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Nachruf zum Tod des Künstlers Professor Herbert Friedl.

Der oberösterreichische Künstler Prof. Herbert Friedl, der zahlreiche Sakralräume in Oberösterreich gestaltet hat und auch eng mit der Katholischen Privat-Universität Linz verbunden war, ist am 27. Juli 2018 im 76. Lebensjahr verstorben.

Prof. Herbert Friedl.
Prof. Herbert Friedl.

Herbert Friedl war ein oberösterreichischer Maler, Grafiker, Raum- und Objektgestalter. Er wurde 1942 in Unterweitersdorf (Mühlviertel) geboren und stammt aus einer Arbeiterfamilie bäuerlicher Herkunft. Nach Abschluss einer Tischlerlehre absolvierte er die Höhere Technische Bundeslehranstalt Linz / Abteilung Grafik-Design. Er war Gasthörer an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz und nahm an internationalen Künstlersymposien und Sommerakademien teil.

Seit 1978 war Friedl freischaffend tätig (Grafik, Malerei, Objekt- und Raumgestaltung). Der Künstler lebte und arbeitete in Pregarten und Linz. Einen Schwerpunkt in seinem Schaffen nimmt die Druckgrafik ein. Friedls Engagement für die Würde des Menschen hat ihn auf die bedrückende Nähe des ehemaligen KZ-Lagers Mauthausen und die dortigen grausamen Geschehnisse bildnerisch reagieren lassen. In mehreren grafischen Zyklen hat er versucht, auf existentielle Fragen des menschlichen Daseins zu antworten. Friedl war der erste Künstler in Oberösterreich, der sich mit dem Thema der nationalsozialistischen Vergangenheit konkret auseinandergesetzt hat: Er hat dem Schrecken der NS-Herrschaft bildnerischen Ausdruck verliehen, wo die Worte fehlten.

Herbert Friedl hat zahlreiche Sakralräume, Meditationsräume, Gedenkstätten, Kreuze und Kreuzwege gestaltet. So zeichnet er in Oberösterreich u. a. für die Jägerstätter-Stele im Linzer Mariendom, für die Kirchen- und Altarraumgestaltung in Ebensee, in Bach, in der Minoritenkirche Linz und in der solarCity Linz, für den Kreuzweg in der Pfarrkirche Altenberg sowie für die Gestaltung von Altarraum und Kreuzweg in Pregarten verantwortlich.

Viele Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland haben bereits Friedls Handschrift getragen. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei Künstlerwettbewerben. Seine Werke befinden sich in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen. 2005 wurde Friedl zum Professor h. c. ernannt. Sein Leitmotiv für die künstlerische Arbeit ist seit Jahren: „Das Einfache verwahrt das Rätsel des Bleibenden und des Großen“ (Martin Heidegger).

Mit der KU Linz war Herbert Friedl vielfältig verbunden. Es bestand nicht nur eine langjährige Freundschaft mit Prof. em. Günter Rombold (†) sowie mit Professorin Monika Leisch-Kiesl, in der Sammlung Rombold (OÖ Landesmuseum sowie Studiensammlung KU Linz) findet sich ein repräsentativer Querschnitt seines Œuvres, der durch einen der KU Linz überantworteten Vorlass des Künstlers eine beachtliche Erweiterung fand. Von daher fließt die Auseinandersetzung mit Friedls Grafiken auch kontinuierlich in die Lehre ein, immer wieder hat er auch Seminargruppen in seinem Atelier empfangen. Darüber hinaus war Herbert Friedl eng mit der Zeitschrift kunst und kirche verbunden, dessen Layout er über Jahrzehnte mit großer Kompetenz und Sorgfalt gestaltete.

Quelle: Diözese Linz. Fotos: © Diözese Linz / Appenzeller

23.8.2018/he

Herbert Friedl vor seinem Werk "Das Element Feuer" aus dem Zyklus "Vier Elemente" (Farbholzschnitt, dreifärbig, 116,5 x 80,5 cm, 2009).

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