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ThPQ 3/2018: Aktuelles Heft thematisiert Moden und Trends.

ThPQ 3.2018: Moden und Trends.
ThPQ 3.2018: Moden und Trends.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Moden und Trends denken? An die klassische Kleidermode oder gar an exquisite Modeschöpfer wie Marc Jacobs, Stella McCartney, Jil Sander usw.? Oder fallen ihnen auch andere Moden und Trends ein? Schließlich lässt sich Mode nicht allein auf Kleidermode reduzieren. "Der Prediger, der auf zwei Beinen auf die Kanzel steigt, trägt in der Regel auch Schuhe, Strümpfe und einiges mehr, und was er trägt, hängt zusammen mit der Kultur, in der er lebt. Und was er sagen wird, hängt hinwiederum zusammen mit den Kleidern, in denen er steckt; will sagen: mit seiner gesellschaftlichen Existenz."1 Mit anderen Worten: Wie wir uns kleiden, wie wir handeln und was wir äußern, unterliegt einer kulturellen Prägung, die wiederum von Moden und Trends beeinflusst ist. Jene Labels, die sich in unser aller profanen Kleidung finden, markieren ihre Herkunft und sind für den Tragenden / die Tragende ein Bekenntnis. Das gleiche gilt für die theologischen Kleider, in denen wir stecken und die pastorales Handeln ‚anziehend‘ machen (sollen). Der Soziologe Thomas Schnierer hat drei Aspekte benannt, die zentral sind, wenn es um Moden und Trends geht: (a) der zeitliche Aspekt, der die Kurzlebigkeit von Moden verdeutlicht – was sich nicht (schnell) ändert, kann keine Mode sein; (b) der soziale Aspekt, mit dem das Phänomen angesprochen ist, dass es eine bestimmte Anzahl von Menschen braucht, die 'mitmachen', um überhaupt von Mode sprechen zu können; diese Zahl ist kritisch, denn zu wenige wie auch zu viele 'Modeträger' trüben die Erkennbarkeit einer Mode; (c) der sachliche Bereich, der schließlich angibt, in welchem sozialen Feld Moden auftreten.2 Da es nicht ohne Moden und Trends geht, die zugleich bewusst oder unbewusst unsere Kultur beeinflussen, gilt es, diese Phänomene als gesellschaftliche, die mitten in die Kirchen (samt ihren Theologien) hineinreichen, kritisch zu bedenken. Daher behandelt das vorliegende Heft, in Anlehnung an die Formulierung "Fashion is confession"3 (Mode ist Bekenntnis), die Thematik von Moden und Trends in ihren verschiedensten Facetten und welche 'Bekenntnisse' mit ihnen verbunden sind. Es geht uns um das Folgende: Wie entstehen Moden und Trends und welche Funktionen erfüllen sie? In welcher Weise sind auch die (Gesellschafts-)Wissenschaften und die Theologie davon betroffen? Und: haben die Veränderungen in Kirche und Theologie (im historischen Rückblick betrachtet) etwas mit Mode und Trend zu tun?

Oliver Dimbath eröffnet aus soziologischer Sicht die facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Phänomen von Mode(n) und Trends. In seinem Beitrag werden verschiedene Formate von Zukunftsbeschreibungen vorgestellt. Zugleich diskutiert der Autor diese aus der Perspektive wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit, um so zu plausiblen und tragfähigen Einschätzungen für die Zukunft von Kirche und Gesellschaft zu kommen. Der Politikwissenschaftler Anton Pelinka zeigt in seinem Beitrag auf, dass Trends nicht einfach abzuleitende Folgen im Bereich des Politischen nach sich ziehen. Jedoch geben sie Hinweise auf mögliche und bisweilen notwendige Veränderungen und bilden in diesem Sinn einen Rahmen für Politik. Aus diesem Grund ist es gut und sinnvoll, Trends und ihre Fortschreibungen aufmerksam in den Blick zu nehmen. Konrad Huber zeichnet in seinem Beitrag nach, welchen Niederschlag Trends aus der Kultur-, Literatur-, Text- und Geschichtswissenschaft in der Exegese gefunden haben und wie diese nicht nur aufgegriffen, sondern auch kreativ fortgeschrieben worden sind und werden. So wird deutlich, dass Profile in den Wissenschaften anhand überschreitender Themenstellungen die Diskurse wechselseitig bereichern und weiten können. Der Dogmatiker Peter Walter zeigt auf, dass aus pastoralem Anspruch heraus nicht nur im Bereich der Frömmigkeit, sondern ebenso im Bereich der Glaubenslehre von Entwicklungen und Trends gesprochen werden kann. Angesichts dieses Aufweises ist zu erwarten, dass der Katholischen Kirche in Zukunft wohl noch spannende und vor allem notwendige Diskussionen bevorstehen. Der Beitrag von Marie Helbig bewegt sich in jenem Bereich, der eingangs angesprochen wurde und in einem Heft zu Moden und Trends nicht fehlen darf – nämlich der Kleidermode. Ihr Beitrag, in dem sie die Geschichte der Kleidermode skizziert, hat seinen theoretischen Ausgangspunkt und Kompass in der Modetheorie von Georg Simmel. Auch in den digitalen Medien lassen sich Moden erkennen. So tauchen schon seit geraumer Zeit immer wieder Katzenbilder auf Facebook oder Instagram auf. Ilaria Hoppe geht diesem Phänomen auf den Grund und belegt, dass sich Katzen als Motive für die unterschiedlichsten Lebens- und Gefühlslagen eignen und inzwischen wohl auch aus diesem Grund zu einem festen Bestandteil in den digitalen Medien geworden sind.

Der Philosophin Simone Weil ist der freie Beitrag von Hubert Gaisbauer gewidmet. Einfühlsam und gleichermaßen informativ lenkt er den Blick auf ihr (kurzes) Leben, ihre Empathie mit notleidenden Menschen, ihren politischen Einsatz und ihr Ringen mit dem katholischen Glauben und zeichnet so ihre liminale Existenz nach. Der zweite freie Beitrag von Johann Maier über Moses Maimonides (geboren zwischen 1135 und 1138 in Córdoba; gestorben am 13. Dezember 1204 in Kairo) und seine Haltung zur nichtjüdischen Umwelt und zu innerjüdischen Problemlagen gewährt Einblicke in eine gänzlich andere, für uns zum Teil fremde Welt.

1 So schon 1975 Rudolf Bohren in: Dass Gott schön werde. Praktische Theologie als theologische Ästhetik, München 1975, 100.
Vgl. Thomas Schnierer, Modewandel und Gesellschaft. Die Dynamik von ‚in‘ und ‚out‘, Wiesbaden 1995, 19 ff.
Bernd Beuscher, Stoffwechsel. Mode als Kleid des Absoluten, in: Magazin für Theologie und Ästhetik 31 (2004), abrufbar unter: www.theomag.de/31/bb2.htm [Abruf: 04.06.2018].

Liebe Leserinnen und Leser!

Eine gute und frohe Sommerzeit sowie eine inspirierende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Ines Weber (Chefredakteurin)

Theologisch-praktische Quartalschrift

20.7.2018/he

Banksy, Katze im Gaza-Streifen. Anhand von Katzenbildern beschreibt Ilaria Hoppe in der Ausgabe 2.2018 der ThPQ Moden in digitalen Medien.

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