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Vortrag von Andreas Exner: Kapitalismus ohne Alternative?

Zum Thema "Kapitalismus ohne Alternative?" referierte der Wiener Ökologe und Experte für nachhaltige Wirtschaftsweisen Andreas Exner am 9. Mai 2019 bei einer Veranstaltung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe "Wirtschaft – Ethik – Gesellschaft" an der Katholischen Privat-Universität Linz. Dabei arbeitete er eine sehr große Ähnlichkeit zwischen Gedanken der katholischen Soziallehre und den Ideen einer Solidarischen Ökonomie heraus.

Zentral sei für beide Tendenzen die Bindung an eine Gemeinwohlvorstellung, die weit über klassisch-ökonomische Parameter (wie etwa das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts oder das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen) hinausgehe. Während sich die neuen Solidarischen Ökonomien im globalen Süden mehr auf das wirtschaftliche Überleben ausrichteten, betonten sie im globalen Norden stärker die Frage der Entfaltung des Menschen in Gemeinschaft. Den verschiedenen Bewegungen für eine Solidarische Ökonomie ist gemeinsam, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellten, so Exner, wie dies eben auch typisch für die Tradition der kirchlichen Sozialverkündigung sei.

Andreas Exner stellte zahlreiche konkrete Formen Solidarischer Ökonomie vor, berücksichtigte insbesondere aber auch die europäische Genossenschaftsbewegung, die seit dem 19. Jahrhundert wirtschaftliche Organisationsformen entwickelt habe, in denen Arbeit und Solidarität im Zentrum stehen. Inzwischen seien – auch aufgrund von Impulsen aus dem globalen Süden – genossenschaftliche Wirtschaftsformen weiterentwickelt oder wieder in Erinnerung gerufen worden. Damit gehe auch eine Renaissance des klassischen Genossenschaftssektors einher, mit der sich die neuen Solidarischen Ökonomien zunehmend verbänden.

Der frühere Sozialbischof Maximilian Aichern wies darauf hin, dass das Genossenschaftswesen auch für den österreichischen Sozialkatholizismus ein wichtiger Bezugspunkt war, so etwa für Pater Johannes Schasching SJ, der stets die Bedeutung dieser solidaritätsorientierten Formen des Wirtschaftens hervorgehoben habe. Markus Blümel von der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksö) betonte, dass es gegenwärtig ein besonderes Anliegen der ksö sei, solche Ansätze solidarischen Wirtschaftens zu fördern. Andreas Exner war bis April 2019 der dritte Inhaber des "Schasching-Fellowships" der ksö.

Dr. Andreas Exner studierte Ökologie und Politikwissenschaften. Schasching-Fellow 2018/2019 an der Katholischen Sozialakademie Österreichs (KSÖ). Dort Forschung zu Solidarischer Ökonomie im Kontext sozial-ökologischer Transformation vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre. Arbeitsschwerpunkte sind alternative Ökonomien, Gemeingüter, Stadtentwicklung und Ressourcenpolitik.

16.05.2019/Christian Spieß/sm

Dr. Andreas Exner. Foto: ksoe/Mullan.

Dr. Andreas Exner. Foto: ksoe/Mullan.