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Kontrast

Zeit zu Denken: Vortrag von Robert König.

09. Dezember 2019

18:00 - 20:00 Uhr

KU Linz: Hörsaal 4

Zum Thema "Idou. Ho anthropos (Joh. 19, 5). Endlichkeit als die eigentlich philosophische Handlung" referiert Dr. Robert König von der Universität Wien am 9. Dezember 2019 im Rahmen der Vortragsreihe "Zeit zu Denken".

"Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig." (2 Kor. 3,6) - Das Neue Testament ist neben all seinen anderen Aspekten auch der Repräsentant einer alten Tradition der Philosophie, die wir schon bei Platon finden: als Schrift schriftkritisch über die Schriftlichkeit hinauszugehen. Was nur auf den ersten und oberflächlichen Blick wie ein Selbstwiderspruch erscheinen könnte, legt vielmehr das vieldimensionale Potential der biblischen Texte frei. Denn die sich an jener Stelle des zweiten Korintherbriefes kurz und bündig ausdrückende Selbsttranszendenz des Geistigen tritt im Textcorpus der Bibel in ebenso mannigfacher Weise in Erscheinung. Nicht zuletzt tut sie das in der Bestimmung des Menschen, indem sie ihn wesentlich durch eine zugleich über sich hinausgehende und mit sich zusammengehende Endlichkeit fasst ("Idou. Ho anthropos." - "Siehe. Der Mensch.", lesen wir in der Johannespassion). Die Endlichkeit revolutioniert sich auf diese Weise selbst in ihrer Bedeutung und grenzt eine schlecht verstandene Unendlichkeitsbestrebung durch den Begriff "Anastasis" (Auferstehung) von sich ab. Denn die Auferstehung ist im philosophischen Sinne die zu einer Handlung und zu einem Vermögen revolutionierte Endlichkeit, nicht der Eintritt in eine quantitative gedachte Endlosigkeit, welche eher mit dem Begriff "Hölle" gleichzusetzen wäre. Die Bibel insgesamt zeigt sich damit als eine Rede davon, mit ihren Buchstaben handelnd über diese Buchstaben hinauszugehen, anstatt eine bloße Belehrung von ihr zu erwarten.

Zur Vortragsreihe.

"Zeit zu Denken. Philosophische Vorträge" nennt sich die von Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich organisierte Reihe am Institut für Praktische Philosophie/Ethik der KU Linz. Abseits der auf uns einstürmenden schnellen Antworten und Handlungsanweisungen soll dem Denken Raum gegeben werden. Erst über diesen Umweg wird es möglich, unsere Zeit "in Gedanken zu erfassen" (Hegel).

19.08.2019/sm