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Jakob Deibl: Vortragsreihe "Zwischen" im Kepler Salon.

18. Oktober 2018

19:30 - 21:00 Uhr

Kepler Salon, Rathausgasse 5, 4020 Linz

Zum Thema "Exzentrizität, Oszillation und Übergang. Eine utopisch-anarchische Lektüre Hölderlins im Zeichen des Zwischen" referiert Jakob Deibl am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018 im Kepler Salon. Gastgeberinnen sind Sibylle Trawöger und Barbara Schrödl.

Mit dem ersten Keplerschen Gesetz rückt der Begriff der Exzentrizität in den Fokus der Aufmerksamkeit. Exzentrizität verweist geometrisch auf einen Zwischenraum, der sich zwischen dem Kreismittelpunkt und einem aus der Mitte versetzten Fokuspunkt der Ellipse eröffnet. Mit der Aufnahme dieses Modells in die Astronomie vollzieht sich gleichzeitig ein epochaler Umbruch im abendländischen Denken. Das Zeitalter der Moderne schreibt sich gedanklich in jenen Zwischenraum ein, der sich zwischen Mitte und exzentrischem Fokuspunkt eröffnet; es versucht immer wieder die Mitte zu besetzen, muss einen Übergang in die Exzentrizität vollziehen und oszilliert schließlich zwischen beiden Orten.

Der Vortrag sucht, ausgehend von diesen keplerschen Inspirationen, eine Lektüre des Dichters Hölderlin zu geben. Hölderlin selbst hat sich nicht nur sehr für Astronomie interessiert, sondern übernimmt auch das keplersche Motiv der „exzentrischen Bahn“ für seine Theorie der Dichtung und widmet Kepler ein eigenes Gedicht. Die Kategorien der Exzentrizität, der Oszillation und des Übergangs, die allesamt auf offene Zwischenräume verweisen, ermöglichen einen Blick auf Hölderlins dichterisches Spätwerk: Gedichte verlieren zunehmend ihre Mitte; immer neue Varianten werden einzelnen Versen hinzugefügt, Sinn ereignet sich im Zwischen der Varianten, im Oszillieren zwischen den Möglichkeiten und am Übergang von nicht mehr harmonisierbaren einzelnen Wendungen … Dichtung rückt damit einerseits an den Rand des Verlustes von Sinn und Bedeutung, bringt aber andererseits auf unerwartete Weise Bedeutungen in einer utopischen Offenheit zum Ausdruck.

Diese Veranstaltung findet im Kepler Salon statt.

Eine Veranstaltung der Katholischen Privat-Universität Linz in Kooperation mit dem Kepler Salon.

Jakob Deibl. (Quelle: Kepler Salon)
Jakob Deibl. (Quelle: Kepler Salon)

Jakob Deibl studierte Katholische Fachtheologie und Selbstständige Religionspädagogik in Wien und Salzburg. Er ist promovierter Theologe ("Menschwerdung und Schwächung. Annäherung an ein Gespräch mit Gianni Vattimo") und Philosoph ("Fehl und Wiederkehr der heiligen Namen. Anachronistische Zeitgenossenschaft Hölderlins"). Von 2008-2011 und von 2013-2018 war er Assistent am Institut für Systematische Theologie am Fachbereich Theologische Grundlagenforschung (vorerst prae-doc dann post-doc) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und ebenso Mitglied im Organisationsteam der Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary Society“. Seit 1. Juli 2018 ist er Professore Invitatio in Pontifico Ateneo Sant’Anselmo in Rom.

/// ZUR VORTRAGSREIHE

Zwischen ist der Titel der von Barbara Schrödl und Sibylle Trawöger kuratierten Reihe. Diese ist eine Kooperation zwischen dem wissenschaftlichen Mittelbau der KU Linz und dem Kepler Salon. Die Vortragsthemen sind interdisziplinär verortet - vorrangig im Zwischen der Kunstwissenschaft, der Theologie und der Philosophie. Im Rahmen der Reihe wird den Bewegungen zwischen Orten, dem Wechsel zwischen Rollen, dem Leben zwischen Welten und vielfältigen anderen Zwischenräumen nachgegangen. Mit Spannung erwarten wir, wie die jeweiligen Vortragstitel mit dem Wörtchen zwischen agieren und welche Zwischenräume uns die Vortragenden zugänglich machen werden.

27.9.2018/he

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