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Quartals.Gespräch: Wann ist ein Mann ein Mann?

Wann ist ein Mann ein Mann? Dieser Spurensuche widmeten sich Richard Schneeberger, Männercoach und bekannter Buchautor (jüngst: Männerabend. Warum Männer einen Mann zum Reden brauchen … und was Frauen darüber wissen sollten), und Ines Weber, Professorin für Kirchengeschichte an der Katholischen Privat-Universität Linz, im Rahmen des achten Quartals.Gespräches, das in Kooperation mit der Langen Nacht der Kirchen stattfand.

Groß, kräftig, sich selbst und anderen hart gegenüber, mit Penis und Bart, Geld verdienend, eine Familie ernährend, ein Auto mit vielen PS fahrend, viele Freunde zählend – diese Liste ließe sich leicht erweitern. Was aber macht ihn tatsächlich aus, den Mann? Und wann ist er ein wirklicher Mann?

Bereits zahlreiche Jahre hält sich das hartnäckige Gerücht, der Mann sei zusehends verunsichert, wisse nicht, wer er wirklich sei. Wie gehen Männer heute mit den Anforderungen um, die seitens Partnerschaft, Beruf und Gesellschaft an sie herangetragen werden? Tatsache ist, Männer haben sich und ihr Mann-Sein kaum bis nicht beforscht. Erst langsam wächst hierfür ein Bewusstsein.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass dies keinesfalls immer so war. Gerade im scheinbar so dunklen Mittelalter finden wir eine Gleichstellung von Mann und Frau vor, die biblisch in der Schöpfungserzählung begründet lag, sich aber ebenso – zumindest in unseren Breiten – aus überlebensnotwendigen und arbeitsteiligen Gründen ergab. Erst mit dem Aufkommen einer ständisch geprägten Gesellschaft und der Trennung von Heim und Arbeitsplatz (Bürgertum), kam es zur Unterscheidung und Ausbildung von Rollenbildern, orientiert mitunter am Ideal der Heiligen Familie: Hier die treusorgende Mutter am häuslichen Herd (Gefühl), da der arbeitende und somit das Überleben sichernde Mann (Härte, Zähigkeit, die Richtung vorgebend). Kriege verstärkten dieses soldatische Gepräge darüberhinaus. Spätestens seit den 1960er-Jahren funktionieren diese Bilder nicht mehr. Der Ruf nach einem zärtlichen, liebenden, sorgenden, im Haushalt Aufgaben übernehmenden, den Kinderwagen schiebenden Mann wurde laut. Selbst heute noch tut sich der Mann zum Teil noch schwer, sich mit diesen Zuschreibungen und Erwartungen auseinanderzusetzen, geschweige denn anzufreunden und diese zu leben.

Kann Mann-Sein also wieder erlernt werden? Aus dem unmittelbaren Erleben von Männern aus der jeweiligen Vorgeneration erwächst oftmals der Wunsch, es anders machen zu wollen. Zusätzlich bestärkt wird dies dadurch, dass Burschen von ihren Müttern genau diese Erwartung mit auf den Weg bekommen, was mitunter zum Scheitern verurteilt ist. Vielmehr geht es darum, dass sich der Mann in seinen Stärken, mindestens aber ebensosehr in seinen Schwächen (neu) entdeckt und annimmt. Bei dieser Suche nach einer Mitte ist bereits viel geschafft, sich je weniger vor sich selbst zu verstecken, Erfahrungen, Gefühle … unvoreingenommen mit anderen Männern zu teilen. Solch offenherzige und wertschätzende Begegnungen ermöglichen es, je mehr zu sich selbst zu kommen, bei sich und somit in sich zu sein. Dies gilt auch für Frauen.

26.5.2018/Bernhard Kagerer/he

Quartals.Gespräch: von li: Mag. Gabriele Eder-Cakl (Moderation), Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber, Dr. Richard Schneebauer.

Quartals.Gespräch im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen in der Diözesan- und Universitätsbibliothek der KU Linz.

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