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Lehrveranstaltungen von Max Gottschlich

SE: Texte und Themen der Praktischen Philosophie / Ethik Hegel: Philosophie des Geistes

Hegel ist der letzte große Systematiker in der Philosophie. Das Hegelsche System - dargestellt in der "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse" (zuletzt 1830) - gliedert sich in drei Teile: die Logik als Wissenschaft der logischen Idee (Totalität der Vernunft), die Naturphilosophie als die Darstellung der Idee in ihrer Anderssein und die Philosophie des Geistes, welche das sukzessive Sich-Erfassen der Idee in ihrer Rückkehr aus der Natur zum Gegenstand hat. - Die Philosophie des Geistes wiederum gliedert sich in die Philosophie des subjektiven Geistes, die Philosophie des objektiven Geistes und die Philosophie des absoluten Geistes. Die Lehre vom subjektiven Geist stellt die Entwicklung des Geistes aus seiner natürlichen Unmittelbarkeit als Seele bis hin zu dem Punkt dar, an welchem der Geist sich als das Freie begreift. An diesem Punkt muss der Geist ans Handeln gehen, eine sittliche Welt aus sich hervorbringen. Darin wird er objektiver (sich als Freiheit objektivierender) Geist (in Recht, Moralität, Sittlichkeit). Absoluter Geist schließlich ist er dort, wo er in die Voraussetzungen, in den Grund des objektiven Geistes zurückgeht: dies ist die Freiheit bzw. die Idee, die sich selbst denkt, sich selbst interpretiert. Dies geschieht in Kunst, Religion und der Philosophie.

 

Das Seminar befasst sich zunächst mit den einleitenden Passagen zum Begriff des Geistes (§ 377-385), denn an diesen wird programmatisch der genuin dialektische Begriff des Geistes deutlich, der nicht nur über die vorkantische Tradition im Sinne des Auseinanderfallens von rationaler Psychologie und empirischer Psychologie, sondern auch über Kants und Fichtes transzendentallogische Reflexion des Ich hinausgeht. Der Hauptteil wird sich mit dem ersten Drittel der Lehre vom subjektiven Geist, der „Anthropologie“ (§§ 387-342), befassen. Hegel entwickelt hier die allerelementarsten Stufen in der Ichwerdung des Ich, Instanzen eines unmittelbaren Selbstseins oder Wissens, die der Geist als Seele bzw. „Naturseele“ durchlaufen haben muss, bevor er sich ausdrücklich zum Bewusstsein zu erheben vermag: von der Empfindung bis hin zum Selbstgefühl. Der Geist findet sich zunächst in natürlichen Bestimmtheiten, an denen er ein erstes, unmittelbares Selbstverhältnis aufbauen kann. Dabei werden u.a. Themen wie: Rassenunterschiede, Volksgeister, Charakter und Temperamente, Lebensalter, das Geschlechtsverhältnis, die Sinne und Affekte, das Träumen, Magie, der animalische Magnetismus (Hypnose), Hellsehen, Krankheit und Verrücktheit zur Sprache kommen.

 

Zum Text: Hegel veröffentlichte die Enzyklopädie der phil. Wissenschaften als Grundlage für seine Lehrtätigkeit. Der Text ist deshalb konzentriert und knapp (Haupttext plus Anmerkungen). Hilfreich für das Verständnis sind die von späteren Herausgebern hinzugefügten Zusätze, d.h. redigierte Notizen aus Vorlesungsmitschriften von Hegelschülern. Es empfiehlt sich daher die Anschaffung eines Textes, der auch diese Zusätze gibt, wie etwa der Band im Suhrkamp-Verlag: G.W.F. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften III, Werke Bd. 10, Frankfurt 1986 (stw 610). Der online verfügbare Text (zB zeno.org) bietet die Zusätze nicht.

 

Ausgezeichnet als Vorbereitung eignet sich die Lektüre von: Thomas S. Hoffmann, G.W.F. Hegel – Eine Propädeutik, 3., durchgesehene und aktualisierte Aufl., Wiesbaden 2015.

 

Erfordernisse: regelmäßige Präsenz, Mitarbeit, Verfassen einer Seminararbeit.


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