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Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen WiSe 19/20

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Ethik“

In der Ethik geht es um die methodisch geleitete Reflexion auf unser Handeln, insofern dieses sich als moralisch oder unmoralisch bezeichnen lässt. In der Geschichte der Philosophie wurde sowohl die Frage bearbeitet, welchen Status die in der Lebenswelt begegnenden Einordnungen als moralisch oder unmoralisch haben: Handelt es sich um Erkenntnisse, Willensentschlüsse oder um Gefühle? Reflektiert wurde aber auch in verschiedenen Ansätzen, wie sich moralische Forderungen oder Ideale begründen lassen. Zudem hat sich die Philosophie konkreten Handlungszusammenhängen zugewandt und die hier begegnenden moralischen Kriterien, Haltungen und Gründe analysiert.

Die Vorlesung beginnt mit der Erörterung einiger grundlegender Begriffe wie Gewissen und Diskurs, Ethos, Gewohnheit und Recht, Moral und Ethik. In einem zweiten Schritt wird die metaethische Debatte um den Status moralischer Sätze und Einstellungen umrissen. Normative ethische Ansätze werden sodann am Beispiel von John Stuart Mill, Immanuel Kant und Aristoteles vorgeführt und verglichen. Ein vierter Teil widmet sich Untersuchungsfeldern der konkreten Ethik anhand von Beispielen aus der Bioethik und der Wissenschaftsethik.

Die Vorlesung wird von einem Tutorium begleitet: Tutor Dominik Harrer MA.

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Technikphilosophie”

Moderne Technik greift immer mehr in das menschliche Leben und Zusammenleben ein. Technik ist um uns, über uns, zwischen uns und in uns. Die philosophische Befassung der vergangenen 50 Jahre hat darin vor allem eine Herausforderung für die Ethik gesehen, die Chancen und Gefahren richtig zu beurteilen. Technik in einem weiten Sinne hat aber schon immer die menschliche Kultur geprägt, uns Handlungsmöglichkeiten eröffnet und Anstrengungen erspart. Dies hat schon die Reflexion der klassischen Philosophen beschäftigt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es eine systematische Befassung, die man als Technikphilosophie bezeichnet. Hier wird gefragt, was das Wesen der Technik ist und was dies mit dem Wesen des Menschen zu tun hat. Das Seminar verfolgt genau diese Denkentwicklung von Ernst Kapp und Karl Marx über Ernst Cassirer und Martin Heidegger bis zu Hans Jonas. Die Texte sollen gemeinsam analysiert und auch daraufhin befragt werden, inwiefern diese Ansätze geeignet sind, auch jüngste Einwicklungen in der Informationstechnologie, der Robotik oder der Bio- und Medizintechnologie angemessen einzuordnen und uns einen angemessenen Umgang mit diesen zu erleichtern.

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL: „Einführung in die Philosophie“

Aufgabe der Vorlesung ist es, eine erste tragfähige systematische Orientierung über die grundlegenden Fragen und Probleme der Philosophie zu geben. Philosophieren lernen heißt: Denken lernen. Das kann man nicht aus dem Stand, sondern nur im langsamen und gründlichen Durchgang durch die philosophische Tradition, also in der Aneignung des Problembewusstseins und Reflexionshorizonts. So werden wir uns mit dem Anfang des Denkens selbst bei den Griechen - insbesondere bei Platon und Aristoteles - befassen. Es gibt eigentlich keine Frage und kein philosophisches Problem, das nicht schon bei Platon in grundlegender Weise bedacht worden wäre. An dem berühmten Spruch, dass die Philosophie eigentlich nur in Fußnoten zu Platon bestünde (A.N. Whitehead), ist also durchaus etwas dran - wenngleich die Fußnoten durchaus gewichtig und vielleicht sogar den Denkduktus revolutionierend sein werden. Nach einem Blick auf den methodischen Unterschied zwischen der Philosophie und den Einzelwissenschaften wird sich die Vorlesung inhaltlich in drei aufeinander aufbauende und ineinandergreifende Themenkreisen gliedern: 1) Die Frage nach dem wahrhaften Sein: Hier geht es um den ersten Schritt im Denken, dem Schritt vom wahrnehmenden Bewusstsein, das noch ganz in seine Gegenstände versenkt ist, zum Verstand – dem Denken des Denkens selbst. Da werden wir die berühmte Ideenlehre Platons betrachten. 2) Die Frage nach dem lebendigen Sein: Was macht ein Lebendiges zu einem solchen? Da wird es um den philosophischen Begriff der Seele als Lebensprinzip gehen. Dabei werden wir grundlegende Einsichten des Aristoteles kennenlernen. 3) Frage nach dem sich wissenden Sein: Was heißt es, Ich zu sein, selbstbewusste Seele? Wir werden hier auf den philosophischen Begriff des Selbstbewusstseins und den Begriff der Freiheit eingehen. Unhintergehbare Einsichten dazu finden sich ebenfalls bereits bei Platon und Aristoteles. Insgesamt werden wir im Durchgang durch diese drei Themen eine Reihe von Fragen, Probleme und Themenkreise berühren, die dann in den einzelnen „Disziplinen“ der Philosophie (Erkenntnistheorie, Logik, Ethik, Naturphilosophie usw.) ihre nähere Behandlung erfahren.
Zur Vorlesung wird begleitend ein Tutorium angeboten. Tutor ist Martin Zillner, BA.

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
PS: “Freedom of will. Recent positions and debates”

Two main problems have been discussed in philosophical ethics throughout the millennia, namely the problem of freedom of will on the one hand and the question as to the principle according to which freedom has to qualify itself in a rational way, the “moral law” on the other hand. The first problem will be the subject of this course. It is, as can easily be seen, of paramount importance - for if freedom is merely a delusion, we can neither legitimately speak of action nor of responsibility, nor of good and evil. Is there anything like freedom of choice at all or must we conclude that our conduct has to be described as a series of events determined by natural causality? How is freedom to be understood in relation to the necessity of nature at all? Is freedom “compatible” with natural causality? Can we conceive of freedom in the same way as we describe and recognize empirical objects? We will be dealing with these questions with regard to recent positions and debates on this issue in the English-speaking world. We will get familiar with the main arguments of positions such as “libertarianism,” “determinism” and “compatibilism.” In addition, we will examine the significance of freedom of will for law (e.g. in criminal law) and we will ask to what extent freedom can be proven or denied by (natural) science. Finally, we will consider the treatment of the problem of freedom in Kant's "Critique of Pure Reason".

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
Forschungsseminar: „Hegel, Wissenschaft der Logik“

Lektüre und Interpretation der Vorreden, Einleitung und des Anfanges der "Wissenschaft der Logik". Eine Fortsetzung ist geplant. 

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
SE: “Ethics and Society”

Ethics is embedded in society in several ways. Different societies identify different ethical issues as important; even the very question of ethics varies in different societies. The answers given to these questions, finally, differ among diverse societies. This seminar explores the relation between ethical theories and questions and the social context. In the first part of this seminar, the two ethical theories of Aristotle and Theodor W. Adorno will be discussed focusing on the interplay of ethical norms and society. They will be contrasted with Friedrich Nietzsche’s critique of morality. The second part of this seminar in dedicated to three particular ethical issues, which will be discussed in the context of the American television series Breaking Bad: On lying, medical ethics, and social attitude to drugs.

The objective of this course is to explore the relation between different ethical theories and their relation to society. Students will learn the different ways of approaching ethical questions and how they relate to social conditions. They also will be able to critically evaluate the ethical theories in question and be able to identify their strengths and weaknesses with regard to society.

Lehrveranstaltungen SoSe 19

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Spezielle Probleme und aktuelle Herausforderungen der philosophischen Anthropologie“

Die Vorlesung widmet sich anthropologischen Ansätzen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts (Positionen) und diskutiert Konzepte, die für eine zeitgenössische anthropologische Reflexion relevant werden (Konkretionen). Nach einem Rückblick auf die Einführungsvorlesung werden Ansätze vorgestellt, die teilweise in deutlicher Absetzung von der klassischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Hatte diese klassische Anthropologie vornehmlich im deutschsprachigen Raum stattgefunden (Scheler, Plessner, Gehlen), so will die Vorlesung des aktuellen Sommersemesters Tendenzen aus der französischen Philosophie (Maurice Merleau-Ponty, Michel Foucault) berücksichtigen sowie einschlägige Debatten aus der vorwiegend englischsprachigen analytischen Philosophie, ebenso anthropologie-relevante Überlegungen aus der politischen Philosophie (Hannah Arendt) und der Ethnologie (Claude Lévi-Strauss). Unter dem Stichwort Konkretionen werden Debatten vorgestellt, die Bedingungen des Mensch-Seins in unserer durch Wissenschaft und Technik veränderten Welt thematisieren und die zugleich mit praktisch-normativen Herausforderungen verbunden sind (Kooperation, Gesundheit, Anthropotechnik, Altern, Umwelt).

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Philosophinnen im 20. Jahrhundert“

Einleitung: Orte des Philosophierens in Geschichte und Gegenwart – Susanne K. Langer – Hedwig Conrad-Martius –  Edith Stein –  Hannah Arendt –  Simone de Beauvoir –  Elisabeth Anscombe –  Philippa Foot – Onora O’Neill – Martha Nussbaum – Julia Kristeva – Anne Fagot-Largeault – Ausblick: Philosophinnen des 21. Jahrhunderts.

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE:  „Michel Foucault“

Wie kaum ein anderer philosophischer Denker des 20. Jahrhunderts wird Michel Foucaults Forschen und Schreiben in einer Vielzahl von Humanwissenschaften aufgegriffen bis hin zu Forschungsrichtungen wie den Govermentalitätsstudien, die sich primär seiner Anregung verpflichtet wissen. Seine Themen selbst sind vielfältig. Oft geht es ihm um Strukturen der Macht, der Ausgrenzung oder der Disziplinierung, oft aber auch um konstruktiv-konstitutive Prozesse wie die Herausbildung des Subjekts oder die Kultur des Selbst. Im Seminar sollen Texte insbesondere aus den großen Monographien aus allen Phasen seines Schaffens gemeinsam gelesen werden. Dabei soll zum einen versucht werden, Struktur und Programm seines Arbeitens zu verstehen wie auch seine Bezugnahme zur Philosophie. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars sollen die ausgewählten Texte sowie eine der Monographien lesen. Ziel ist eine gemeinsame philosophische Auseinandersetzung mit Foucaults Werk und Theorieansätzen.

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Robotik“

Robotik ist eine wissenschaftlich-technologische Disziplin, die sich mit der Entwicklung von Robotern beschäftigt. Roboter sind elektromechanische Maschinen, die über Sensoren und Aktoren verfügen, um die Umwelt wahrzunehmen und auf sie einzuwirken. Sie können so konstruiert sein, dass sie gestalthafte Ähnlichkeit mit dem Menschen haben und über künstliche Intelligenz verfügen. Ihr Einsatz zum Ersatz menschlicher Arbeitskraft wirft einige sozialethische Fragen auf. Zudem ergeben sich aus dem Einsatz im Bereich der Pflege, der Medizin oder im Bereich des Individualverkehrs grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine. Robotik stellt damit nicht nur für die Ethik eine neue Herausforderung dar, sondern auch für die philosophische Anthropologie. Als Thema der Philosophie ist die Robotik ein junges Thema. Im Seminar sollen Texte aus der Frühzeit der philosophisch-wissenschaftstheoretischen Aufarbeitung (Alan Turing, John Searle) ebenso behandelt werden wie Texte aus den letzten Jahren und Monaten, die die Grundlegung einer Maschinen- und Roboterethik verfolgen. Thema und Diskussionsstand machen eine eigene Orientierung nötig. Diese zu gewinnen soll im Seminar versucht werden.

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
SE: „Kant: Kritik der praktischen Vernunft“

Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) ist ein Hauptwerk der Ethik. Es widmet sich dem Grundproblem der Ethik, dem Freiheitsproblem. Dieses hat zwei Seiten: zum einen die Frage nach der Möglichkeit von Freiheit überhaupt im Sinne der sog. Willensfreiheit angesichts der vorauszusetzenden Naturnotwendigkeit im Sinne des kausalen Determinismus; zum anderen die Frage nach dem Prinzip der vernunftgemäßen Qualifizierung der Freiheit („Sittengesetz“). In der Beantwortung dieser Fragen hat Kant bleibende Maßstäbe gesetzt. Im Zentrum des Seminars stehen die Lektüre und die Interpretation des Textes. Teil des Seminars ist ein Workshop mit dem Kantspezialisten Prof. Dr. Christian Krijnen (Amsterdam), der am 15.5., 9-13 Uhr stattfinden wird.

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
VL: „Medienphilosophie“

Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Medienphilosophie. Die Medienphilosophie ist eine relativ junge philosophische Disziplin, die sich im deutschen Sprachraum vor etwa 20 Jahren herausgebildet hat. Dabei ist umstritten, ob die Medienphilosophie vor allem als Reaktion auf sogenannte "neue Medien" zu verstehen ist, eine philosophische Grundlage für die Medienwissenschaft bilden will, den Begriff des Medium bestimmen möchte oder - am anspruchsvollsten - in einer Erweiterung des "linguistic turns" zu einem "medial turn" die ganze Philosophie paradigmatisch transformieren soll. Unterschiedliche Ansätze und zentrale Fragen der Medienphilosophie werden in dieser Vorlesung vorgestellt.

Lehrveranstaltungen WS 18/19

Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen WS 18/19

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Anthropologie I: Grundlagen“

Auch wenn die Anthropologie als Disziplin ein relativ junges Produkt der Philosophiegeschichte ist, so ist ihre Thematik alt. In einem weiten Sinn kann in allen Äußerungen des Menschen (Mythologie, Religion, Dichtung), in denen er sein Menschsein zum Thema macht, von einer impliziten Anthropologie gesprochen werden. Was die Anthropologie, die im Kontext der im 7. Jahrhundert v.Chr. beginnenden Philosophie auftritt, von allen Formen früherer impliziter Anthropologie unterscheidet, ist der spezifisch “philosophische“ Charakter, den sie mit der neuen Denkbewegung teilt, als deren Teil sie nun begegnet. Der Mensch tritt hier als ein Objekt in den Blick, der als gleichzeitiges Subjekt der Betrachtung gegenüber allen anderen Objekten hervorgehoben ist und dennoch mit diesen zusammen ein Ganzes bildet.

Die Vorlesung vermittelt maßgebende anthropologische Positionen in der abendländischen Geschichte der Philosophie, die hinsichtlich ihrer systematischen Bedeutsamkeit, ihrer Wirkungsgeschichte und gegenwärtigen Präsenz bzw. Absenz reflektiert werden.

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Politische Philosophie: Theorien der Macht SE“ 

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“ Diese Definition, die Max Weber in „Wirtschaft und Gesellschaft“ gegeben hat, scheint sehr gut den Gehalt dessen wiederzugeben, was wir meinen, wenn wir von Macht sprechen. Indes ist nicht sehr klar, was „Chance“ genau meint und warum sich nicht näher eingrenzen lässt, worauf diese Chance beruht. Weber zieht es auch vor, nicht diesen soziologisch amorphen Begriff, sondern vielmehr den der Herrschaft als politischen und soziologischen Grundbegriff starkzumachen. In den jüngeren soziologischen und philosophischen Debatten ist es vor allem Michel Foucault, der Machtszenarien vorführt und analysiert. Eine exakte Verhältnisbestimmung zwischen Macht und Gewalt, Macht und Herrschaft, Macht und Gesellschaft bietet er indes bewusst nicht. Im Seminar soll der Blick auf solche Verhältnisbestimmungen gelenkt werden. Dabei wird, ausgehend von Foucaults Werk ein ideengeschichtlicher Rückblick versucht. Gemeinsam werden einschlägige Texte von Platon, Niccolò Machiavelli, Thomas Hobbes, Helmuth Plessner, Hannah Arendt, Niklas Luhmann und Michel Foucault gelesen und diskutiert.

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL: „Ethik“

Die Vorlesung behandelt grundlegende und wirkmächtige Ansätze der philosophischen Ethik von der Antike bis zur Moderne. Inhaltliche Schwerpunkte bilden dabei Aristoteles (Tugendethik) und Kant (Deontologie).

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
VL: „Politische Theorie und Öffentlichkeit“

Die Vorlesung setzt sich mit der politischen Theorie und der Öffentlichkeit auseinander. Dabei steht eine Verhältnisbestimmung zwischen unterschiedlichen Ansätzen der Politik und des Politischen und verschiedenen Konzepten der Öffentlichkeit im Zentrum des Interesses. Inwiefern und in welcher Form ist Öffentlichkeit in unterschiedlichen Theorien der Politik relevant? Ziel der Vorlesung ist einen Überblick über unterschiedliche Konzepte der Politik im Verhältnis zur Öffentlichkeit zu gewinnen und sich kritisch damit auseinander zu setzen.

Lehrveranstaltungen SoSe 18

Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen SS 2018

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: Aktuelle Fragen der Medizinethik 

Nun schon seit einigen Jahrzehnten stellt die Medizin unsere Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Die damit zusammenhängenden moralischen Fragen werden in der Medizin, in der interdisziplinär angelegten medizinischen Ethik und in der Öffentlichkeit teils heftig diskutiert: Stammzelltherapien, Humangenetik, Fortpflanzungsmedizin, Transplantationsmedizin, Umgang mit Demenz sind in diesem Zusammenhang nur einige der Themen und Stichworte.

Im Seminar soll ausgehend von einer gemeinsamen Reflexion auf besonders drängende aktuelle Herausforderungen ein Themenspektrum festgelegt und dann unter Nutzung der einschlägigen Literatur gemeinsam diskutiert werden.

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: Texte und Themen der Praktischen Philosophie / Ethik: Vorschläge zur Vermittlung zwischen Teleologie und Deontologie

Erst seit dem 20. Jahrhundert sind deontologische Ethiken und teleologische Ethiken gegenübergestellt worden. Ob man bei der moralischen Beurteilung von Handlungen von Pflichten bzw. Regeln oder von Zwecken bzw. Folgen ausgeht, erscheint so als grundsätzliche Alternative. In den vergangenen Dekaden sind aber viele Versuche unternommen worden Vermittlungen und Verbindungen zu leisten.

Im Seminar sollen besonders die Vermittlungen zwischen kantianischen Ansätzen und aristotelischen Ansätzen untersucht werden, wie sie beispielsweise durch Hans Krämer, Paul Ricoeur, Otfried Höffe oder Onora O’Neill vorgelegt wurden. Entsprechende Ansätze sollen gemeinsam gesucht, ausgewählt und dann analysiert und bewertet werden.

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
PS: Lektürekurs Philosophie: Aristoteles: Nikomachische Ethik

Aristoteles ist der Schöpfer der Ethik als einer relativ eigenständigen philosophischen Disziplin. Sein ethisches Hauptwerk, die „Nikomachische Ethik“, ist ein Werk ersten Ranges, das bleibende Maßstäbe für das Bedenken des menschlichen Handelns aufgerichtet hat. Grundbegriffe wie Handlung, Freiwilligkeit, Glückseligkeit und Tugend werden hier entwickelt. Wir werden uns im Proseminar intensiv mit dem Text auseinandersetzen. Nebenbei wird es auch um Fragen gehen wie: Wie arbeite ich mit solchen Texten? Welche Hilfsmittel kann ich heranziehen?
Die Lehrveranstaltung ist für Anfänger. Griechisch-Kenntnisse werden keine vorausgesetzt. In der ersten Einheit werden die Durchführungsmodalitäten besprochen, die Themen für die Seminarsitzungen vergeben und eine inhaltliche Einführung gegeben.

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL+L: Themen und Aspekte der Philosophie in Geschichte und Gegenwart: Philosophie der Vorsokratiker

Vorsokratiker sind die Denker, die vor Sokrates gewirkt haben. Angesichts des fortwährenden Wechsels der Einzeldinge bringen sie den Gedanken der Welteinheit zum Ausdruck, dadurch, dass sie fragen, was das Bleibende im Wechsel sei. Damit bilden sie als das Ziel ihrer Forschung den Begriff der ARCHE, des Urprinzips oder des Weltstoffes, der sich in alle Dinge verwandelt und auf den sich alle Dinge reduzieren lassen. Der Anfang wird in den um 600 v. Chr. blühenden Küstenstädten des ionischen Kleinasiens gemacht. In der Vorlesung sollen die folgenden Vertreter der Vorsokratik vorgestellt und ihre naturphilosophischen Ansätze diskutiert werden:
1. Die milesische Naturphilosophie: Thales, Anaximander, Anaximenes.
2. Der metaphysische Grundgegensatz: Heraklit und die Eleaten.
3. Die Vermittlungsversuche, Empedokles: Anaxagoras, Atomisten, Pythagoreer.

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
SE: Theorie in dunklen Zeiten - politische Philosophie in den 1930er-Jahren

Die 1930er Jahren markieren in weiten Teilen Europas den politischen Übergang von einer fragilen Demokratie zu letztendlich den Weltkrieg auslösenden Faschismus. Diese Zeit des Übergangs und die nahende Katastrophe waren zugleich eine „produktive“ Zeit im Bereich der politischen Philosophie: Unter prekären Bedingungen haben Vertreter der Kritischen Theorie – Walter Benjamin, Max Horkheimer, Erich Fromm – versucht den manifest gewordenen Totalitarismus theoretisch zu verstehen. Antonio Gramsci verfasst als politischer Gefangener unter menschenunwürdigen Umständen seine Gefängnishefte. Politisch auf der Seite der faschistischen Herrschaft stehend formulierten Carl Schmitt und Julius Evola ihre gegenüber Demokratie und Parlamentarismus kritischen Schriften. Das Seminar diskutiert diese unterschiedlichen Ansätze in der politischen Theorie, die zum Teil gegensätzlich sind, die aber neben der gemeinsamen Entstehungszeit einen Skeptizismus gegen die liberale Demokratie und eine Krisendiagnostik teilen.

Lehrveranstaltungen WS 17/18

Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen WS 17/18

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: Allgemeine Ethik (FTh) / Ethik (FPhK)

In der Ethik geht es um die methodisch geleitete Reflexion auf unser Handeln, insofern dieses sich als moralisch oder unmoralisch bezeichnen lässt. In der Geschichte der Philosophie wurde sowohl die Frage bearbeitet, welchen Status die in der Lebenswelt begegnenden Einordnungen als moralisch oder unmoralisch haben: Handelt es sich um Erkenntnisse, Willensentschlüsse oder um Gefühle? Reflektiert wurde aber auch in verschiedenen Ansätzen, wie sich moralische Forderungen oder Ideale begründen lassen. Zudem hat sich die Philosophie konkreten Handlungszusammenhängen zugewandt und die hier begegnenden moralischen Kriterien, Haltungen und Gründe analysiert.
Die Vorlesung beginnt mit der Erörterung einiger grundlegender Begriffe wie Gewissen und Diskurs, Ethos, Gewohnheit und Recht, Moral und Ethik. In einem zweiten Schritt wird die metaethische Debatte um den Status moralischer Sätze und Einstellungen umrissen. Normative ethische Ansätze werden sodann am Beispiel von John Stuart Mill, Immanuel Kant und Aristoteles vorgeführt und verglichen. Ein vierter Teil widmet sich Untersuchungsfeldern der konkreten Ethik anhand von Beispielen aus der Bioethik und der Wissenschaftsethik.

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: Kants Geschichtsphilosophie

Das Bestreben, aus vielen Geschichten eine Universalgeschichte zu konstruieren, ist oftmals geprägt von der Suche nach einer Tendenz oder einem Sinn der Geschichte. Bei Immanuel Kant richtet sich diese Suche auf Fortschritte hin zu einer verbesserten Moralität der Menschen, zur Erreichung einer allgemein das Recht verwaltenden bürgerlichen Gemeinschaft und zu einer friedlichen Koexistenz der Völker. Die Besonderheit der kantischen Geschichtsphilosophie liegt aber nicht nur in der Fokussierung auf diese Leitbilder, sondern vor allem in der Reflexion auf die praktische Absicht, die den Blick auf die vergangene und zukünftige Geschichte leitet.
Grundlage des Seminars sind die kleinen Schriften „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“, „Der Streit der Fakultäten. Zweiter Abschnitt“ sowie „Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte“. Als Basistext wird der Band "Kant, Schriften zur Geschichtsphilosophie" in Reclams Universalbibliothek zugrunde gelegt.

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: Verbesserung des Menschen? Zur bioethischen Diskussion des Enhancemant

Technische Eingriffe in den Menschen, welche nicht der Heilung von Krankheiten dienen, sondern physische oder mentale Merkmale verbessern wollen, geraten zunehmend in den Blick der Medizin. Unter dem Begriff „Enhancement“ diskutiert die Bioethik seit einigen Jahren kosmetisch-chirurgische Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild, die Steigerung der Körpergröße durch Wachstumshormone oder die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten. Auch Doping im Sport kann dem Enhancement zugeordnet werden. Aus medizinethischer, sozialethischer und anthropologischer Perspektive stellen sich weitreichende Fragen: Ist eine Unterscheidung zwischen Therapie und Enhancement überhaupt möglich? Welche normative Relevanz hat sie z.B. im Hinblick auf die Ziele von Medizin oder soziale Gerechtigkeit? Welche Eingriffe sind der Autonomie und dem guten Leben der Person zuträglich? Als was will sich der Mensch, der sich biotechnologisch modifiziert, zukünftig verstehen?

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL+L: Philosophie der Natur - geschichtliche und systematische Perspektiven

Im Unterschied zur einzelwissenschaftlichen Naturbetrachtung fragt die Philosophie zunächst und zuallererst nach dem Begriff der Natur. Dabei ist es ihre Aufgabe, sowohl die spezifischen Differenzen zwischen den Naturbegriffen als auch den systematischen Zusammenhang, der zwischen diesen Naturbegriffen besteht, aufzuzeigen. Mit welchem Recht sprechen wir, angesichts einer Pluralität von Naturbegriffen, überhaupt von „der Natur“ im Singular? 

Die Vorlesung macht mit den grundlegendsten Weisen des Naturverständnisses vertraut. Sie zeigt, wie diese begründet sind, welche gedankliche Reichweite sie haben und welche Relevanz diese für den menschlichen Weltumgang haben – denn in jedem Naturbegriff spricht sich immer auch ein bestimmtes Selbstverständnis des Menschen aus. Leitend wird dabei v.a. ein Gegensatz zwischen zwei Naturbegriffen sein:
a) Natur, die in eine modellierte Welt von Erscheinungsgegenständlichkeiten (Kant) verwandelt wird – Natur, sofern sie als Objekt exakter Wissenschaftlichkeit und als logisch transparentes Mittel für unsere Zwecke (Technik, Naturbeherrschung) zu fungieren vermag;
b) Natur als „natürliche Natur“, "sich zeigende" Natur, als „anderes Selbst“, das in unserem Weltumgang in einem relativen Eigenrecht anzuerkennen wäre.
Diese systematische Spannung werden wir, der Geschichte der Philosophie entlanggehend, herausarbeiten. Die Hauptpunkte dabei werden insgesamt sein:
- das Problem einer wissenschaftlichen Rede von Natur überhaupt (Parmenides, Plato)
- Aristoteles‘ Physik: Spitzeneinsichten der Metaphysik in das natürlich Seiende
- der Neuansatz der exakten bzw. mathematischen Naturwissenschaft (der Schritt von der Substanz zur Funktion) und das technisch-praktische Naturverständnis
- Kant: die Begründung der Möglichkeit des wissenschaftlichen/technisch-praktischen Naturverständnisses (Kritik der reinen Vernunft); die Einsicht in die Grenzen dieses Naturbegriffs (Kritik der Urteilskraft)
- Wie ist Natur als ein sich zeigendes anderes Selbst überhaupt zur Sprache zu bringen? (ein Blick in Hegels Naturphilosophie)

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
PS: Lektürekurs Philosophie: Jean-Jacques Rousseau. Ausgewählte Texte

Der Lektürekurs widmet sich dem Werk von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Das Augenmerk liegt dabei auf der Verknüpfung seiner Anthropologie und seiner politischen Philosophie. In der Lehrveranstaltung wird für diese Diskussion auf Passagen aus "Diskurs über die Ungleichheit", "Der Gesellschaftsvertrag" und "Emil oder Über die Erziehung" zurückgegriffen.

Lehrveranstaltungen SoSe 17

Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen SS 2017

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Spezielle Probleme und aktuelle Herausforderungen der
philosophischen Anthropologie“

Die Vorlesung widmet sich anthropologischen Ansätzen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts
(Positionen)  und diskutiert Konzepte, die für eine zeitgenössische anthropologische Reflexion
relevant werden (Konkretionen).

Nach einem Rückblick auf die Einführungsvorlesung des WS 2016/2017 werden Ansätze
vorgestellt, die teilweise in deutlicher Absetzung von der klassischen Anthropologie des
20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Hatte diese klassische Anthropologie vornehmlich im deutschsprachigen Raum stattgefunden (Scheler, Plessner, Gehlen), so will die Vorlesung des
aktuellen Sommersemesters Tendenzen aus der französischen Philosophie (Maurice Merleau-Ponty, Michel Foucault) ebenso berücksichtigen, wie einschlägige Debatten aus der vorwiegend englischsprachigen analytischen Philosophie, ebenso wie anthropologie-relevante Überlegungen
aus der politischen Philosophie (Hannah Arendt) und der Ethnologie (Claude Lévi-Strauss).

Unter dem Stichwort Konkretionen werden Debatten vorgestellt, die Bedingungen des Mensch-Seins in unserer durch Wissenschaft und Technik veränderten Welt thematisieren und die zugleich mit praktisch-normativen Herausforderungen verbunden sind (Kooperation, Gesundheit, Anthropotechnik, Altern, Umwelt).

Leistungsbeurteilung: mündliche Prüfung

Beginn: Mittwoch, 1. März 2017, 10.00 – 12.00 Uhr, HS 1

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Ausgewählte Themen der Philosophie: Kommunitarismus“

Seit Ende der 1970-er Jahre sind in der politischen Philosophie Nordamerikas Ansätze entwickelt worden, die die Bedeutung von Gemeinschaften für das gelingende Leben der Einzelnen und für die demokratische Gesellschaft als ganze reflektieren und hervorheben. Als „Kommunitarismus“ werden sie dem „Liberalismus“ gegenübergestellt. Michael Sandels Frage nach den Grenzen der Gerechtigkeit, Michael Walzers Rede über Sphären der Gerechtigkeit und Charles Taylors Suche nach den Quellen des Selbst und seine Rede von der negativen Freiheit nutzen unterschiedliche philosophiehistorische Ressourcen und verfolgen mehrere Stoßrichtungen. Gegen eine Verstaatlichung der Solidarität und einen überzogenen Individualismus reflektieren sie die Möglichkeiten, unter den Bedingungen des modernen Pluralismus eine Atomisierung der Gesellschaft in Einzelinteressen und den Verlust sozialer Bindungen zu verhindern.

Das Seminar wird Texte der wichtigsten Autoren des Kommunitarismus eingehend behandeln. Den Abschluss bildet eine vergleichende Auseinandersetzung mit dem Entwurf einer „Ethik des Ethos“, die der Bonner Philosoph Wolfgang Kluxen vorgelegt hat. Ein Konvolut der Basistexte wird zu
Semesterbeginn vorgelegt.

Leistungsbeurteilung: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit

Beginn: Dienstag, 7. März 2017, 14.00 – 16.00 Uhr, SE 2

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL+L: „Hegels Rechtsphilosophie II“

Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ gehören zu den umfassendsten Darstellungen der praktischen Philosophie. Im Ausgang vom Begriff der Freiheit werden jene Formen entwickelt, in denen Freiheit sich objektiviert – beginnend von der Freiheit, die sich als Person im Eigentums-
verhältnis zunächst über die Sache her versteht („abstrakte Recht“), über die Freiheit, des moralischen Subjekts, das das Recht in die Innerlichkeit aufgenommen hat und sich in den Gegensatz zu einer äußeren Welt („Moralität“) setzt, bis hin zur Gestaltung einer äußeren Welt, in der sich Freiheit selbst entgegenkommt („Sittlichkeit“).

Im WS 16/17 wurden die grundlegende Einleitung sowie der der erste Teil der Rechtsphilosophie, das abstrakte Recht, betrachtet. Im SS 17 werden der zweite und dritte Teil, die Moralität und die Sittlichkeit, behandelt.

Die Vorlesung kann unabhängig von der VL vom WS 16/17 besucht werden, da am Anfang eine überblickshafte Wiederholung gegeben werden wird.

Literatur: Da wir am Text entlanggehen wird die Anschaffung einer Ausgabe des Primärtextes empfohlen, etwa: G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaften im Grundrisse. Mit Hegels eigenhändigen Notizen und den mündlichen Zusätzen, auf der Grundlage der Werke von 1832-45 neu edierte Ausgabe, Redaktion E. Moldenhauer u. K.M. Michel, Werke 7, 14. Aufl., Frankfurt am Main 2015. Sekundärliteratur wird in der VL genannt.

Leistungsbeurteilung: mündliche Prüfung

Beginn: Montag, 6. März 2017, 10.00 – 12.00 Uhr, HS 2

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
SE: „Ethik in der Gesellschaft: Theorien, Funktionen, Kritik."

Der Ethik kommt in der gegenwärtigen Gesellschaft wachsende Bedeutung zu. In ganz verschiedenen Teilbereichen der Gesellschaft wird Ethik zum Thema: In moralischem Fehlverhalten in der Politik, in wissenschaftlichen Plagiaten und Forschungsskandalen, in medizinischen Ethikkonzilen, bioethischen Ethikräten und moralischen Selbstver-
pflichtungen (z.B.: „Corporate Social Responsibility“) in der Wirtschaft. Konkrete Beispiele umfassen unter anderem die Empfehlung der Energiewende in Deutschland durch eine Ethik-Kommission, Stellungnahmen von nationalen Bioethikkommissionen zur Regulierung medizinischer Eingriffe und Forschungsentscheidungen durch Ethikkommissionen. Allgemein ist im öffentlichen und politischen Diskurs eine "Moralisierung" festzustellen, und es kann von einer „Ethisierung von Technikkonflikten“ (Bogner) gesprochen werden.

Dieses Seminar diskutiert kritisch die Rolle der Ethik in der Gesellschaft anhand von Texten in den drei Anwendungsfeldern: Politik, Medizin und Öffentlichkeit. Dabei wird folgenden Fragen nachgegangen: Was führt zu diesem erhöhten gesellschaftlichen Bedarf an Ethik? Welche Funktion übernimmt die Ethik in den jeweiligen gesellschaftlichen Teilbereichen? Welche Kritik schließt sich an diese gesteigerte Bedeutung der Ethik in der Gesellschaft an?

Leistungsbeurteilung: Um das Seminar erfolgreich abzuschließen ist neben regelmäßiger Teilnahme die Übernahme eines Referats zu einem der Texte und die Abfassung einer Seminararbeit
notwendig.

Beginn: Montag, 6. März 2017, 14.00 – 16.00 Uhr, HS 4 

Lehrveranstaltungen WS 16/17

Praktische Philosophie / Ethik: Lehrveranstaltungen WS 16/17

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
VL: „Anthropologie: Einführung in Fragen, Themen und Positionen der philosophischen Anthropologie“

Auch wenn die Anthropologie als Disziplin ein relativ junges Produkt der Philosophiegeschichte ist, so ist ihre Thematik alt. In einem weiten Sinn kann in allen Äußerungen des Menschen (Mythologie, Religion, Dichtung), in denen er sein Menschsein zum Thema macht, von einer impliziten Anthropologie gesprochen werden. Was die Anthropologie, die im Kontext der im 7. Jahrhundert v.Chr. beginnenden Philosophie auftritt, von allen Formen früherer impliziter Anthropologie unterscheidet, ist die spezifisch “philosophische“ Charakter, den sie mit der neuen Denkbewegung teilt, als deren Teil sie nun begegnet. Der Mensch tritt hier als ein Objekt in den Blick, der als gleichzeitiges Subjekt der Betrachtung gegenüber allen anderen Objekten hervorgehoben ist und dennoch mit diesen zusammen ein Ganzes bildet.

Die Vorlesung zur Anthropologie wird im Sommersemester fortgesetzt. Themen des WS (Anthropologie 1) und des SS (Anthropologie 2) ergeben sich aus der Disposition.

 

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
SE: „Länger leben?“

Forschungen zur Erklärung des Alterns und seiner molekularen und zellulären Bedingungen haben eine starke Konjunktur, zeigen ein breites Spektrum der Erklärungsansätze und sind zunehmend mit Überlegungen zu gezielten Eingriffen in den Alterungsprozess verbunden. Experimentelle Forschungen bei Rundwürmern, Fruchtfliegen und Mäusen haben sehr deutliche Verlängerungen der Lebensdauer und Verlangsamungen der Seneszenz demonstriert. Diesen Forschungen im Bereich der so genannten Biogerontologie stehen einige Überlegungen gegenüber, wie eine entsprechende Verlängerung der Lebensspanne des Menschen zu bewerten wäre. Dabei spielen die Einschätzung des Alterns, Fragen nach der Gerechtigkeit und Fragen nach dem gelingenden Leben eine Rolle.

Nach einer Einführung in die biologisch-theoretischen und tierexperimentellen Hintergründe wird das Seminar kontroverse Ansätze zur Bewertung biogerontologischer Lebensverlängerungsprojekte diskutieren und Fragen nach dem Zusammenhang von Anthropologie und Ethik systematisch untersuchen.

 

Ass.-Prof. DDr. Max Gottschlich
VL+L: „Hegels Rechtsphilosophie I (Recht, Moralität)“

G.W.F. Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ beinhaltet eine umfassende Darstellung der praktischen Philosophie und ist als solche eine der bedeutendsten Ethiken der philosophischen Tradition. Wir finden in ihr erstaunlich viel dargestellt: eine Rechtsphilosophie im engeren Sinn, eine Moralphilosophie und – das ist eine grundlegende Neuerung, die Hegel in die praktische Philosophie eingeführt hat - eine Lehre von der „Sittlichkeit“, d.h. von den Formen gelebter bzw. institutionalisierter Freiheitswirklichkeit, die nicht nur eine Gesellschafts- und Staatsphilosophie enthält, sondern zuletzt in die Philosophie der Weltgeschichte mündet. In diesem Zusammenhang spricht man von der nachkantischen Wiederentdeckung der historischen Dimension der Praxis, der Institutionen oder des aristotelischen Sittlichkeitsgedankens bei Hegel. Der Anspruch Hegels ist es nämlich, die „Idee“ des Rechts zu erfassen, wobei „Idee“ bedeutet: Einheit von Begriff und der Wirklichkeit des Rechts. Der Ausdruck „Recht“ ist hier nicht bloß im engeren Sinne zu nehmen, sondern Hegel betont damit (gegen Kant, aber auch Fichte): es geht um Freiheit, die nicht bloß ein Sollen ist, sondern die sich in konkreten Gestalten objektiviert, sich Wirklichkeit gibt. „Recht“ ist nach Hegel überhaupt der Gedanke, dass Freiheit sich Dasein gibt. Die Hegelsche Rechtsphilosophie unternimmt es, die Weisen der Verwirklichung von Freiheit in ihrer systematischen Totalität zu entfalten. Von da her wird nicht nur das Recht im engeren Sinne des positiven Rechts gedacht, sondern auch das Recht des Gewissens, weiters das Recht der Familie, des Staates sowie zuletzt das Recht des (berühmt-berüchtigten) „Weltgeistes“ im Zusammenhang mit der Weltgeschichte. Damit wird es möglich, die Sphären des Rechts, der Moralität und der Sittlichkeit in ihrer jeweils irreduziblen Sinnautonomie zu denken. Dies ist sehr gewinnbringend angesichts aktueller Herausforderungen und Krisen - man denke etwa an die Verselbständigung der Wirtschaft als des "Systems der Bedürfnisse" (Hegel) gegenüber der Politik bzw. dem Staat, an die Gefahr der Instrumentalisierung des Rechts durch wirtschaftliche Partikularinteressen bzw. auch durch eine Politik, die sich als bloßes Herstellen versteht, oder aber auch an das Verhältnis von Recht bzw. Staat und Religion.

Die Vorlesung ist auf zwei Semester angelegt. Im WS 16/17 werden wir uns befassen mit:
1) den Grundbestimmungen der Rechtsphilosophie bzw. des Hegelschen Denkens überhaupt, wie sie in der Einleitung dargestellt werden: die Methode der Philosophie nach Hegel (Dialektik), Begriff der Idee, Begriff des Willens, Begriff der Freiheit, Begriff des Rechts; 2) dem ersten Teil, dem „abstrakten Recht“: Differenz von Person und Sache, Eigentum, Vertrag und Unrecht. Diese beiden Punkt werden Schwerpunkte der Vorlesung sein. 3) ist geplant, den Anfang des zweiten Teils (die „Moralität“) zu behandeln. Die Vorlesung wird im SS 17 fortgesetzt, wobei der Rest der Moralität sowie die Sittlichkeit behandelt werden.

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
VL: „Allgemeine Ethik“

Was sollen wir tun? Was ist das richtige Handeln, und wie kann es begründet werden? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Ethik. In der abendländischen Philosophiegeschichte wurden nicht nur unterschiedliche Antworten auf diese Fragen gegeben, sondern selbst die Frage unterschiedlich gestellt. Diese Vorlesung führt in die wichtigsten Fragestellungen der Ethik und die bedeutendsten ethischen Theorien anhand von Fallbeispielen und –geschichten ein.

Die Vorlesung besteht aus drei Teilen: In einem ersten Teil wird erörtert, mit welcher Art Fragen und Antworten wir es in der Ethik zu tun haben. In diesem Zusammenhang wird auch die Fundamentalkritik, die die Möglichkeit Ethik zu betreiben radikal in Zweifel zieht, erläutert wie sie beispielsweise von Friedrich Nietzsche und Ludwig Wittgenstein vorgetragen wird. Der zweite Teil widmet sich den ethischen Theorien der Tugendethik (Aristoteles), deontologischen Ethik (Immanuel Kant) und dem Utilitarismus (John Stuart Mill). Diese werden dargestellt und kritisch gewürdigt. Der dritte Teil schließlich reflektiert (mit Theodor W. Adorno und Bernard Williams) die Aussagekraft und Paradoxien ethischer Theorien und Entscheidungssituationen. 

 

Ass.-Prof. Dr. Lukas Kaelin
VL: „Theorien der Öffentlichkeit“

Der Begriff der Öffentlichkeit spielt in vielen Theorien der politischen Philosophie eine entscheidende Rolle. Was jedoch unter Öffentlichkeit verstanden wird und wie der Begriff historisch und politisch verortet wird, variiert nach Philosophinnen und Philosophen stark. Die Vorlesung gibt eine Einführung in die unterschiedlichen Theorien der Öffentlichkeit unter der Fragerücksicht, welche Rolle die Öffentlichkeit im und für den demokratischen Prozess einnimmt und einnehmen soll. Die Öffentlichkeitstheorien von John Dewey, Hannah Arendt, Jürgen Habermas und anderen sollen sowohl die Funktion des Begriffs innerhalb der politischen Architektonik als auch seine Abhängigkeit von sozialen (ökonomischen und medialen) Annahmen und Voraussetzungen aufzeigen. Gleichzeitig wird dadurch deutlicher, welche Rolle der Begriff in der politischen Theorie spielen kann und spielen soll.