Mögliche Themen für Spezielle Moraltheologie

Aktuelle Themen der Speziellen Moraltheologie - Umweltethik

Immer stärker geraten die Gesundheitssysteme der westlichen Industrieländer unter ökonomischen Druck. Die Ursachen dafür liegen nicht nur im gewaltigen Fortschritt der Medizin. Sie sind weit vielschichtiger und komplexer. Auf der anderen Seite ist klar, dass in einer Gesellschaft mit immer mehr alten und immer weniger jungen Menschen die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten bald erreicht sein werden. „Allen das Beste zu geben“ – dieses Motto ist der Traum vom Schlaraffenland, aber nicht die Wirklichkeit einer endlichen Welt. Wie aber kann eine Begrenzung medizinischer Leistungen ethisch gerecht strukturiert werden? Wie lässt sich verhindern, dass die Reichen alles und die Armen nichts bekommen? Und was kann die Theologie zur Lösung dieser Probleme beitragen? 

Die andauernde und schwere emotionale, körperliche und geistige Erschöpfung wird seit den 1970er-Jahren als Burnout bezeichnet und erforscht. Mittlerweile gilt das Ausgebrannt-Sein als weit verbreitetes Problem: In Österreich sind laut Ärztekammer 500.000 Menschen von Burnout betroffen; 1,1 Millionen sind „gefährdet“. Die Ursache für Burnout liegt in der Regel in einer Überidentifizierung mit bestimmten Lebensbereichen und Aufgaben. Grenzen werden permanent überschritten: Betroffene oder Gefährdete engagieren sich in hohem Maße, ihre Kraftquellen kommen hingegen nicht mehr ausreichend zum Tragen. Was sind mögliche Ursachen für Burnout? Welche person- und systemabhängigen Faktoren beeinflussen die Dynamik des Burnout-Prozesses? Gibt es für gefährdete Personen Hilfen, die im Licht des christlichen Glaubens und der Spiritualität deutlich werden? Welche Handlungserfordernisse gibt es im Hinblick auf besonders stark betroffene Bereiche – wie etwa den kirchlichen Dienst?

Seitdem die EU im Frühjahr 2004 ihr de-facto-Moratorium für Anbau und Vertrieb gentechnisch veränderter Pflanzen und Lebensmittel beendet und einer streng kontrollierten Zulassung die Türen geöffnet hat, schlagen die Wogen der öffentlichen Diskussion wieder hoch. Wie sicher sind Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Organismen? Wie präzise lassen sich ökologische Risiken für die freie Natur ausschließen? Und wer garantiert Ökobauern, dass nicht Gene von veränderten Pflanzen in ihre naturbelassenen Sorten eindringen? Schließlich: Wo steht die Kirche – als Anwalt einer umweltverträglichen Landwirtschaft, aber auch als Besitzerin zahlreicher Ackerflächen? Eine Menge Fragen, die es einerseits ethisch, andererseits aber auch im Blick auf die Gesetzgebung zu diskutieren gilt.

Kein anderer Lebensbereich hat in den modernen Industriegesellschaften solch extreme Zuwächse wie der Verkehrssektor. Allein in den nächsten zehn Jahren, so Prognosen der EU, soll der europäische Straßenverkehr sich nochmals verdoppeln und der Luftverkehr ähnlich stark zunehmen. Dicht besiedelte Länder in der Mitte Europas, zu denen auch Österreich gehört, ersticken im Verkehr – vom Verbrauch fossiler Ressourcen ganz zu schweigen. Andererseits wäre ein guter Teil unseres gegenwärtigen Wohlstands kaum ohne diesen Verkehr denkbar – vom Fernurlaub bis zu Waren, die aus Billiglohnländern importiert werden. Daher stellt sich die Frage, wie ein alternatives Wohlstandsmodell aussähe, das mit weniger Verkehr zurechtkommt. Und welche politischen Strategien gälte es einzuschlagen, um diesem Modell zum Durchbruch zu verhelfen?

Durch die Medien – insbesondere die Massenmedien – wird eine Wirklichkeit konstruiert, die vielfach als objektiv angesehen wird. So hängt der hohe Stellenwert von Industrieländern und Nachbarländern auch mit der starken Dominanz „westlicher“ Ereignisse in unserer Berichterstattung zusammen (Beispiel: die intensiv dargestellten Terroranschläge in Amerika im Vergleich zum kaum berichteten Hungertod von vielfach mehr Menschen in Afrika). Und die Orientierung an starken (leidvollen) Emotionen, Sex usw. bestätigt und festigt bestimmte moralische Vorstellungen und Urteile. Eine Medienethik hat sich daher nicht nur mit dem journalistischen Handeln zu beschäftigen, sondern insbesondere auch danach zu fragen, wie dieses System der medialen Öffentlichkeit unsere Werte und unser Welt- und Menschenbild prägt. Vor allem das Problem der impliziten Anthropologie wäre systematisch zu klären, insofern in durch Medien geprägte Menschenbilder eine theologische Herausforderung liegt. 

Mit dem Aufkommen industrieller Tierhaltung und Tierschlachtung im 19. Jh. haben sich überall in den Industrieländern vegetarische Gesellschaften gebildet, fleischlose Ernährung ist für viele zur Lebensanschauung geworden, manchmal gar zu einer (Ersatz-) Religion. Kirchliche Verlautbarungen schweigen bisher weitgehend zu dem Thema. Dabei können etliche Ordensgemeinschaften auf eine Jahrhunderte alte Praxis der vegetarischen Ernährung verweisen. Wie sind Vegetarismus und Fleischverzehr theologisch und spirituell einzuordnen? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für unseren Umgang mit Tieren als Nahrungsquelle?

Als das deutsche Bundesverfassungsgericht im Jänner 2002 den Muslimen in Deutschland ein Recht auf betäubungsloses Schächten zusprach, war der öffentliche Sturm der Entrüstung immens. Theologie und Kirchen aber schwiegen – offenbar haben sie zu dem Thema nichts zu sagen, denn auch im Lexikon für Theologie und Kirche sucht man vergeblich die Stichworte Schlachten und Schächten. Das muss umso paradoxer erscheinen, als die Bibel (nicht nur das AT!) voll ist mit Erwägungen und Vorschriften zu diesem Problem. Doch den ChristInnen fehlt ein „Ethos des Schlachtens“ (H. Baranzke). Diesem offenkundigen Defizit nachzugehen wäre die Herausforderung des Themas.

Wo immer eine Hubertusmesse in größerem Rahmen abgehalten wird, kommen umgehend die Proteste der TierschützerInnen. Hier gebe die Kirche einem grundsätzlich verwerflichen Tun ihren Segen, so die Argumentation. Aber ist die Jagd so einfach und prinzipiell abzulehnen? Ginge es nicht vielmehr darum, den Bereich des Jagens wie jeden anderen Bereich des menschlichen Umgangs mit Tieren in den größeren Zusammenhang der Schöpfungsethik zu stellen und dann entsprechende Normen zu entwickeln? Die christliche Theologie hat in den letzten Jahrhunderten (trotz der stark religiös angehauchten Jagdrituale!) wenig über diese Frage nachgedacht. Insofern stößt die Untersuchung der Frage weitgehend auf Neuland vor.

Die Vielzahl verschiedener neuer Lebensformen (Ehe, Lebenspartnerschaften ohne Heirat, Lebensabschnittspartner, Singles, Aneinanderreihung von Freundschaften, Alleinerziehende usw.) stellt eine Provokation traditioneller Vorstellungen der Ordnung und Gestaltung von Beziehungen dar. Wie sind diese Formen zu beurteilen (Gründe, Ursachen und Folgen ihrer Praxis)? Sind aus dieser veränderten Praxis Konsequenzen für die theologische Ehemoral zu ziehen?

Die staatliche Legitimation von homosexuellen Partnerschaften in manchen Ländern fordert die Moraltheologie heraus, nicht zuletzt auch durch die Frage (und teilweise Praxis) einer Segnung dieser Paare. Jedoch entsprechen kirchliche Tradition und Theologie noch der bis vor wenigen Jahren auch gesellschaftlich vorherrschenden Distanz und Ablehnung hinsichtlich gelebter Homosexualität. Zu fragen ist nach theologischen Kriterien einer heutigen christlich-ethischen Beurteilung von homosexuellen Lebensweisen und Beziehungsformen und ihrer Anerkennung/ Ablehnung. Die Vermittlung der kirchlichen Tradition mit dem aktuellen Stand der Sexualforschung bildet eine Voraussetzung für die Argumentation.

Die Ablehnung der Abtreibung stellt die Kirche vor die Herausforderung, sich zur Praxis der Fristenlösung zu verhalten. Aufgabe dieser Arbeit ist es, die Argumentationsfiguren und -stile im Umgang mit betroffenen Frauen und Einrichtungen zu prüfen. Dies kann exemplarisch durch die Darstellung der Ziele, Methoden und Konsequenzen von christlichen Organisationen (insbes. „Aktion Leben“ und „Jugend für das Leben“) erfolgen. Die Auswertung der Analyse erfolgt theologisch-systematisch vor dem Hintergrund moraltheologischer Forschung zur Abtreibung, der Frage nach der Angemessenheit der Praxis der untersuchten Institutionen, den vorherrschenden Werten usw.

In der ethischen Fachdiskussion werden Fragen im Zusammenhang mit Befruchtungsmedizin und Gen­diagnose ausführlich behandelt. Im Vordergrund steht dabei generell die Problematik der technischen Möglichkeiten, ihrer Folgen und deren Beurteilung. Für die betroffenen Personen stellt sich eine derartige Entscheidungs- und Behandlungssituation allerdings nicht allein als medizinisches und systematisch-ethisches Problem dar, sondern muss auch emotional bewältigt werden. Wesentlich ist daher für die Betroffenen (die in der Regel weder MedizinerInnen noch GentechnikerInnen noch EthikerInnen sind), dass ausreichend Information und qualifizierte Unterstützung bei der Entscheidung gegeben wird. Welche ethische Bedeutung kommt der Gesprächsbegleitung in den verschiedenen Behandlungsphasen zu? Worauf ist besonders zu achten (Inhalte und Dauer der Begleitung, Qualifizierung der BegleiterInnen/ ÄrztInnen)? In welchem Ausmaß, auf welche Weise und durch wen erfolgt solche Beratung bereits? Dieses Thema bietet sich für eine empirische Untersuchung ebenso an wie etwa für die systematische Analyse von Kriterien.

Wenn in ethischen Debatten das Thema der künstlichen Befruchtung auftaucht, geht es meistens nur um die Frage ihrer Erlaubtheit. Aber auch, wenn in bestimmten Grenzen eine solche Erlaubtheit angenommen wird, bleiben eine Menge ethischer Probleme zu klären, die die praktische Durchführung der Befruchtung betreffen. Denn (Ehe-) Paare, die diesen Weg zur Erfüllung ihres Kinderwunsches wählen, kommen mit großen Hoffnungen, die angesichts einer „Erfolgsrate“ von unter 20% oft enttäuscht werden. Wie wird damit in einschlägigen Kliniken umgegangen? Wie weit werden auch die notwendige hormonelle Stimulation der Frau und deren psychische Wirkungen angemessen berücksichtigt? Ist die Stabilität der betreffenden Ehe/ Beziehung im Blick? Solche Fragen sachgerecht zu untersuchen wäre eine lohnende Aufgabe.

Obwohl sich ÖkologInnen häufig als nicht religiös verstehen, verwenden sie immer wieder sprachliche Bilder oder Begriffe, die als religiöse zu bezeichnen sind und als solche das ökologische Denken prägen: die Vorstellung einer heilen Umwelt, die Gewissheit einer heilsamen Natur, apokalyptische Warnungen usw. Ein erster Schritt dieser Untersuchung liegt im Benennen verschiedener religiöser Motive im Denken von ÖkologInnen. Danach könnte der Frage nachgegangen werden, welche Funktionen diese Motive haben oder wie sie die ökologisch-ethische Argumentation prägen.

Das Handeln von Menschen, die sich in der Umweltbewegung engagieren, zeichnet sich in der Regel durch große Authentizität aus. Die gemeinsamen Überzeugungen, Verhaltensmuster und Normen bilden ein relativ geschlossenes Ethos innerhalb der Umweltbewegung, das sich im Selbstverständnis meist nicht religiös motiviert und begründet. Dennoch weist die darin zum Ausdruck kommende Lebenshaltung Ähnlichkeiten beispielsweise mit dem christlichen Konzept der Tugenden auf. Worin werden heutige ökologische Tugenden gesehen? Inwiefern finden die klassischen christlichen Tugenden eine Entsprechung bzw. zeitgemäße Übersetzung in der säkularen Umweltbewegung? Worin bestehen christliche und säkular-ökologische Gemeinsamkeiten im Verständnis der Beziehung von Mensch und Welt (Prozess des Menschseins innerhalb der Schöpfung bzw. Natur) und hinsichtlich der Dispositionen für ein gutes, sinnvolles Handeln?

In der Debatte um die Sterbehilfe wird seitens der katholischen Moraltheologie üblicherweise die Unterscheidung zwischen erlaubter passiver und nicht erlaubter aktiver Sterbehilfe eingebracht. Dabei wird auf die intuitive Überzeugung zurückgegriffen, dass zwischen Tun und Unterlassen ein ethisch relevanter Unterschied besteht. Aber worin dieser besteht und worauf er gründet, wird nicht gesagt. Der Dortmunder Philosoph Dieter Birnbacher hat daher vor einigen Jahren die erste gründliche Untersuchung des Arguments unternommen. Seine Gedanken zu rekonstruieren und kritisch zu kommentieren wäre die Aufgabe dieser Arbeit.

(Kopie 1)

Immer stärker geraten die Gesundheitssysteme der westlichen Industrieländer unter ökonomischen Druck. Die Ursachen dafür liegen nicht nur im gewaltigen Fortschritt der Medizin. Sie sind weit vielschichtiger und komplexer. Auf der anderen Seite ist klar, dass in einer Gesellschaft mit immer mehr alten und immer weniger jungen Menschen die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten bald erreicht sein werden. „Allen das Beste zu geben“ – dieses Motto ist der Traum vom Schlaraffenland, aber nicht die Wirklichkeit einer endlichen Welt. Wie aber kann eine Begrenzung medizinischer Leistungen ethisch gerecht strukturiert werden? Wie lässt sich verhindern, dass die Reichen alles und die Armen nichts bekommen? Und was kann die Theologie zur Lösung dieser Probleme beitragen?