Workshop „Aktivierte Wissensspeicher. Gendergerechte Zugänge in Archiven“
In ihrem Einführungsvortrag hob Verena Lorber die zentrale Rolle von Kunst- und Kulturarchiven für das kulturelle Gedächtnis hervor. Historisch gewachsene Archivbestände orientieren sich häufig an Vorstellungen von Hochkultur und kulturellem Kanon, die eng mit Machtverhältnissen verknüpft sind: Während bestimmte Personen und Positionen bevorzugt gesammelt werden, bleiben andere systematisch ausgeschlossen.
Besonders deutlich zeigt sich dieser strukturelle Ausschluss am Beispiel von Frauen in Kulturarchiven. Ihr historisches Fehlen wurde lange als Beleg für angeblich fehlende kulturelle Leistungen gelesen – eine Annahme, die zugleich dazu führte, dass ihre Arbeiten als nicht sammlungswürdig galten. Die Unterrepräsentation von Frauen verweist daher weniger auf mangelnde Produktion als auf archivische Bewertungs- und Ausschlussmechanismen und damit auf eine sich selbst stabilisierende Spirale der Unsichtbarkeit.
Der Workshop bot Raum für Austausch zwischen Kunst- und Kulturarchiven und schlug zugleich eine Brücke zum Netzwerk Archiv und Gender (NAG), das sich für intersektionale Gendergerechtigkeit in der Archivpraxis einsetzt. Die Referentinnen – Nadja Gsaller (Stichwort), Helene Baur/Andrea Neidhöfer (basis Wien), Lina Maria Zangerl (Literaturarchiv Salzburg), Stefanie Kitzberger (Sammlung und Archiv der angewandten Kunst Wien), Susanne Rettenwander (ÖNB und NAG) – verstanden Archive als aktive Akteur:innen, machten bestehende Machtstrukturen sichtbar und diskutierten in der abschließenden Runde, was die Kategorie Gender konkret für die archivische Praxis bedeutet – und welche Veränderungen gemeinsam angestoßen werden können.

Dagmar Schink, Ulrike Haunstein, Verena Lorber (Violetta Wakolbinger)

v.l.n.r.: Lina Maria Zangerl, Susanne Rettenwander, Helene Baur, Dagmar Schink, Andrea Neidhöfer, Verena Lorber, Stefanie Kitzberger, Nadja Gsaller (Violetta Wakolbinger)
