Eröffnung des Studienjahres: Auftakt zum KU_biläum "350 Jahre KU Linz".

Mit einem Festakt am 3. Oktober 2022 wurde an der Katholischen Privat-Universität Linz nicht nur das Studienjahr 2022/23 eröffnet, sondern auch ein Auftakt gesetzt für die elfteilige Veranstaltungsreihe zum 350-Jahr-Jubiläum der Universität. Nach der von Bischof Manfred Scheuer geleiteten liturgischen Feier in der Priesterseminarkirche zeichnete Professorin Weber im Festvortrag die Geschichte der philosophisch-theologischen Bildung in Linz nach. Der Vortrag in der Aula der KU Linz wurde begleitet von einer studentischen Posterpräsentation, die im Foyer der Universität noch bis 19. Oktober zu sehen ist.

In seiner Predigt reflektierte Bischof Manfred Scheuer, Magnus Cancellarius der Katholischen Privat-Universität Linz, Ebenen und Bedeutungen des "Face-to-Face". Der persönlichen Kommunikation, dem Austausch und der Vermittlung von Gedanken in Gemeinschaft komme gerade in Lehre und Forschung eine besondere Bedeutung zu. Fehle dies, sei Wissenschaft einem "arktischen Winter" vergleichbar, sie bleibe leblos und kalt. "Face-to-Face" sei aber auch eine ganz zentrale Kategorie des Lebens und des Glaubens, ein Ausgangspunkt der Theologie in der menschlichen Beziehung zu Gott. "Ich bin, weil Du mich anschaust", so habe im ausgehenden Mittelalter Nikolaus Cusanus das Verhältnis zu Gott beschrieben – und das gelte auch für unsere zwischenmenschlichen Begegnungen. Dem mit einer "Mystik der offenen Augen" Rechnung zu tragen, dazu rief Bischof Scheuer die Universitätsgemeinschaft auf.

Das KU_biläum: auch eine Selbstvergewisserung
"Was ist unsere Mission – was ist unsere Vision?", diese Frage verband Rektor Christoph Niemand in seiner Eröffnungsrede mit dem KU_biläum, zu dessen elf Veranstaltungen die Feierliche Eröffnung des Studienjahres den Auftakt bildete. Denn natürlich wolle sich die Universität mit diesen Veranstaltungen öffentlich präsentieren, zugleich sei das KU_biläum aber auch Plattform der Selbstvergewisserung: Was ist die Aufgabe der Universität heute und morgen? Was ist der spezifische Beitrag von Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft? Wie wirken die Fachbereiche – je für sich aber auch im Wechselspiel miteinander? "Sinnentwürfe, die aufs Ganze gehen", auf diese Kurzformel brachte Rektor Niemand das, worum es bei allen drei Fachbereichen gehe – und kennzeichnete damit einen "Mehrwert", der an der KU Linz produziert werde.

Bischof Manfred Scheuer griff dies in seinem Grußwort auf, indem er hervorhob, dass Denken, Lehren und Forschen an der Universität nicht ins Leere und Abstrakte führen, sondern es um Orientierungswissen gehe: um Wahrheitsbezug, Sinnbezug, Gottesbezug. Rücke in unserer hochtechnisierten Welt auch "Optimierung" in allen Kontexten immer stärker in den Mittelpunkt und spreche man schnellhin gerne vom Ideal einer „fakten- und datenbasierten Wissenschaften“, so müsse dabei eines stets bewusst bleiben: Daten sind die Aufgabe, nicht schon die Lösung. In diesem Sinne warnte er – mit Ludwig Wittgenstein – vor der "einseitigen Diät" bei der "Ernährung des Denkens". An der KU Linz werde, davon sei er überzeugt, dem Denken eine ausgewogene, reiche Nahrung geboten.

"Wahre Bildung setzt die Harmonie des Lebens und des Willens voraus."
Mit diesem Zitat – aus dem Selbstverständnis der Theologisch-praktischen Quartalschrift, verfasst im Jahr 1848 – eröffnete Professorin Ines Weber (Institut für Kirchengeschichte und Patrologie) ihren Festvortrag. Darin blickte sie auf 350 Jahre theologisch-philosophische Bildung in Linz zurück und machte deren Geschichte am Beispiel der KU Linz bzw. ihrer Vorgängerinstitutionen sichtbar. In einem Gang von den Anfängen im 16. Jahrhundert über die Einführung theologischer Studien im Linzer Jesuitenkolleg 1672/73 und die institutionellen Veränderungen im 18. und 19. Jahrhundert bis hin zu den entscheidenden Um- und Aufbrüchen der letzten fünf Jahrzehnte zeichnete die Kirchenhistorikerin das Bild eines Hauses, in dessen Geschichte sich die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen vielfach widerspiegeln. Doch der Vortrag blieb nicht bei Meilensteinen und Wendepunkten stehen. Ines Weber bettete die Geschichte der KU Linz in die Entwicklung eines spezifischen christlichen Bildungsideales ein, das sie in konkreten Zitaten und Stimmen "aus der Geschichte" darstellte: Wie hat sich diese Bildung verändert? Von welchen Idealen und Zielen und von welchen Methoden und Inhalten war sie bestimmt? Nicht zuletzt fragte sie nach den Menschen, die diese Bildung vermittelten, und nach denen, die sie erhielten – denn im Mittelpunkt steht gestern wie heute eine ganzheitliche, den Menschen umfassend und für alle Lebensbereiche qualifizierende Bildung.

Interaktive Posterausstellung
In Verbindung mit dem Vortrag wurden im Foyer der KU Linz studentische Poster präsentiert, die im Sommersemester 2022 im Rahmen eines Forschungs- und Projektseminars mit dem Titel "Vom 'Pfarrlehrbub' und 'Gesellpriester' zum Theologiestudierenden. 350 Jahre KU Linz" am Institut für Kirchengeschichte und Patrologie erarbeitet worden sind. Begleitet von interaktiven Elementen und dem online abrufbaren Podcast "Life Questions Theology", in dem Studierende zur Spurensuche einladen, stieß das von Professorin Ines Weber betreute studentische Projekt auf großes Interesse. Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten noch bis 19. Oktober im Foyer der Universität bei freiem Eintritt besucht werden und wird auch im Rahmen des Symposiums "Historische Spurensuche. Dokumente und Bilder aus 350 Jahren katholischer (Aus-)Bildung in Linz" am 20. Oktober 2022 im Priesterseminar der Diözese Linz zu sehen sein.

Universitätsgemeinschaft im Austausch
Nach dem vom "Kepler-Quartett" musikalisch stimmungsvoll gestalteten Festakt lud Rektor Christoph Niemand zu einem gemeinschaftlichen Ausklang in die "Katakombe" der Universität.

Neben der zahlreich vertretenen Universitätsgemeinschaft der KU Linz konnten zu Festakt und Ausklang auch eine Vielzahl von Gästen aus Wissenschaft, Kirche und Zivilgesellschaft begrüßt werden. Anwesend waren u.a. Bischof Andrej Ćilerdžić (Serbische Orthodoxe Kirche, Diözese Österreich/Schweiz), Generalvikar Severin Lederhilger OPraem (Diözese Linz), Bischofsvikar Patrick Schöder OSB (Diözese St. Pölten), P. Klaus Schweiggl SJ (Ignatiushaus Linz / Jesuitenkonvent Linz), Rektor Wolfgang Sperl (Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg), Rektor Bohumil Jiroušek (Südböhmische Universität, Budweis) und Vizerektorin Claire Genewein (Anton Bruckner Privatuniversität Linz).

04.10.2022/RK