Theologen über Leo XIV.: "Er kann Papst"

Linzer Pastoraltheologin Csiszar skizziert in "Herder Korrespondenz" Visionen für die Weiterentwicklung des Papstamtes unter Leo XIV.

Nach seinem ersten Jahr im Amt schält sich langsam ein Profil des neuen Papstes Leo XIV. heraus - ein Profil, das im Blick auf das kirchliche Großthema Synodalität den Weichenstellungen seines Vorgängers Franziskus folgt, das aber zugleich vor der Herausforderung kanonistischer Vertiefung steht, sprich: Es braucht "gute Gesetze", die der Kirche den Weg in die Zukunft bahnen. Für beides sei Leo der richtige Mann, kurz: "Leo XIV. denkt strategisch, strukturell und nachhaltig, kennt die Spannungen einer vielgestaltigen Kirche - und er kann Papst, nämlich auf gut katholisch." Das hat die Linzer Theologin Prof. Klara Csiszar in einem Beitrag für ein Sonderheft der "Herder Korrespondenz" zum ersten Jahr des Pontifikats von Papst Leo XIV. betont.

Synodalität: Ort der Entscheidung über Papstamt im 21. Jahrhundert 

Mit dem Synodalen Prozess habe Leo von seinem Vorgänger "nicht einfach ein fertiges Projekt übernommen, sondern eine große Baustelle", führte die an der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) lehrende Pastoraltheologin aus. Gerade angesichts der teils vorpreschenden Entscheide von Franziskus - etwa die Ernennung von Frauen und Laien für Leitungsfunktionen, neue Formate von Beratungsgremien etc. - befinde sich die Kirche immer noch in einer "Übergangsphase" und in einer "Zone des Provisorischen", aus der Leo sie herausführen und die Reformen in eine Form gießen müsse, "die nicht mit seiner Person steht oder fällt".

Daneben sei jedoch auch das Papstamt selbst bzw. die Art, wie der Primat ausgeübt wird, einem synodalen Wandel unterworfen, stellte Csiszar fest. "Synodalität, Kollegialität und Primat greifen ineinander" - und letztlich würde ein Papst, der nicht auf das Volk der Gläubigen hört, "ins Leere wirken". Csiszar: "Ein Papst, der sich als Nachfolger Petri versteht, wird sich künftig daran messen lassen müssen, wie sehr er den sensus fidei im Volk Gottes ernst nimmt, wie transparent und dialogisch er mit dem Bischofskollegium Entscheidungen vorbereitet und wie klar er zugleich in entscheidenden Fragen Verantwortung übernimmt und für Kontinuität sorgt." Das Thema Synodalität sei daher auch kein kirchliches Randthema, sondern "ein Ort der Entscheidung für die Gestalt des Papstamts im 21. Jahrhundert", so Csiszar.

Erschienen ist der Beitrag von Klara Csiszar im Sonderheft "Papa Leone: Leo XIV. und die Zukunft des Papstamts" der "Herder Korrespondenz".

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Papa Leone.

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