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Kontrast

Linzer Religionsgespräch zur Beziehung von Politik und Religion.

Am 24. Oktober 2019 fand an der Katholischen Privat-Universität Linz zum 13. Mal das Linzer Religionsgespräch statt. Behandelt wurde diesmal das Thema "Religion – Zwischen politischem Gebrauch und Missbrauch."

Dieses Thema – so Stefan Schlager im Namen der Veranstalter - wurde deshalb gewählt, weil in den letzten Jahren gerade der Umgang politischer Instanzen mit Religion widersprüchlich war. Das zeigt sich deutlich an der Feiertagsregelung bezüglich Karfreitag, an der Diskussion um das muslimische Kopftuch und diesbezüglicher Gesetzgebung oder an der Auseinandersetzung um das soziale Engagement der Kirchen. Es ist nicht zu übersehen, dass der Rückgriff auf Religion im politischen Kontext zudem dafür verwendet wurde bzw. wird, Menschen auszugrenzen oder gar verdächtig zu machen (z.B. Flüchtlinge, Muslime,…). Als ReferentInnen eingeladen waren diesmal Dr.in Magdalena Holztrattner, Leiterin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs Mag. Ümit Vural und Stefan Kaineder BEd, Stellvertretender Bundessprecher der Grünen und Theologe.

Magdalena Holztrattner zitierte in ihrem Statement Papst Franziskus, der Politik als eine "nachhaltige Form von Liebe, die Gemeinwohl schafft" sieht. Heute definieren die Parteien selbst ihre Nähe zu den christlichen Kirchen. Aktuell zeigt sich das z.B. in der Auseinandersetzung mit der Katholischen Soziallehre und einer entsprechenden Positionierung dazu. Die Theologin und Lyrikerin Dorothee Sölle unterstrich zudem die gesellschaftspolitische Wirksamkeit des Glaubens mit dem Satz: "Sag mir wie du politisch handelst und ich sage dir, an welchen Gott du glaubst". Ein reflektierter und reifer Glaube ist demnach nie nur Privatsache, sondern wirkt sich auch gesellschaftlich aus (z.B. Umgang mit Minderheiten, Verteilungsgerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung).

Ümit Vural sprach sich klar gegen einen Missbrauch von Religion aus. Daher gilt es auch konsequent gegen jene in den eigenen Reihen vorzugehen, die im Namen des Islam diesen Glauben zu einer Ideologie des Hasses umformen. Vural betont zugleich, dass ein Generalverdacht jedoch nicht angebracht sei. Denn die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreichs versteht sich als ein Partner, dem die Einhaltung der Gesetze und die Achtung der Menschenrechte wichtig und selbstverständlich sind. "Ruhe, Friede, Spiritualität" – dafür steht der Islam (so Vural). Wenn Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert oder in ihren Grundrechten eingeschränkt werden (wie etwa beim Kopftuchverbot), so sind alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Denn hier geht es um die Frage der Gleichbehandlung bzw. Religionsfreiheit.

Stefan Kaineder bezog sich in seinem Statement auf die Ansprache des am Tag zuvor neu gewählten Präsidenten des Nationalrates Wolfgang Sobotka. Dabei hob Sobotka hervor, dass nicht immer betont werden müsse, dass wir in einer liberalen Demokratie leben. Die Demokratie sei aus seinem Selbstverständnis heraus auf Freiheit ausgerichtet, also "liberal". Beim anschließenden Empfang der Parlamentarier beim Bundespräsidenten ging Van der Bellen jedoch kritisch auf diese Behauptung ein. Wer nur von Demokratie alleine spricht, meine zwar die freie Wahl und die Selbstbestimmung der Mehrheit der Wählerinnen und Wähler. Diese Mehrheit kann jedoch mit Macht und Wucht über die Minderheiten "drüberfahren" und beispielsweise Grundrechte mit ihren Mehrheiten außer Kraft setzen. Und genau das sei das Gegenteil von "liberaler Demokratie", die die Freiheiten und Grundrechte in gleicher Weise für jeden einzelnen Menschen zu schützen hat. Die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Presse, die Freiheit des eigenen Gewissens, die Freiheit der Wissenschaft, die Freiheit der Religionen – das alles dient der Entfaltung und Stärkung einer liberalen Demokratie. Deshalb sollen sich auch die Religionen in das Gespräch mit all jenen Kräften einbringen, die das Zusammenleben mitgestalten. Dabei fordern sich Säkularismus und Religionen gegenseitig heraus – und das kann sehr fruchtbar für beide Seiten sein.

Das Linzer Religionsgespräch
Das Linzer Religionsgespräch findet alle zwei Jahre statt. Es wird gemeinsam vom Referat Theologische Erwachsenenbildung & Weltreligionen im Pastoralamt Linz, dem Institut Z.I.M.T. an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz und der Katholische Privat-Universität Linz veranstaltet.

Bericht: Stefan Schlager, Diözese Linz, Referat Theologische Erwachsenenbildung und Weltreligionen

29.10.2019/sm

Von li.: Stefan Kaineder, BEd, Dr. Stefan Schlager, Dr. Magdalena Holztrattner, Dr. Thomas Schlager-Weidinger, Mag. Ümit Vural, Mag. Matthäus Fellinger, Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Von li.: Stefan Kaineder, BEd, Dr. Stefan Schlager, Dr. Magdalena Holztrattner, Dr. Thomas Schlager-Weidinger, Mag. Ümit Vural, Mag. Matthäus Fellinger, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Von links: Dr. Magdalena Holztrattner, Mag. Ümit Vural, Mag. Matthäus Fellinger und Stefan Kaineder BEd.

Von links: Dr. Magdalena Holztrattner, Mag. Ümit Vural, Mag. Matthäus Fellinger und Stefan Kaineder BEd.