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Kontrast

Sozialplattform Migration präsentiert Kunstschaffende.

Im Zeichen der De- und Re-Konstruktion von Bild und Sprache standen die am 14. Juni 2018 im Rahmen der Sozialplattform Migration der KU Linz von Julia Allerstorfer und Barbara Schrödl vorgestellten künstlerischen Positionen. Beide vortragenden KünstlerInnen - die in Rumänien geborene und in Berlin lebende ULRIKE ETTINGER und der aus Senegal stammende und bei Wien ansässige MARA NIANG - nutzen Strategien der (Wieder-)Aneignung und des Umdeutens, um das (Selbst-)Verständnis von Dingen und Sichtweisen hinsichtlich ihre politischen Aussagen in Frage zu stellen.

So hat der transnational agierende Künstler, Kurator und (Mode-)Designer Mara Niang beispielsweise das Logo der Vorarlberger Brauerei "Mohrenbräu" zu einem Aufruf umgestaltet, rassistisch-stereotype Aussagen über Afrika und AfrikanerInnen kritisch zu hinterfragen. Niangs Vorschlag enthält nicht nur das Wortspiel "No Mohr" an Stelle von "Mohrenbräu", sondern auch das Profilbild eines Afrikaners auf dem Logo wurde von ihm in einen Baobab Baum verwandelt. Der imposante Affenbrotbaum dient unter anderen der Zusammenkunft der Gemeinschaft, so der Künstler. Dies nur als ein Beispiel der vielen von ihm gestalteten oder angeeigneten Logos. Mara Niang ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien und bietet aktuell über das Projekt "Art im Dienst" eine Ordination an, um Kleidung oder Kunst zu "heilen". Dieser Dienst zielt auf Notfälle, schwere Fälle, hoffnungslose Fälle und besondere Fälle.

Die Künstlerin und Theoretikerin Ulrike Ettinger stellte in Linz frühe Arbeitsreihen vor, in denen sie das Medium Zeichnung und Malerei dahingehend genutzt hat, um Topoi aus Kunst- und Kulturgeschichte in Relation zur eigenen Biografie zu setzen. 2001 hat Ettinger beispielsweise Buntstiftzeichnungen nach der bekannten Malerei von Matisse "La Blouse Roumaine" von 1940 angefertigt. War für Matisse das Kleiden seiner Modelle in exotische Textilien eine Anregung zum Malen, wiederholt Ettinger in ihren Zeichnungen den Umriss der überdimensionierten rumänischen Bluse, um darin – in einer Geste der Umkehrung – gleich ein ganzes Bouquet an exotischen Stereotypen zu offerieren. Ulrike Ettinger hat 2017 ihre Ph.D.-Arbeit "SO FASHIONABLE NATIONAL. Volkstrachten und Folklore-Mode als kulturpolitische und wirtschaftliche Ressource im rumänischen Sozialismus" an der Bauhaus Universität Weimar verteidigt und führt ihre Forschung zur Thematik gegenwärtig mit den Mitteln der Kunst und des Ausstellungsformates fort. 

Sowohl Mara Niangs als auch Ulrike Ettingers in Linz präsentierten Arbeiten sind im Kontext von Migration, Identitätssuche und Transkulturalität zu verorten. (Bericht Ulrike Ettinger)

22.6.2018/he

Von li: Univ.-Ass. Stephanie Steininger, Ass.-Prof. Julia Allerstorfer, Mara Niang, Ass.-Prof. Barbara Schrödl, Ulrike Ettinger.

Von li: Univ.-Ass. Stephanie Steininger, Ass.-Prof. Julia Allerstorfer, Mara Niang, Ass.-Prof. Barbara Schrödl, Ulrike Ettinger.