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Tag des Judentums: Zeitreise zu Orten jüdischen Lebens in Linz.

Mehr als 180 BesucherInnen, darunter auch Bischof Dr. Manfred Scheuer und Bischof em. Dr. Maximilian Aichern, folgten am 17. Jänner 2019 der Einladung des christlich-jüdischen Komitees OÖ zum diesjährigen Tag des Judentums an der Katholischen Privat-Universität Linz.

Tag des Judentums an der KU Linz.
Von li.: Altbischof Dr. Maximilian Aichern, Mag. Gudrun Becker, Mag. Günter Merz, Mag. Verena Wagner, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Dr. Charlotte Herman, Wolfram Starczewski, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Casimir Paltinger.

Die ReferentInnen Casimir Paltinger, Wolfram Starczewski, Mag.a Verena Wagner, Mag. Günter Merz und Dr.in Charlotte Herman führten gemeinsam mit Mag.a Gudrun Becker, Leiterin des christlich-jüdischen Komitees, mithilfe von Stadtplänen, Videoeinspielungen, Dialogsequenzen, Fotos und Bildern, Plänen, Familiengeschichten und persönlichen Erinnerungen durch die Geschichte jüdischen Lebens und Glaubens in Linz vom 14. bis ins 20. Jahrhundert.

Die beiden Fremdenführer Casimir Paltinger und Wolfram Starczewski vermittelten in fiktiven Dialogsequenzen ein Zeitgefühl für die Phase zwischen 1300 und 1421. Sie schlüpften in die Rollen von zwei jüdischen Händlern, eines habsburgischen Herzogs und seines Sekretärs, eines in Bauwünschen schwelgenden Abtes und von zwei Wiener Jugendlichen aus dem Jahr 1421. Sie führten die schwierige Situation der Jüdinnen und Juden vor Augen, die einerseits als Geldverleiher und Händler unabdingbar waren und andererseits den Herrschenden ausgeliefert waren und ihnen als Sündenböcke dienten.

Mag. Günter Merz, evangelischer Theologe und Religionslehrer, begann seinen Vortrag erst wieder im Jahr 1780. Bis dahin wurden Menschen in Territorien unter habsburgischer Herrschaft aus religiösen Gründen immer wieder verfolgt und vertrieben. Somit war auch jüdisches Leben kaum möglich. In den kommenden Jahrzehnten verbesserten sich die Bedingungen für Juden und Jüdinnen in kleinen Schritten. Dennoch war die Zeit geprägt von Behinderungen in der Religionsausübung, Einschränkungen und Willkür. 1851 wurde schließlich die Abhaltung von Privatgottesdiensten und die Anmietung eines Gebetsraumes in der heutigen Adlergasse 10 in Linz bewilligt. Auch ein Religionsunterricht dürfte dort stattgefunden haben.

Die virtuelle Stadtführung setzte ihren Weg bis zur heutigen Marienstraße fort, an der die jüdische Gemeinde eine ehemalige Steinmetzwerkstatt zu einem Bethaus umbaute, worüber Mag.a Verena Wagner, evangelische Theologin, Religionslehrerin und Autorin historischer Werke zur jüdischen Stadtgeschichte, berichtete. Dieses Bethaus an der Marienstraße wurde von 1861 bis 1877 genutzt, auch die Errichtung eines jüdischen Friedhofes fällt in diese Zeit.

Bereits 1871 begannen die Bestrebungen zur Errichtung einer Synagoge an der Bethlehemstraße, wie Mag.a Wagner berichtete. 1877 wurde diese Synagoge, in der es sogar eine Orgel gab, feierlich eingeweiht, was einen glanzvollen Höhepunkt in der jüdischen Geschichte in Linz darstellte. Dieser monumentale Bau, der sich harmonisch ins Stadtbild einfügte, wurde in der Reichsprogromnacht im November 1938 ein Opfer der Flammen und der nationalsozialistischen Zerstörung.

Frau Dr.in Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, erzählte von den „Übergangs“-Beträumen zwischen 1946 und 1968 im Gemeindehaus an der Bethlehemstraße, in dem noch heute in einem kleinen Museum die Bänke und der Thoraschrein der damaligen Zeit zu sehen sind. Außerdem wird dort der Schlüssel der Alten Synagoge aufbewahrt – das einzige, das davon noch erhalten ist. Herman teilte mit dem Auditorium ihre persönlichen Erinnerungen an diese Zeit und auch an die Errichtung und Einweihung der Neuen – heutigen – Synagoge, die von Architekten Fritz Goffitzer geplant und im Inneren mit Fresken von Fritz Fröhlich ausgestaltet wurde. Einen bleibenden Platz in der Synagoge haben die Linzer jüdischen BürgerInnen, die während des nationalsozialistischen Regimes ermordet wurden und die namentlich auf Gedenktafeln angeführt sind.

Bei koscherem Wein und Bibelbrot konnten sich die Teilnehmenden nach dieser ausführlichen und ausgedehnten Zeitreise stärken und noch miteinander und mit den ReferentInnen ins Gespräch kommen.

Literaturtipp: Verena Wagner, Jüdisches Leben in Linz 1849–1943. Institutionen. Wagner Verlag Linz 2008; und andere Publikationen der Autorin

Bildnachweis: Referat für Ökumene und Judentum / Reischl

18.1.2019/Gudrun Becker/he

Mehr als 180 BesucherInnen waren der Einladung zum Tag des Judentums gefolgt.

Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber mit Bischof Dr. Manfred Scheuer und Bischof em. Dr. Maximilian Aichern.

Die beiden Fremdenführer Casimir Paltinger und Wolfram Starczewski stellten in unterschiedlichen Rollen - etwas als jüdische Händler, als habsburgischer Herzog oder Abt - die schwierige Situation von Jüdinnen und Juden zwischen 1300 und 1421 dar.

Von li.: Altbischof Dr. Maximilian Aichern, Mag. Gudrun Becker, Mag. Günter Merz, Mag. Verena Wagner, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Dr. Charlotte Herman, Wolfram Starczewski, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Casimir Paltinger.