Arbeiten und Wirtschaften im monastischen Kontext (2014-2015)

Eine kritische interdisziplinäre Analyse

Foto: Ewok Jorduman (Flickr) - License: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

Ratgeber und Seminare mit Titeln wie „Benedikt für Manager" oder „Augustinus für Manager" deuten darauf hin, dass in der christlichen Ordensspiritualität Hilfestellungen für die Leitungsaufgabe und Lebensführung von ManagerInnen gefunden werden. Ordensregeln werden als Lebenshilfe für UnternehmerInnen präsentiert. Nach der aktuellen Bedeutung der Orden für „Wirtschaft" wird aber nicht nur in der Ratgeberkultur gesucht; auch in den Wissenschaften wird diese Relevanz erforscht. Einige, allerdings kaum miteinander vernetzte Forschungsprojekte der Theologie, Soziologie und Ökonomie beschäftigen sich im Besonderen mit benediktinischen Klöstern.

Dieses Interesse hat gute Gründe:

Für die Theologie lohnt es sich, die benediktinischen Klöster zu untersuchen, weil sie christliche Institutionen mit einer langen Tradition sind und dabei als Forschungsobjekt (zumindest zunächst) relativ überschaubar sind. Es geht um Fragen der Ordensspiritualität und aktuellen Interpretation der Ordensregel, die Relevanz von Klöstern für die Gesellschaft, die Beeinflussung der Klöster durch die Gesellschaft usw.

Benediktinische Klöster sind darüber hinaus ein spannendes soziologisches Forschungsfeld: Monastische Gemeinschaften bieten sich durch ihre relativ klaren Strukturen nach innen und ihre spirituellen Verwurzelung als paradigmatische Forschungsgegenstände für die Untersuchung von Interaktionen und sozialen Rollen an. Klöster stehen aber auch in einem gesellschaftlichen Kontext und interagieren mit ihrem sozialen Umfeld. Das macht sie für die Soziologie interessant.

Zudem sind benediktinische Klöster wirtschaftliche Unternehmen. Sie können organisatorisch und budgetär als relativ komplexe „Familienbetriebe" oder als „Konzerne" mit mehreren Betrieben betrachtet werden. Jedenfalls sind Klöster zu vielfältigen ökonomischen Überlegungen gezwungen - und sind doch nicht bloße Wirtschaftsbetriebe.

Vor allem die sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Beschäftigungen mit Klöstern richten sich darauf, deren Strukturen und Abläufe zu erfassen und letztlich Unterstützung - etwa im Hinblick auf ökonomische Entscheidungen - zu geben. Die Forschungen verweisen aber auch auf ein breiteres Ziel, nämlich die Identifikation von Einsichten über das Kloster hinaus und deren Übertragung auf gegenwärtige nicht-klösterliche Organisationen: Was lässt sich von den sozio-ökonomischen Prozessen in Klöstern für aktuelle wirtschaftliche Probleme lernen? 

Ein solches Problem bzw. eine besonderes grundlegende Herausforderung in wirtschaftlichen Organisationen (im Profit- und Nonprofit-Bereich gleichermaßen) stellt gegenwärtig die „Arbeit" dar: Das Schlagwort von „Work-Life-Balance" sowie die Krankheitssyndrome „Burnout" und „Boreout" rücken die Frage nach dem Stellenwert von Arbeit in den Vordergrund; die betriebswirtschaftliche Kategorie von „Humanressourcen" lenkt den Blick auf die Kosten und die Produktivität des Faktors „Arbeitskraft"; Kampagnen für „gute Arbeit" betonen Forderungen der Gerechtigkeit, der Anerkennung und der Achtung des Subjektseins in der Arbeit. 

Hier will das WiEGe-Projekt genauer hinsehen und die aktuellen benediktinischen Forschungen am Themenfeld „Arbeit" miteinander ins Gespräch bringen.

  • Was bedeutet „Arbeit"? Welcher Arbeitsbegriff ist der programmatischen Einheit des benediktinischen „Bete und arbeite!" immanent?
  • Wie zeigt sich dieses Arbeitsverständnis praktisch bei Ordensmitgliedern? Welchen Stellenwert hat „Arbeit" faktisch - mit welcher Sinndeutung bzw. Sinnstiftung?
  • Gibt es ein charakteristisches Arbeitsethos - bei Mönchen, ArbeiterInnen und Angestellten?
  • Wie wird „Arbeit" ökonomisch gehandhabt (finanzielle/ strategische Entscheidungen, Personalführung, Arbeitsgestaltung etc.)?
  • Bewirkt die Maxime „bete und arbeite" Solidarisierung mit der Arbeitswelt?
  • usw.

Der Blick auf die Benediktiner kann bei diesem Fragenbereich über diese Klöster hinausgehend fruchtbar sei: Auch in der Caritas, in nicht-benediktinischen Orden, in der Kirche insgesamt stellt sich das Thema, was es bedeutet, einE kirchlicheR ArbeitgeberIn zu sein bzw. in der Kirche zu arbeiten. Die Spannung zwischen christlichem Anspruch einerseits und sozio-ökonomischen bzw. finanziellen Erfordernissen andererseits wird vielfach deutlich und oft als kaum lösbar wahrgenommen. Das Projekt beschäftigt sich somit mit einem exemplarischen Feld, das für kirchliche Organisationen Einsichten und Impulse erschließt, und strengt die bislang vermisste Vernetzung der aktuellen deutschsprachigen Benediktinerforschung an.