ThPQ 1/2024 "Musik": Räume zwischen Immanenz und Transzendenz.

Was "Musik" für Menschen und ihre Kulturen bedeutet, lässt sich kaum erschöpfend darlegen: Geschichte wie Gegenwart menschlichen Lebens ist durchwirkt von musikalischen Äußerungen, von einfachen Klangfolgen bis zu den elaboriertesten, kunstvollsten Tonschöpfungen. Dem, was darin vielgestaltig sichtbar – und vor allem hörbar – wird, spürt das aktuelle Heft der Theologisch-praktischen Quartalschrift nach. Pastoraltheologische, spirituelle und musikwissenschaftlicher Perspektiven erschließen Qualitäten und Funktionen von Musik und deuten sie zugleich als autonome ästhetische Sphäre jenseits instrumenteller Vereinnahmung. Heft 1/2024 "Musik" zeigt so Dimensionen eines Phänomens auf, das in die tiefsten Schichten menschlichen Lebens führt – und darüber hinaus.

Eine Welt ohne Musik – unvorstellbar! Ein solcher Gedanke macht uns bewusst, dass Leben, Kultur und Zivilisation von Dimensionen bestimmt sind, die sich dem selbstverständlich Zweckhaften und Nützlichen entziehen. Kunst und Religion sind solche Dimensionen. Eine besondere Form, die Kunst und Religion verbindet, ist die Musik. Sie ist eine Ausdrucksweise, die vor allem über den Sinn des Hörens Räume und Wirklichkeitserfahrungen zugleich schafft und erschließt, die von einzigartiger Kraft und Tiefe Zeugnis geben. Musik verbindet in ihrer akustischen Sprachform gleichsam Himmel und Erde, Klangerlebnis und Öffnung auf Transzendenz. 2024 feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag von Anton Bruckner – ein würdiger Anlass, dem Thema Musik Raum zu geben.

Aus dem Editorial

Musik ist ein Medium mit bemerkenswerten Qualitäten – und mit besonderen Wirkungen auf Hörer:innen. Ganz spezifisch sind daher auch die Funktionen, die Musik gefunden hat und auch heute in unterschiedlichen Kontexten findet:

Musik bewegt Menschen in ihren Tiefenschichten, bereitet für spirituelle Erfahrungen. Sie kann die religiöse Wahrnehmung schärfen, religiöse Gefühle, Resonanzen der Gottespräsenz bewusst machen, religiöse Artikulation unterstützen. Grundstrukturen von Musik koinzidieren mit Wahrnehmungen und Interpretationen der Wirklichkeit – was sich auch kulturübergreifend darlegen lässt. Musik kann ein Vehikel der Kritik und der Subversion sein, zugleich als Form des Ausdrucks wie als Lebensform, die sich bewusst jenseits der geordneten Gesellschaft und ihrer Vorstellungen verortet. Gesang und Musik schließlich sind entscheidende und unverzichtbare Elemente des christlichen Gottesdienstes – durchaus auch in der Spannung zwischen liturgischem Ideal und lebensweltlichem Interesse.

 

Das aktuelle Heft der Theologisch-praktischen Quartalschrift versammelt Beiträge aus der Feder renommierter Expert:innen mit pastoraltheologischer, spiritueller und musikwissenschaftlicher Perspektive. In ihnen wird die Relevanz der Musik für Religion und Gesellschaft eindrucksvoll sichtbar: Sie ist auch heute noch eine unverzichtbare Quelle der Erfahrung von Transzendenz und Lebenssinn. Musik ist ein Medium des Weltverhältnisses ohnegleichen – darum ist eine Welt ohne Musik unvorstellbar.

Mit Beiträgen zum Thema von Michael von Brück, Peter Bubmann, Elisabeth Theresia Hilscher, Thomas Staubli, Ewald Volgger, Knut Wenzel, einer Abhandlung von Michael Fuchs sowie zahlreichen Rezensionen aktueller Publikationen aus allen Feldern der Theologie.

Editorial Heft 1.2024 "Musik"

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Die ThPQ erscheint im Verlag Friedrich Pustet. Die aktuelle Ausgabe ist auch als eBook/PDF erhältlich.

10.01.2024/rk