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Prof. Gaisbauer: Johannes XXIII., II. Vatikanisches Konzil und Ökumene.

Die Stiftung PRO ORIENTE und die Katholische Privat-Universität Linz luden am 10. Oktober 2018 zum Vortrag mit Prof. Hubert Gaisbauer zum Thema „Johannes XXIII., das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene“ ein. Am Vorabend der Konzilseröffnung (1962) und gleichzeitig Gedenktag des hl. Johannes XXIII. referierte der Autor und Religionsjournalist über das Leben des Papstes und seine Bedeutung für die Ökumene heute.

Prof. Hubert Gaisbauer.
Prof. Hubert Gaisbauer.

Anhand von vier biografischen Stationen zeigte er auf, welche prägenden Ereignisse den Ausschlag dazugaben, dass der Papst 1959 die Einberufung eines Konzils ankündigte. Ausgehend vom familiären Umfeld über die Zeit als Sekretär des aufgeschlossenen Bischofs von Bergamo Giacomo Radini Tedeschi, der Lehrtätigkeit als Professor für Kirchengeschichte und zuletzt der Dienst als Apostolische Delegat in Bulgarien, Griechenland und der Türkei konnten einschneidende Erfahrungen ausgemacht werden, welche die weitere Tätigkeit als Papst maßgeblichen bestimmten.

Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber komplettierte die Einschätzungen Gaisbauers, indem sie aufzeigen konnte, dass Johannes XXIII. den damaligen Geist der Zeit aufgriff und die Notwendigkeit erkannt, dass sich Kirche in Hinblick auf die Gesellschaft ändern muss. Eine Einsicht, welchen man in ähnlicher Weise bei John F. Kennedy ausmachen kann, der in der Situation des sogenannten „Sputnik-Schockes“ um den Handlungsbedarf wusste. Die Erfahrung, dass eine erneuerte Einstellung zur globaler und pluraler werdenden Gesellschaft vonnöten ist, war dermaßen im Bewusstsein von Johannes verankert, dass er gegen den Widerstand der Kurie ein Konzil einberief. Dieser Mut setzte voraus, dass ihm als ehemaliger Professor der Kirchengeschichte deutlich vor Augen stand, dass die Änderung der Mentalität des Geschichtsbewusstseins eine Dauer von rund hundert Jahren benötigt.

In die Jugend- und Studienzeit von Johannes XXIII. fielen auch die Streitigkeiten um den Anti-Modernismus, welche dazu führten, dass sich die Protagonisten in das Studium der Kirchengeschichte vertieften, um anhand der Tradition der Kirche gewisse Standpunkte gegenüber lehramtlichen Disziplinierungsversuchen zu rechtfertigen. Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber resümierte weiter, dass diese Herangehensweise auch Auswirkungen auf das Theologietreiben der Konzilsgeneration hatte, die um die Wurzeln der eigenen Identität wusste. Daher konnte auch die Ökumene auf einer anderen Ebene betrieben werden. Eine Errungenschaft, deren Hauptinitiator Johannes XXIII. war, indem er das Zweite Vatikanische Konzil einberief.

Prof. Hubert Gaisbauer war Mitarbeiter beim ORF, insbesondere bei der "Ö3-Musicbox", bevor er Leiter der Abteilung Religion im ORF-Hörfunk wurde. Gaisbauer hat sich intensiv mit dem Wirken und der Person von Johannes XXIII. beschäftigt und hierzu auch zwei Publikationen veröffentlicht.

11.10.2018/Florian Wegscheider/he

Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Pühringer, Vorsitzender der Stiftung PRO ORIENTE, begrüßt die Gäste.

Prof. Hubert Gaisbauer referiert über Papst Johannes XXIII., das II. Vatikanische Konzil und die Ökumene.

Podiumsdiskussion. Von li: Prof. Hubert Gaisbauer, Mag. Josef Wallner (Moderation), Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber und Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Podiumsdiskussion: Statements von Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber und Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber (re). Moderation: Mag. Josef Wallner (KirchenZeitung der Diözese Linz)

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