Internationale TAG Conference: Namen schreiben im öffentlichen Raum.

Die TAG Conference, eine der führenden Veranstaltungen im Bereich der Graffiti-Forschung, wurde dieses Jahr vom Institut für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien an der Katholischen Privat-Universität Linz unter der Leitung von Ilaria Hoppe ausgerichtet. Am 16. und 17. Mai 2024 kamen Wissenschaftler:innen und Forscher:innen aus Amerika, Australien und Europa zusammen, um die Kunst und Geschichte des Taggings zu erkunden.

Ergänzt wurde die Tag Conference durch die Unlock Book Fair, welche die Avantgarde der unabhängigen Graffiti-Publikationen aus aller Welt zusammenbringt. Die am Wochenende nach der Konferenz in München stattfindende Unlock bot den Teilnehmer:innen die Möglichkeit, nahtlos ihre Erkundung der Graffiti-Kultur fortzusetzen.

Ein wiederkehrendes Thema der Konferenz waren die Tags von Joseph Kyselak. Kyselak, ein österreichischer Beamter, wurde unerwartet zu einer Legende in der Graffiti Welt, nachdem er im frühen 19. Jahrhundert seinen Namen an unterschiedlichen Orten im Alpenraum hinterlassen hatte. Seine Wanderungen, 1828 in einer umfangreichen Schrift publiziert, inspirieren Graffiti-Enthusiasten und Wissenschaftler:innen gleichermaßen. Das Konferenzposter zeigte treffend ein Detail aus einer Lithografie von der Donaualände in Linz aus dem Jahr 1840, auf der ein Graffiti Kyselaks zu sehen ist.

Das Konferenzprogramm war so vielfältig wie umfassend. Die Sektionen deckten ein breites Themenspektrum ab, von der Renaissance-Ära des ersten Archäologen Antonio Bosio, vorgestellt von Egidio Emiliano Bianco, über 500 Jahre alte Schul-Graffiti im Kloster Maulbronn, präsentiert von Julian Windisch, bis hin zu zeitgenössischen Formen des Graffiti in China, untersucht von Marta R. Bisceglia und Adriana Iezzi. Andere Beiträge beleuchteten oft übersehene Kapitel der europäischen Geschichte, wie in Tobias Barenthins Vortrag über Graffiti in Stockholm in den 1980er Jahren, untersuchten eingeritzte Namen von Touristen in Ägypten um 1800, vorgestellt durch Hania El Hourys, und analysierten die Schnittstellen von tag-inspirierter zeitgenössischer Kunst, der ein ganzes Panel mit den Künstlern Rich Keville, Benjamin Rubloff und Tofa gewidmet war.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Graffiti-Erbe Österreichs, das seine Entwicklung von Kyselaks wegweisenden Tags, erläutert in dem Beitrag von Gabriele Goffriller, bis hin zu modernen Ausdrucksformen, illustriert durch die Untersuchungen von Pablo Summer sowie Stefan Wogrin, nachzeichnete. Ein gelungener Abschluss bildete diesbezüglich auch die geführte Tour durch Linz mit Sabine Sinzinger. Dieser Fokus unterstrich das Engagement der Konferenz, historische und zeitgenössische Graffiti-Praktiken zu verbinden und ein ganzheitliches Verständnis dieses lebendigen kulturellen Phänomens zu fördern.

Die Tag Conference 2024 befasste sich auch mit der sich wandelnden Wahrnehmung von Graffiti, hervorgehoben durch die Präsentationen der Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats Javier Abarca, Orestis Pangalos und Edward Birzin. Während zeitgenössische Tags oft an den Rand gedrängt werden, stellte die Konferenz sie als grundlegende Elemente der Graffiti-Kultur dar. Durch die Zusammenführung von Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen zeigte die Veranstaltung erneut, die Bedeutung des Tagging innerhalb des breiteren Forschungsfeldes auf.

Die diesjährige Konferenz bekräftigte das Ziel, einen Raum zu schaffen, in dem historische und zeitgenössische Graffiti gleichermaßen studiert und geschätzt werden können. Als die Teilnehmer:innen Linz verließen, nahmen sie ein tieferes Verständnis für die reiche Geschichte des Graffiti und dessen fortlaufende Entwicklung mit.

24.5.2024/Ilaria Hoppe/HE