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Tagung des Internationalen Netzwerkes Hegels Relevanz:

„Warum Religion heute? Zur Aktualität von Hegels Religionsphilosophie“
Zu Hegels 250. Geburtstag 

NEUER TERMIN: 10.-12.3. 2021
Ort: Katholische Privatuniversität Linz, Österreich
Bethlehemstraße 20
4020 Linz

Eingeladene Vortragende: Prof. Dr. Paul Cobben (Amsterdam), Prof. Dr. Bart Labuschagne (Leiden), Tereza Matějčková, PhD (Prag), Prof. Dr. Theodoros Penolidis (Thessaloniki), Prof. Dr. Friedrike Schick (Tübingen), Dr. Werner Schmitt (Nürnberg), Prof. Dr. Alberto Siani (Pisa), Prof. Dr. Benno Zabel (Bonn)

Veranstalter: Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich, Katholische Privatuniversität Linz, für das Internationale Netzwerk Hegels Relevanz

Die Religionsphilosophie gehört zu jenen Teilen des Hegelschen Systems, die gegenwärtig nicht im Fokus einer systematischen Rezeption stehen. Gründe dafür lassen sich in wirkmächtigen Rezeptionstendenzen und auch im „Zeitgeist“ finden. So wird von manchen Hegel-Interpreten, insbesondere aus den USA, die Auffassung vertreten, dass wenn überhaupt, dann die Lehre vom objektiven Geist, also der Verwirklichung der Freiheit im Handeln, als nach wie vor systematisch relevant anzusehen sei und es der Religion nicht bedarf. Diese Auffassung hängt, in größerem Kontext betrachtet, damit zusammen, dass die Perspektive auf die Religion heute von demjenigen geprägt ist, was Hegel in der „Phänomenologie des Geistes“ als den Kampf der Aufklärung gegen den Aberglauben charakterisiert. Am deutlichsten zeigt sich dies an der zentralen Bedeutung der Kategorie der Nützlichkeit bzw. äußeren Zweckmäßigkeit in der jeweiligen Argumentation – sowohl in den Reihen der Kritiker als auch in den Reihen der Verteidiger der Religion. Die einen sagen: Religion ist nutzlos und daher auszumerzen, denn sie ist Ausdruck eines unmündigen, voraufgeklärten Bewusstseins, das zu einem Weltbild, das mit den Resultaten der Einzelwissenschaften konvergiert, nichts beitragen kann. Ja sie ist sogar schädlich: als irrationaler Mythos für die Bildung und freien Entwicklung des Einzelnen, wodurch sie auch zur Quelle zwischenmenschlicher Konflikte wird. Die Verteidiger der Religion setzen in ihrer argumentativen Strategie meist ebenso auf die Kategorie der Nützlichkeit: Religion, recht verstanden und gelebt, beweise sehr wohl ihren Nutzen – sowohl für den Einzelnen als Stütze der Moralität (wie es schon bei Kant grundgelegt wurde) als auch für die Gesellschaft als stabilisierender „Kitt“, indem sich die Religion als zivilgesellschaftliche „Stimme“ für eine gerechtere, solidarischere und humanere Gesellschaft einsetze. Nachdem dies jedoch keine genuin religiösen Bestimmungen sind und dieser Nutzen auch von Korporationen wie etwa Gewerkschaften für sich reklamiert werden kann, entzieht sich diese Argumentation selbst ihren Boden. So bleibt die Frage: Wozu Religion heute?

Hegels Philosophie der Religion gibt genau darauf Antworten. Diese sind in mehrfacher Hinsicht durchaus provokativ. Es wird uns hier zugemutet, die sonst dominante Perspektive der Nützlichkeit im Denken zu transzendieren. So ist es zunächst schon provokativ, wenn Hegel lehrt, dass die Religion – wie auch die Kunst und die Philosophie – nicht bloß Mittel für einen anderen Zweck – die Moral oder die gerechte Gesellschaft –, sondern Selbstzweck sei. Der Grund dafür ist ebenso provokativ: Religion gehört untrennbar zur vollen Verwirklichung der Freiheit. Schließlich provoziert die Darstellung der Philosophie der Religion, indem sie sich auf die jeweiligen konkreten Gehalte des religiösen Bewusstseins einlässt und nicht bloß versucht, einen abstrakten gemeinsamen „vernünftigen“ Kernbestand abseits von Aberglaube und Afterdienst (Kant) zu isolieren, der in eine „Vernunftreligion“ übersetzbar ist.

Ziel der Tagung ist es, die Provokationen, die uns die Hegelsche Philosophie mit Blick auf die Religion bietet, kritisch ernst zu nehmen und solcherart einen Beitrag zur Aktualitätsbemessung des Hegelschen Denkens zu leisten.