Workshop des Forschungsschwerpunkts "Diskurse der Öffentlichkeit"
Lange Zeit galt die liberale Demokratie mit gleichen Freiheitsrechten und deliberativer politischer Meinungsbildung als globales Zukunftsmodell. Inzwischen mehren sich jedoch Tendenzen, die dieses Selbstverständnis infrage stellen: Illiberale, „gelenkte“ Demokratiekonzepte gewinnen an Zustimmung, autoritäre Herrschaftsmodelle werden zunehmend offen propagiert.
Vor diesem Hintergrund widmete sich der Workshop zentralen Deutungsansätzen aktueller Demokratiekrisen. Im Fokus standen zum einen kulturelle Erklärungen, die Identitätskonflikte betonen, und zum anderen sozioökonomische Perspektiven, die soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten in den Blick nehmen. Ziel war es, unterschiedliche Entwicklungen vorzustellen und die Erosion liberaler Demokratien sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene zu diskutieren.
Beim zweitägigen Workshop diskutierten Referent:innen aus verschiedenen Disziplinen zentrale Fragen zum Erstarken autoritärer Tendenzen: die Ursachen für den Zuspruch zu populistischen Bewegungen, die Attraktivität autoritärer Politikmodelle, historische Parallelen zur Zwischenkriegszeit der 1920er- und 1930er-Jahre in Österreich sowie die Rolle religiöser Traditionen und räumlicher Dynamiken auf lokaler, nationaler und globaler Ebene.
Montag, 19.1.2026
Alexander Yendell, Leipzig: Religion und autoritäre Orientierungen: Empirische Perspektiven auf rechtsextreme Dynamiken
Thomas Hellmuth, Wien: Illiberale und autoritäre politische Ethik im Dollfuss-Schuschnigg-Regime
Ute Sonnleitner, Graz: Wege des Widerstands gegen den Austrofaschismus
Daniela Zupan, Weimar: Urbanität, Partizipation und progressives Design: Verflechtungen von Urbanismus und Autokratisierung in Städten des Globalen Ostens
Dienstag, 20.1.2025
Andreas Weiß, Salzburg: Alte und neue Narrative – Wie messianische Diskurse den amerikanischen Nationalismus (besonders unter Trump) prägen
Walter Ötsch, Linz: Antiliberale Demagogie und autoritärer Neoliberalismus: Die Rückkehr des Mythos?
Felicitas Kübler, Klagenfurt, und Anke Schwarz, Halle-Wittenberg: Jenseits rechter Räume: Gesamtgesellschaftliche Dynamiken rechter Territorialisierung
Sven Nieman, Paderborn: „Smash the State“: Graffiti als urbane Protestpraktik extremistischer Aktionsgruppen in Deutschland
Veranstalter:innen: Dominik Harrer, Ilaria Hoppe, Verena Lorber, Anna Minta, Veronika Müller, Christian Spieß, Katja Winkler
