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Sommerakademie: Religion und die Allmacht von Big Data.

Hochaktuell ist das Thema der diesjährigen 20. Ökumenischen Sommerakademie, die unter dem Titel "Gott und die digitale Revolution" von 11. bis 13. Juli 2018 im Stift Kremsmünster stattfindet.

Der Skandal um die illegale Weitergabe von gesammelten Daten durch Facebook und der Versuch der Gegensteuerung zum Datenmissbrauch durch die Europäische Datenschutzrichtlinie beweisen die Brisanz der umfassenden Datenansammlung bei IT-Konzernen, die Milliarden mit der Auswertung und dem Verkauf dieser Daten verdienen. Big Data ist das Schlagwort für diese Entwicklung.

Basierend auf Unmengen von Persönlichkeitsdaten läuft die Entwicklung künstlicher Intelligenz, die weit über den Einsatz in der industriellen Robotik hinausgeht. Selbstfahrende Autos und computergesteuerte Haushalte sind einfache Beispiele für Systeme, die eine immer engere Verbindung zwischen Mensch und datengesteuerten Maschinen schaffen.

Letztlich wird es um die Frage gehen, ob nicht Big Data und Computer bessere Entscheidungen treffen als Menschen, und ob man dann diese Entscheidungen auf allen Ebenen von Politik, Wirtschaft und persönlichem Leben nicht den Datenmaschinen überlassen wird, warnen Kritiker der Entwicklung.

In der Theologie und den Kirchen setzt man sich erst ansatzweise mit den damit verbundenen Fragen auseinander. Ob sich Pfarren und andere kirchliche Institutionen verstärkt der sozialen Medien bedienen sollen, ist im Hinblick auf die Entwicklung nur ein kleiner Teilaspekt. Im Wesentlichen geht es um das Menschenbild, die Menschenwürde und die Frage, ob die Allwissenheit und Allmacht der Datensysteme noch Platz für den Glauben an Gott lassen.

Die Vorträge der Ökumenischen Sommerakademie stellen die Entwicklung dar, formulieren die Kritik daran und zeigen theologische Ansätze, wie man dieser Herausforderung nicht ablehnend sondern konstruktiv begegnen kann. Schließlich werden Kirchenvertreter mit der Frage konfrontiert, wie sie damit umgehen werden.

Gerfried Stocker wird als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Ars Electronica die Perspektiven der Entwicklung schildern. Als Geschäftsführerin eines weltweit tätigen IT-Unternehmens beschreibt auch Yvonne Hofstetter die neuen Möglichkeiten. In ihren Bestsellern warnt sie allerdings auch vor damit verbundenen Gefahren.

Johanna Haberer von der Universität Erlangen Nürnberg hat "10 Gebote für die digitale Welt" entworfen, Werner Thiede, ebenfalls aus Erlangen-Nürnberg, fordert mit 95 Thesen zum Umdenken in Kirche und Gesellschaft auf.

Die ethischen Aspekte der Digitalisierung behandelt Michael Fuchs von der Katholischen Privat-Universität Linz, der sich intensiv mit Ethik im Bereich von Technik und Forschung beschäftigt. Peter Kirchschläger aus Luzern analysiert unter anderen die Menschenrechte im Zeitalter der Digitalisierung aus theologischer Sicht.

Mit dem praktischen Verhältnis der Kirchen zur digitalen Welt setzt sich Ilona Nord aus Würzburg auseinander.

Die Ökumenische Sommerakademie ist eine Veranstaltung der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz, des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, des Evangelischen Bildungswerks Oberösterreich, der Kirchenzeitung der Diözese Linz, des Stiftes Kremsmünster, der Religionsabteilungen des ORF in Fernsehen und Radio und des Landes Oberösterreich. Das AEC ist Veranstaltungspartner, die Oberösterreichischen Nachrichten sind Medienpartner.

Die 20. Ökumenische Sommerakademie ist öffentlich zugängig. Anmeldungen sind im Tagungsbüro vor Ort noch möglich. Die Kassa ist am Mittwoch, 11. Juli 2018 ab 13:00 Uhr geöffnet.

20. Ökumenische Sommerakademie
GOTT UND DIE DIGITALE REVOLUTION 
11. bis 13. Juli 2018, Stift Kremsmünster

Veranstaltungshinweise / Programm

Bildnachweis: Ociacia/shutterstock

21.6.2018/he

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