Schrift:
A
A+
A++
Kontrast

Interdisziplinäre Tagung zum Begriff Authentizität.

"Authentizität – Wirkmacht und Deutungskraft in Geschichte und Gegenwart. Interdisziplinäre Annäherungen an einen klärungsbedürftigen Begriff" lautete der Titel der Tagung, zu der die Interdisziplinäre Forschungsgruppe Authentizität der KU Linz namhafte Referenten aus Theologie und Philosophie, aber auch aus den Religions-, Geschichts- und Kulturwissenschaften eingeladen hatte, um das menschliche Selbst- und Weltverständnis am Beispiel des Begriffs der Authentizität in interdisziplinärem Gespräch zu erörtern.

Die Reihe der Vorträge eröffnete Maximilian Forschner (Erlangen-Nürnberg), der die stoische Konzeption des "Selbstseins" als eine personale Dimension von Authentizität anhand der traditionsbildenden Positionen Ciceros und Epiktets entfaltete. Bernhard Lang (Paderborn/Berlin) widmete sich in seinem Vortrag der spirituellen Entwicklung des Schriftstellers Max Dauthendey, die er mit der religiösen Biographie der literarischen Figur des Robinson Crusoe parallelisierte, um die kulturellen Muster hervortreten zu lassen, die auch authentische Erfahrung prägen. Im Vortrag von Achim Saupe (Potsdam) wurde der Gedanke des Originals auf seine Berechtigung hin befragt und am Fallbeispiel des Museums gezeigt, wie Authentizität auch als ein "analytisches Tool" fungieren kann, das der Autorisierung durch Experten bedarf und als autoritativer Beweis in öffentlichen Diskursen benutzt wird. Die Vorstellung von Authentizität als Realisierung einer ursprünglichen und festgefügten Identität des Menschen wurde von Magnus Striet (Freiburg i. Br.) im Rückgriff auf Adornos negative Dialektik hinterfragt. Die Problematik des Begriffs der Authentizität im gegenwärtigen Kontext stellte schließlich auch Andreas Bernard (Lüneburg) heraus, indem er den Funktionswandel des "Profils" für das nunmehr digitale Selbst nachzeichnete und kritisch reflektierte.

/// Die Vortragenden

Dr. Andreas Bernard ist Professor am "Center for Digital Cultures" der Leuphana Universität Lüneburg; 2005 Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar über die Geschichte des Fahrstuhls (publ. Fischer 2006); journalistisch-publizistische Tätigkeit (Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung); neben einem Roman ("Vorn": Aufbau 2010) weitere sozio­logisch-kulturhistorische Bücher etwa "Über das Essen" (Jung und Jung 2002), zu Proble­matiken und gesellschaftlichen Konsequenzen neuer Reproduktionstechnologien ("Kinder machen": Fischer 2014) sowie unlängst zum Selbst in der digitalen Kultur ("Komplizen des Erkennungsdienstes": Fischer 2017).

Dr. Maximilian Forschner ist emeritierter Professor am Institut für Philosophie der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg; 1972 Promotion in Philosophie bei Helmut Kuhn mit einer Arbeit zu Kants Autonomie-Begriff; 1980 Habilitation für Philosophie in Erlangen mit einer Arbeit über die Alte Stoa; nach Lehrstuhlvertretungen in Erlangen und Heidelberg 1982-1985 o. Professor für Philosophie an der Universität Osnabrück/Abteilung Vechta, seit 1985 an der Universität Erlangen-Nürnberg; Autor zahlreicher Publikationen; Arbeitsgebiete: praktische Philosophie der griechischen und römischen Antike, des Mittelalters (Thomas von Aquin) und der europäischen Aufklärung (Kant, Rousseau, Mill).

Dr. Dr. h. c. Bernhard Lang ist Professor für Altes Testament (im Ruhestand) an der Universität Paderborn und lebt als freier Autor in Berlin; 1975 Promotion in Tübingen, 1977 Habilitation in Freiburg i. Br.; 1977-1982 Professor für antikes Judentum in Tübingen, 1982-1985 o. Professor für Altes Testament in Mainz, seit 1985 in Paderborn; zahlreiche inter­natio­nale Gastprofessuren und akademische Ehrungen; Autor zahlreicher Publikationen; Forschungs­schwer­punkte: Bibelwissenschaft (bes. Religions- und Kulturgeschichte des Alten Testaments), Kul­tur­geschichte des Christentums mit den Schwerpunkten Jenseitsglaube und Gottesdienst, all­ge­meine Religionswissenschaft.

Dr. Achim Saupe ist wissenschaftlicher Koordinator des Leibniz-Forschungsverbunds "Histo­rische Authentizität" am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam; 2007 Promotion an der FU Berlin zum Thema: "Der Detektiv als Historiker – Der Historiker als Detektiv. Historik, Kriminalistik und der Nationalsozialismus als Kriminalroman" (publ. tran­script 2009); Aufsätze und Herausgeberschaften zu Themen wie: "Authenticity and Victim­hood in Twentieth Century History and Commemorative Culture: Europe and Asia", "Histori­sche Authentizität", "Authentizität und Bauerbe", "Authentisierung im Museum".

Dr. Magnus Striet ist Professor für Fundamentaltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.; 1998 Promotion mit der Arbeit "Das Ich im Sturz der Realität. Philosophisch-Theologische Studien zu einer Theorie des Subjekts im Anschluss an die Spätphilosophie Fried­rich Nietzsches" (publ. Pustet 1998); 2001 Habilitation und Verleihung der venia legendi für das Fach Dogmatik und Dogmengeschichte mit der Arbeit: "Offenbares Geheimnis. Zur Kritik der negativen Theologie" (publ. Pustet 2003); nach Lehrstuhlvertretungen in Tübingen und Münster seit 2004 Professor in Freiburg; Autor zahlreicher Veröffentlichungen; Arbeits­schwer­punkte: Anthropologie, Gotteslehre und Eschatologie.

25.6.2018/he

Begrüßung: Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Begrüßung: Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Tagung: Authentizität - Wirkmacht und Deutungskraft in Geschichte und Gegenwart.

Tagung: Authentizität - Wirkmacht und Deutungskraft in Geschichte und Gegenwart.

Tagung der Interdisziplinären Forschungsgruppe Authentizität der KU Linz.

Tagung der Interdisziplinären Forschungsgruppe Authentizität der KU Linz.

Von li: Ass.-Prof. Dr. Christian Rößner, Prof. Dr. Maximilian Forschner, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Univ.-Prof. Dr. Michael Hofer, Prof. Dr. Bernhard Lang, Prof. Dr. Magnus Striet, Dr. Achim Saupe. (Nicht am Bild: Prof. Dr. Andreas Bernard.)

Von li: Ass.-Prof. Dr. Christian Rößner, Prof. Dr. Maximilian Forschner, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Univ.-Prof. Dr. Michael Hofer, Prof. Dr. Bernhard Lang, Prof. Dr. Magnus Striet, Dr. Achim Saupe. (Nicht am Bild: Prof. Dr. Andreas Bernard.)