ThPQ 1/2026 "Gott": Begriff – Bedeutung – Potenzial.

Wie heute von Gott sprechen? Was sind Bedeutungen und Sinngehalte dieses Ur-Worts? Ist es Chiffre des Geheimnisses, Hilferuf der Bedrängten, Anrufwort der Betenden, Reflexionsbegriff von Theologie und Philosophie – oder nur mehr ein Leerwort im Zeitalter der Säkularisierung? Immer mehr Menschen verbinden mit Gott Gefühle der Verlegenheit und Ratlosigkeit, ja des Befremdens. Und dennoch: die Frage nach Gott scheint durch keine Antwort gelöst, von keinem Missbrauch zerstört, durch keine Alternative erübrigt zu sein. In Heft 1/2026 der Theologisch-praktischen Quartalschrift erkunden renommierte Autor:innen aus der Perspektive theologischer Disziplinen und der Religionswissenschaft das Wort und die Wirklichkeit Gottes in all ihrer Vielschichtigkeit.

Das Christentum hat eine “theistische Kultur" hervorgebracht, in der die Wirklichkeit des biblischen Gottes selbstverständlich wurde: Gott wurde so sehr in diese Kultur eingewoben, dass ohne Gott nichts mehr zu verstehen war. Haben wir heute den anderen Pol erreicht, dass nichts mehr mit Gott verstanden wird? Und erfahren wir nicht eigentlich erst heute die tiefe Erschütterung, die schon im Mittelalter formuliert wurde: Dass all unser Sprechen von Gott letztlich ‘unendlich' weit entfernt ist von der Wirklichkeit, die wir mit “Gott" meinen?

Aus dem Editorial

Wort und Wirklichkeit Gottes werden im vorliegenden Themenheft aus den Perspektiven von Systematischer, Biblischer und Praktischer Theologie sowie der Religionspädagogik und Religionswissenschaft erkundet. Aufgezeigt wird dabei unter anderem, dass auf das Wort Gott nicht verzichtet werden sollte, können doch existenzielle Dimensionen wie Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit nur vom Gedanken Gottes aus begründet werden. Dass in der Liturgie eine ehrliche Rede von Gott und Sprachformen jenseits von Routinen Not tun wird ebenso deutlich wie die Notwendigkeit, in der religionspädagogischen Arbeit mit jungen Menschen Grunderfahrungen und Urfragen des Mensch-Seins ins Zentrum zu rücken. Welches Gottesverständnis in Geschichte wie Gegenwart wirkmächtig war und ist, worauf Gottesrede und Gottesbilder antworten und welche Wandlungen hier etwa im Blick auf die Genderthematik zu beobachten sind, macht deutlich, dass ein bestimmter Gottesbegriff nie Schlusspunkt ist.

Das aktuelle Themenheft "Gott" der Theologisch-praktischen Quartalschrift kann so nicht nur als Plädoyer gelesen werden, sich einem herausfordernden Begriff fachtheologisch zu stellen – gerade auch angesichts des religionswissenschaftlichen Befundes, dass heute eine Scheu vor der Bezugnahme auf Transzendenz üblich wird. Die Beiträge stellen vielmehr eine engagierte Aufforderung dar, Gott immer wieder neu in die menschliche Existenz hinein zu übersetzen. 

Mit Beiträgen zum Thema von Elisabeth Birnbaum, Alexander Deeg, Hans-Joachim Höhn, Georg Langenhorst, Mirja Kutzer und Franz Winter, einem Bericht von Klara-Antonia Csiszar zu ihren Erfahrungen mit dem synodalen Prozess und dem Entwurf einer “Performativen Dogmatik” von Franz Gruber sowie zahlreichen Rezensionen aktueller Publikationen aus allen Feldern der Theologie.

Editorial und Inhaltsverzeichnis Heft 1.2026 "Gott"

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Die ThPQ erscheint im Verlag Friedrich Pustet. Die aktuelle Ausgabe ist auch als eBook/PDF erhältlich.

13.01.2026/RK