Enzyklika "Magnifica humanitas": Erste Eindrücke von Rektor Michael Fuchs.
Päpstliche Enzyklika Magnifica humanitas – Statement von Rektor Michael Fuchs
Sie wurde mit Spannung erwartet und liegt nun seit dem Pfingstmontag 13:00 Uhr römischer Zeit vor: Magnifica humanitas. Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. In der Tat fokussiert der Papst, wie der Titel erwarten lässt, auf die menschliche Person und die Menschenwürde, die es zu achten und zu bewahren gelte. Das Stichwort der Künstlichen Intelligenz im Titel steht für ein ganzes Bündel von Technologien: Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Robotik. Mit einem anthropologischen und theologischen Ansatz stellt Leo klar, dass Technik zum Menschen gehört und grundsätzlich eine positive Sache ist. Auch Technologie ist Ausfluss der menschlichen Kreativität. Ihre Nutzung kann aber durchaus auch zu negativen Zwecken oder mit negativen Nebenwirkungen erfolgen. Der Papst hebt darauf ab, dass die neuen Technologien durchaus Besonderheiten haben, und dies liegt vor allem daran, dass sie Auswirkungen auf unsere sozialen Strukturen, unsere Entscheidungsprozesse und das kollektive Bewusstsein haben.
Die einzelnen Kapitel betreffen dann eine große Zahl von Themen und aktuellen Herausforderungen. Bei aller Erwartung an die neuen Technologien ist es Leo wichtig, die Differenz zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz festzuhalten. Künstliche Intelligenz kann uns viele Prozesse abnehmen, sie kann aber nicht moralische Verantwortung übernehmen oder die Bedeutung ihres eigene Tätigseins reflektieren. Die neuen Technologien sollten weder zu der Annahme führen, dass menschliche Handlung nicht erforderlich ist, noch dass Technologie menschliches Handeln aus seiner Begrenztheit lösen könnte und sollte. Insofern kritisiert Leo sowohl den Transhumanismus wie den Posthumanismus.
Mit dem Blick auf demokratische und soziale Prozesse orientiert sich Leo an den Begriffen Wahrheit, Arbeit und Freiheit. Polarisierende Narrative und manipulierte Informationen gefährden das Vertrauen und die Wahrhaftigkeit, die Grundlage demokratischer Entscheidungsprozesse sind, Automatisierungen bergen die Gefahren, Arbeiterinnen und Arbeiter zu Assistenzsystemen der Technologie zu machen. Freiheit schließlich ist eine öffentliche Sache, die sowohl durch suchthaften Umgang mit Technologie wie auch durch technologievermittelte soziale Kontrolle gefährdet ist.
Schließlich behandelt die Enzyklika auch den Krieg und die Nutzung der neuen Technologien in militärischen Kontexten. Grundsätzlich wendet sich der Papst gegen die Auffassung des Krieges als einer sozialen oder anthropologischen Notwendigkeit. Ohne das Recht auf Verteidigung zu bestreiten, macht er deutlich, dass die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt nicht gesenkt werden darf.
Obschon er ein neues Thema behandelt, steht der Text eindeutig in der Tradition der katholischen Lehre seit dem Zweiten Vatikanum. Leo verbindet die Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen mit dem Menschenrechtsansatz, der in der Würde gründet. Er greift Konzepte wie Solidarität, Subsidiarität und Gerechtigkeit aus der katholischen Soziallehre auf. Er liebt wie seine Vorgänger bildliche Entgegensetzungen, bei Leo ist dies der Gegensatz von Babel und Jerusalem. In der Sache aber werden liberale und kommunitaristische Ansätze durchaus zusammengeführt. Im Ergebnis gibt es zwischen dem Papst und der Europäischen Union deutliche Berührungen, wenn man auf die Grundrechtefolgenabschätzung schaut, die mit der KI-Gesetzgebung der EU intendiert ist. Leos Rede von einem christlichen Humanismus geht aber auch darüber hinaus.
Als Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz fallen mir besonders die thematischen Überschneidungen auf zwischen den Themen der Enzyklika und der Forschung an der KU Linz. Dies ist zum einen die Erforschung der durch die Digitalisierung veränderten Öffentlichkeit und ihrer Bedeutung für demokratische Urteilsbildung („Diskurse der Öffentlichkeit“). Weiters ist dies die Frage, wie sich das Selbstverständnis des Menschen durch die Reflexion auf den technologischen Wandel ändert („Transformationen des Humanen“). Es sind dies aber auch Forschungen zum Human Enhancement am Institut für Praktische Philosophie und Beiträge zur Kriegs- und Friedensforschung am Schasching-Institut für Christliche Sozialwissenschaften, in der interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Wirtschaf – Ethik – Gesellschaft, in der Philosophie und den Bibelwissenschaften. Das 120-seitige Schreiben des Papstes verdient eine gründliche Lektüre!
Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
Ein Überblick zur Enzyklika findet sich auf der Homepage der Diözese Linz.
Der gesamte Text von Magnifica humanitas ist auf der Homepage des Vatikans abrufbar.
25.5.2026/MF/RK
