitalen Medien ein bemerkenswertes Eigenleben führen: Anhand des Ungeheuers von Loch Ness, des Chupacabra oder der Figur des Slender Man zeigte sie die Verbreitungsdynamiken von Bildern und deren Auswirkungen. Dass Fotos nie ein bloßer „Abdruck von Wirklichkeit“ sind und wie man damit umgehen kann, gab sie den Teilnehmer:innen mit ins tägliche Leben zwischen Fakten und Fiktion.

Wie lässt sich unsere Beziehung zu Tieren neu denken? Im Gespräch entwickelten Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal und Moraltheologe Michael Rosenberger Perspektiven für eine Tierethik, die bahnbrechenden Erkenntnissen der biologischen Wissenschaften Rechnung trägt und vom Selbstverständnis des Menschen in seiner Verantwortung für Mitgeschöpfe getragen ist. Mit ihren je eigenen Zugängen machten sie deutlich: Der unüberwindliche Graben zwischen Mensch und Tier ist eine historische Konstruktion, die es zu überwinden gilt.

Die Bibliothek als ausgeklügelten Ort der Informationsspeicherung und Wissensvermittlung machten Ingo Glückler – „Master of Ceremony“ in der Figur des spleenigen Robert Riddle – und Josef Kern zu einem spannenden Raum eigener Erkundungen: In einem humorvollen Rollenspiel, in das die Besucher:innen interaktiv eingebunden waren, begab man sich auf die Suche nach einem verschwundenen Buch. Und ganz nebenbei lernte man dabei die Funktionsweisen und Prozesse einer modernen wissenschaftlichen Bibliothek kennen, die zur Benützung einlädt.

27.4.2026/RK/HE