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Kontrast

Dies Academicus thematisiert Herausforderungen der Demokratie.

Im Jubiläums- und Gedenkjahr der Republik Österreich stand auch der Dies Academicus der Katholischen Privat-Universität Linz am 15. November 2018 im Zeichen der Demokratie. Unter dem Titel "Demokratie gestalten! Handlungsräume der Zivilgesellschaft" thematisierten und diskutierten namhafte ReferentInnen gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden der KU Linz sowie rund 100 Gästen politische Konzepte wie Demokratie und Republik, Nation und Staat.

Über viele gute Gründe zur demokratischen Beteiligung, aber auch über Hemmschwellen, dies zu tun, informierten schon im Foyer von Studierenden der KU Linz erarbeitete Plakatwände: "Zeitmangel" war da ebenso zu lesen wie "Bequemlichkeit", aber auch "fehlende Wertschätzung" und "Angst vor falschen Entscheidungen". Im gut besuchten Hörsaal gingen die eingeladenen ReferentInnen vor allem der Frage nach, vor welchen Herausforderungen die Demokratie gegenwärtig steht.

Bernhard Laux, Sozialethiker an der Universität Regensburg, diskutierte die Postdemokratie-These: Demnach leben wir in einem "postdemokratischen" Zeitalter, in dem sich politische Entscheidungsprozeduren weitgehend in eine professionalisierte Sphäre der politischen Eliten verlagert haben, die zunehmend die Bindung zur Basis der StaatsbürgerInnen verloren haben. In dieser Entwicklung gewinne der (Rechts-) Populismus besondere Bedeutung, der mit seiner Polemik gegen das politische Establishment ein Unbehagen an dieser Verlagerung zum Ausdruck bringen kann – zumindest bis Rechtspopulisten selbst in Regierungsverantwortung stehen. Dieser Aspekt wurde aus unterschiedlichen Perspektiven auch in der Podiumsdiskussion vertieft, die von Martin Wassermair moderiert wurde, der unter anderem die Politikredaktion bei Dorf TV leitet. Demokratische Entscheidungen, so der Konsens, müssen grundsätzlich auch dann anerkannt werden, wenn sie den eigenen Meinungen widersprechen.

Robert Misik, Journalist und Schriftsteller, verwies aber auch darauf, dass nicht nur Regierungen durch die Wahl legitimiert sind, sondern dass auch die Opposition zu den konstitutiven und selbstverständlich legitimen Bestandteilen einer Demokratie gehören. Insofern sei es befremdlich, wenn etwa, wie jüngst in Linz, die Teilnehmerinnen einer Demonstration gegen die Bundesregierung (zu deren Unterstützerkreis auch zahlreiche katholische Organisationen gehörten) von einem Politiker einer Regierungspartei öffentlich als „linker Pöbel“ beschimpft werden.

Margit Appel, Politikwissenschafterin und am Podium Vertreterin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksö), betonte, dass auch sozio-ökonomische Ungleichheit ein massives Problem für die Demokratie sei: Zunehmende Ungleichheit führe zwangsläufig auch zu stark unterschiedlichen Möglichkeiten der politischen Teilhabe und der demokratischen Repräsentanz, was sich wiederum in einer Gesetzgebung niederschlage, die wenig auf die Interessen benachteiligter Personen Rücksicht nehme.

Luzenir Caixeta, Philosophin und Theologin sowie Mitarbeiterin des Autonomen Zentrums von und für Migrantinnen (maiz) in Linz, bestätigte aus ihrer Erfahrung den zunehmenden Ausschluss vieler von Gesellschaft und Politik benachteiligter Menschen aus demokratischen Prozessen. Dies gelte in der gegenwärtigen politischen Situation Österreichs vor allem für Menschen mit Migrationsgeschichte. Insgesamt überwog auch in den Redebeiträgen aus dem Publikum eine äußerst kritische Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich. Deutlich wurde neben der Kritik an bestehenden Verhältnissen aber auch ein hohes Maß an Engagement für zivilgesellschaftliche Beteiligung und an Bereitschaft zur demokratischen Auseinandersetzung mit den jeweiligen politischen Kontrahenten.

Den wechselvollen Weg der österreichischen Demokratie von der Gründung der Ersten Republik über den austrofaschistischen Ständestaat und den Nationalsozialismus zur Zweiten Republik skizzierte Sophie Gerber, Kuratorische Assistentin am soeben eröffneten Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in Wien, anhand eines Einblicks in dessen erste Ausstellung. Deren Titel "Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918" deutet an, dass ein demokratisches politisches Gemeinwesen immer eine Herausforderung bleibt. Denn dass auch in Österreich und anderen westlichen Ländern die Demokratie verteidigt werden müsse, hob sowohl Rektor Franz Gruber in seiner Eröffnungsansprache als auch Dominik Harrer für das Vorbereitungsteam in seiner Einleitung in das Thema des Studientages hervor.

Gründe zur demokratischen Beteiligung - Plakate von Studierenden der KU Linz

19.11.2018/CS/he

Begrüßung. Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber.

Begrüßung. Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz.

Grußworte. Mag. Klaus Fürlinger, Abgeordneter zum Nationalrat.

Grußworte. Mag. Klaus Fürlinger, Abgeordneter zum Nationalrat.

Einführung. Dominik Harrer, MA.

Einführung. Dominik Harrer, MA., Katholische Privat-Universität Linz.

Vortrag. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Laux, Prof. für Theologische Sozialethik, Theologische Anthropologie und Wertorientierung an der Universität Regensburg.

Vortrag. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Laux, Prof. für Theologische Sozialethik, Theologische Anthropologie und Wertorientierung an der Universität Regensburg.

Vortrag. Mag. Sophie Gerber, Kuratorische Assistenz, Haus der Geschichte Österreich, Wien.

Vortrag. Mag. Sophie Gerber, Kuratorische Assistenz, Haus der Geschichte Österreich, Wien.

Podiumsdiskussion. Von li: Prof. Dr. Bernhard Laux, Dr. Luzenir Caixeta, Mag. Martin Wassermair, Mag. Margit Appel, Robert Misik.

Podiumsdiskussion. Von li: Univ.-Prof. Dr. Bernhard Laux, Dr. Luzenir Caixeta, Mag. Martin Wassermair (Moderation), Mag. Margit Appel, Robert Misik.

Von li: Dominik Harrer, Prof. Ines Weber, Luzenir Caixeta, Robert Misik, Sophie Gerber, Prof. Bernhard Laux, Martin Wassermair, Prof. Anna Minta, Julia Rüdiger, Margit Appel, Prof. Christian Spieß. (c) KU Linz/Ede

Vortragende und Vorbereitungsteam. Von li: Dominik Harrer MA., Univ.-Prof. Dr. Ines Weber, Dr. Luzenir Caixeta, Robert Misik, Mag. Sophie Gerber, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Laux, Mag. Martin Wassermair, Univ.-Prof. Dr. Anna Minta, Ass.-Prof. Dr. Julia Rüdiger, Mag. Margit Appel, Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß.