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Kontrast

Sacred Spaces, Rituals and Texts in European Teacher Education.

An einer Exkursion in und um Prag nahmen Studierende unter der Leitung von Ass.-Prof. Helena Stockinger teil. Das Kooperationsprojekt des Instituts für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik mit Verantwortlichen und Studierenden der Universitäten Prag, Dublin und Bonn fand vom 10. bis 14. Juni 2019 statt.

Die durchgeführte Exkursion "SpiRiTex – Sacred Spaces, Rituals and Texts in European Teacher Education" hatte das Ziel, Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Persönlichkeit und Spiritualität "in the presence of the other" weiterzuentwickeln und die Erfahrungen in Hinblick auf ihre zukünftige Tätigkeit als Religionspädagoginnen und -pädagogen zu reflektieren. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Orten, Ritualen und Texten, aus unterschiedlicher religiöser und nicht-religiöser Weltsicht fand durch zwischenmenschliche Begegnung innerhalb von signifikanten Orten, durch spezifische Texte und Rituale statt. Insofern kann die Exkursion als "theologisches, religionspädagogisches Experiment", eine "Pilger-Konferenz" und als eine "außergewöhnliche akademische Erfahrung" bezeichnet werden. An der Exkursion nahmen Studierende aus Bonn und Köln unter der Leitung von Bert Roebben, Studierende aus Dublin unter der Leitung von Sandra Cullen und Studierende der Katholischen Privat-Universität Linz (Leitung: Helena Stockinger) teil. Den Großteil der Organisation übernahmen Studierende sowie Kolleginnen und Kollegen aus Prag unter der Leitung von František Štěch.

Untergebracht waren die ExkursionsteilnehmerInnen im "St. John’s Christian Teacher‘s College in Svatý Jan pod Skalou", welches sich im Laufe der Geschichte vom Kloster zum Gefängnis, dann zum Arbeitslager und nun zur Hochschule und zum Wallfahrtsort gewandelt hat. Mehr als nur ein Gebäude in idyllischer Landschaft bildete somit der Ausgangspunkt unserer Exkursion. der Aufgrund seiner Geschichte bereits ein "Sacred Space" ist.

Das Programm des ersten Tages führte uns nach Prag, wo wir in die Historie der „Schlacht am Weißen Berg“ 1620 eingeführt wurden und damit an den Beginn einer jahrhundertelangen Auseinandersetzung zwischen katholischen und protestantischen Positionen. Deren Vermischung mit gesellschaftlichen und politischen Faktoren, sowie die Instrumentalisierung Marias als Siegbringerin wurden dabei aufgezeigt. Außerdem besuchten wir die Wallfahrtskirche am weißen Berg, die Prager Innenstadt und setzten uns mit der aktuell brisanten Diskussion um die Wiedererrichtung einer Marienstatue auf dem Hauptplatz von Prag auseinander. Anschließend war Zeit das bisher Geschehene und Erfahrene Revue passieren zu lassen. In einer Andacht in der Krypta wurde die Verbindung von Sacred Space und Ritual erfahrbar.

Am Mittwoch stand die überwiegend stille Wallfahrt von Svatý Jan nach Tetin im Zeichen von Psalm 121. Die eigene Pilgererfahrung, mit ihren Freuden (wunderschöne Landschaft) und Leiden (große Hitze, steile Wege) stand hier im Mittelpunkt. Der abschließende ökumenische Gottesdienst in der Kirche der Hl. Ludmilla war dabei ein wunderbarer Abschluss. Auf dem Rückweg zum College war ausreichend Zeit, die Erlebnisse des Vormittags zu besprechen und den internationalen Austausch zu intensivieren. Dabei standen die unterschiedlichen Lebenssituationen sowie der Zustand der jeweiligen Landeskirchen im Mittelpunkt.

Der Donnerstag stand im Zeichen der abschließenden Reflexion des Erlebten und seiner Bedeutung für die Religionspädagogik. Am Ende der Konferenz hielt Ludmila Muchová Ph.D., Professorin für Religionspädagogik an der Universität Budweis ihre Abschiedsvorlesung aufgrund Ihrer anstehenden Emeritierung. Dies war ein spannender Einblick in die Geschichte und die Entstehung der tschechischen Religionspädagogik durch die Wirren des Kommunismus, als auch ein Ausblick auf die Zukunft, verbunden mit der Aufforderung an die anwesenden Studierenden, die Religionspädagogik weiter zu entwickeln und voranzutreiben.

Auch die Linzer Studierenden waren sich einig, dass ein Exkursionsformat wie SpiRiTex außerordentliche Möglichkeiten zur persönlichen, spirituellen sowie akademischen Weiterentwicklung bietet. Die Studierenden betonten, dass diese Form der Exkursion: das Lernen im Gehen, im Gespräch, an spezifischen Orten, im Austausch mit Teilnehmenden unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Zugänge, in Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und Spiritualität bereichernd ist und ein großes Potential weckt. Neben der religionspädagogischen Auseinandersetzung sind insbesondere die internationalen Begegnungen, die intensiven Reflexionen und Lernmöglichkeiten, die auch durch die Zusammensetzung und Offenheit der Gruppe ermöglicht wurden, besonders hervorzuheben.

21.06.2019/Helena Stockinger und Robert Janschek/he

Die Linzer Gruppe: Studierende der KU Linz mit Ass.-Prof. Helena Stockinger (Bildmitte).

Die Linzer Gruppe: Studierende der KU Linz mit Ass.-Prof. Helena Stockinger (Bildmitte).