Schrift:
A
A+
A++
Kontrast

Internationale Summer Schools: Kunst, Philosophie und Politik.

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs gibt es ab der Master-Phase durch Studienkurse internationaler Forschungseinrichtungen die Möglichkeit auf Kurzzeitstipendien. Diese haben in den Geisteswissenschaften eine lange Tradition, die derzeit durch immer mehr Angebote aus dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst bereichert wird. Maximilian Lehner, promovierender Assistent am Institut für Kunst in gegenwärtigen Kontexten und Medien, berichtet hier über seine Erfahrungen in diesem Sommer.

Mit einem Stipendium konnte ich in diesem Jahr an dem Kurs für Kurator_innen teilnehmen, die von der documenta12-Kuratorin Ruth Noack gemeinsam mit Grace Samboh, die u.a. Ausstellungen wie SUNSHOWER – Contemporary Art from Southeast Asia 1980s to Now im Tokioter Mori Art Museum kuratierte, angeboten wurde. So unterschiedlich wie diese Hintergründe waren auch die der Teilnehmer_innen; als Gruppe waren wir selbst für das Programm der eineinhalb Wochen verantwortlich. Immer wieder starteten wir Diskussionen ausgehend von einzelnen künstlerischen Arbeiten oder Ausstellungen, die uns dann in die gemeinschaftliche Lektüre von Texten über Diaspora-Ästhetik führten, oder in Gespräche über Gruppendynamik beim Ausstellungsmachen und Organisieren von Projekten mit lokalen Communities. Die Situiertheit der einzelnen Teilnehmer_innen wurde dabei immer wieder zu einem zentralen Element der Diskussion – die Arbeit in einer Galerie in Ljubljana oder in Minsk, in der Kulturkirche Bremen, in Sankt Petersburg oder einer freien Kunsthochschule in Vladivostok –, brachte uns am Ende dazu, einen gemeinsamen Blog namens „Preloved Knowledges“ zu starten, auf dem wir uns immer wieder Wissen, das den anderen vielleicht nicht zur Verfügung steht, erklären.

Die Salzburger Sommerakademie legt großen Wert auf international bekannte Künstler_innen, die dort Kurse übernehmen. Dadurch hat man auf der Festung Hohensalzburg auch Austausch mit anderen Klassen, besucht den Karaokeabend von Ei Arakawas Performanceklasse oder hat die Chance, am breit gefächerten Rahmenprogramm mit Ausstellungen und Kunstgesprächen in den lokalen Galerien und Museen teilzunehmen.

http://www.summeracademy.at/

http://www.prelovedknowledges.com/

Das akademische Format einer Summer School ist wiederum anders aufgebaut: Im Schweizer Forschungs-Institut in Rom trafen sich Expert_innen aus unterschiedlichen Disziplinen, um das Thema "Zeit" zu beleuchten. Den Einzelvorträgen aus Literaturwissenschaften, Psychologie, Musik, oder Philosophie schlossen sich ausgiebige Diskussionsrunden an. Thematisch ging es von Quantenmechanik über die theoretische Möglichkeit von Zeitreisen und die Schichtung von Zeitebenen in metafiktionalen Erzählungen. Auch hierfür ist zu betonen, dass die Teilnehmer_innen (ebenso wie die Vortragenden) aufgrund ihrer fachlichen Qualifikationen ausgewählt wurden. Das ermöglicht nicht nur das Knüpfen neuer Kontakte, sondern eben auch den dafür notwendigen informellen Austausch auf der Dachterrasse der Villa Maraini, dem zweithöchsten Punkt der römischen Innenstadt nach dem Vatikan. In der verbleibenden Freizeit hatte ich Gelegenheit, die aktuellen Ausstellungen im Palazzo Barberini zu sehen, an einer 7-stündigen Wanderperformance der Gruppe DOM von der römischen Innenstadt bis in die armen Fischerviertel von Ostia teilzunehmen, welche die Anwohner_innen der durchquerten Bezirke mit einbezog, und ein seit 15 Jahren besetztes Haus, das in der römischen Squatting-Szene eine wichtige Rolle einnimmt, zu besuchen.

istitutosvizzero.it

Sommerkurse, in ihren verschiedenen Ausrichtungen, gibt es reichlich – und oftmals auch mit attraktiven Stipendien. Sie dienen im Studium und danach der thematischen Spezialisierung, da man in diesen intensiven Arbeitsumfeldern meist einen guten Blick für ein Gebiet bekommt, oder auch der beruflichen Orientierung und Weiterbildung. Dabei lassen sich zudem hervorragende Kontakte knüpfen. Ausschreibungen und Informationen findet man vor allem in digitalen Verteilern wie H-ArtHist, H-SozKult, Philos-L, beim Verband österreichischer Kunsthistoriker_innen, bei kunsthistoriker.org oder auch auf dem Schwarzen Brett des Fachbereichs Kunstwissenschaft der KU Linz. Für mich geht der Spätsommer noch in Bratislava weiter mit einer Summer School von BAK – basis voor actuele kunst [https://www.bakonline.org/], einer Institution, die sich auf die Erforschung und das Erproben der Zusammenhänge von Kunst und Politik spezialisiert hat.

Text und Bilder: Maximilian Lehner

KU International. Internationalität im Studium, in der Lehre und in der Forschung haben an der KU Linz einen fest verankerten und hohen Stellenwert. KU INTERNATIONAL bietet bei der Verwirklichung dieser Leitbilder Unterstützung an, fungiert als Drehscheibe der StudentInnen- und Lehrendenmobilität, hilft bei der Realisierung von Auslandssemestern und Auslandspraktika, bei der Vermittlung von Stipendien sowie bei der Betreuung von ausländischen Studierenden und DozentInnen und ist Ansprechstelle bei der Planung und Akquisition von internationalen Forschungsprojekten. 

17.9.2018/he

Internationale Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg.

Internationale Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg.

Über die internationale Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg wird vor allem wegen ihrer Kurse für bildende Künstler_innen berichtet. Ganz im Sinne des Gründers Oskar Kokoschka werden dafür internationale Stars der Kunstszene eingeladen. Weniger bekannt ist jedoch, dass es auch ein Angebot zu kuratorischer Praxis und Schreiben über Kunst gibt.