Heft 2/2026: Wunden und Wandel. Kirchenräume und ihre künstlerische Transformation

Die Geschichte des Kirchenraums ist auch eine Geschichte der permanenten Transformation. Seit 2020 untersucht die Forschungsgruppe TRANSARA Prozesse der Umgestaltung und Neunutzung von Kirchen sowie die dazugehörigen Diskurse. Dabei steht die Überzeugung im Mittelpunkt, dass Kirchen nach wie vor hochrelevante Resonanzräume sind – deren oft exklusiver Gebrauch nur für den Gottesdienst eine Unterauslastung gerade auch ihrer Potenziale bedeutet. Bildende Künste spielen bei Transformationsprozessen oft eine besondere Rolle: Sie machen diese sichtbar und gestalten sie. Deutlich wird hier auch ein intensives Interesse von Künstler:innen an der Auseinandersetzung mit Kirchenräumen. Das neue Heft von "kunst und kirche" nimmt die Ergebnisse eines TRANSARA-Werkstattgesprächs zum Ausgangspunkt, um die Diskussion dieser aktuellen Thematik zu erweitern und fortzusetzen.

Vorwort

Die Geschichte des Kirchenraums ist als eine Geschichte der permanenten Transformation zu betrachten. Sein heute oft exklusiver Gebrauch für den Gottesdienst führt seit langem zu einer Unterauslastung der Raumnutzung. Diese im 19. Jahrhundert wurzelnde Nutzungsengführung wird daher nicht nur zunehmend kritisch infrage gestellt, sondern ist auch einem klaren gesellschaftlichen Bedeutungsverlust ausgesetzt. Daraus ist jedoch keine Entwertung des sakralen Raums an sich abzuleiten, sondern die gegenwärtige Herausforderung einer christlich fundierten, multikulturellen und gesellschaftsbejahenden Umcodierung.

Die Forschungsgruppe TRANSARA (DFG-FOR 2733 Sakralraumtransformation) widmet sich seit 2020 Transformationsprozessen, Diskursen und Errungenschaften von Kirchen als nach wie vor relevanten Resonanzräumen in der Gegenwart. Bildende Künste nehmen in diesem Umfeld eine besondere Rolle ein, indem sie Transformationsprozesse nicht nur sichtbar oder lesbar werden lassen, sondern auch aktiv und kreativ dazu beitragen können. Die Begleitung und die Visualisierung der Transformation von (sakralen) Räumen durch zeitgenössische Kunst kann sowohl im künstlerischen Ausdruck als auch in der architektonischen Gestaltung Innovationen und Freiräume ermöglichen. Sie inspiriert Künstler:innen, Architekt:innen und Gemeinden, sich die Möglichkeiten sakraler Räume neu vorzustellen, ihr Umfeld neu lesen zu lernen und neue Wege des kreativen Ausdrucks zu erkunden.

Im November 2024 bot TRANSARA im Rahmen eines Werkstattgesprächs Künstler:innen, Kurator:innen und Wissenschaftler:innen eine Plattform zum Austausch ihrer Ideen, Anmerkungen und Kritik zu diesem Themenfeld. Ein großer Wunsch am Ende des Fachtags war, die gezeigten Ideen und gesammelten Fragen durch eine Publikation einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und so den Diskurs zu erweitern und fortzusetzen. Das vorliegende Heft versucht daher, durch bewusste Erweiterungen der Thematik nicht nur das damals Zusammengetragene zu resümieren, sondern zugleich fortzuschreiben.

Die Beiträge spiegeln die Aktualität des Themas unter Kulturschaffenden und zeigen die große Bandbreite der künstlerisch-kreativen Auseinandersetzung auf. Von der wissenschaftlich-allgemeinen Reflektion und künstlerischen, architektonischen und kuratorischen Positionen bis zur Einbindung der Thematik in die Lehre und in den gelebten Alltag eines transformierten Orts sind vielfältige und kluge Statements zusammengetragen. Alle Beiträge eint die optimistische Ansicht, dass ein kreativer Umgang mit Transformation positive Energien freisetzen, Brücken zwischen festgefahrenen Positionen schlagen und die durch Veränderungen erzeugten Wunden zu versorgen imstande ist, kurzum Menschen zusammenführt und Selbstwirksamkeit hervorhebt.

Albert Gerhards, Manuela Klauser und Stefanie Lieb (Heftredaktion)

Mit Beiträgen, Gesprächen und Berichten von Dirk Brall, Stephanie Brall, Klaus-Martin Bresgott, Martina Gelsinger, Albert Gerhards, Hannah Groninger, Negar Hakim, Johannes Hochholzer, Manuela Klauser, Sebastian Klawiter, Carolin Lahode, Stefanie Lieb, Benita Meißner und Schölß.

Ein Gratis-Heft zum Kennenlernen kann hier angefordert werden.

Mehr zum Heft, zum Magazin und zu den Bestellmöglichkeit unter kunstundkirche.com