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Kontrast

Stefan Gassenbauer am Institute Catholique de Paris

Wer Internationalität erleben will, und die Großstadt nicht scheut, der findet in Paris einen Ort der Möglichkeiten.

Vorbereitung und Ankunft 


 Mein Weg zum Auslandsstudium begann, als ich mich vor etwa zwei Jahren dazu entschied, Französisch lernen zu wollen. Da hierfür natürlich ein längerer Aufenthalt unter Muttersprachlern praktisch wäre, kam bei mir der Wunsch auf, die Gelegenheit zu nützen, und gleich im Rahmen meines Studiums ganze 5 Monate nach Frankreich zu fahren. Dank der bereits bestehenden Partnerschaft mit dem Institut Catholique de Paris (ICP) und der Hilfsbereitschaft der Koordinatorinnen beiderseits konnte ich den Aufenthalt relativ unbesorgt antreten. Meine Unterkunft wurde mir glücklicherweise von der Universität selbst zur Verfügung gestellt, ein langes hin- und hersuchen blieb mir erspart, genauso wie die diversen Hürden beim Erstellen des Learning Agreement nie zum Problem wurden. Auch der mir fehlende Nachweis der Sprachkenntnis war kein großes Hindernis. Die nachdrückliche Versicherung, dass ich den Lehrveranstaltungen würde folgen können, reichte dem ICP aus. In Paris angekommen, bezog ich bald mein Zimmer in einem Studentenheim der Organisation Crous, die in ganz Frankreich leistbare – aber auch heiß begehrte – Studentenwohnungen zur Verfügung stellt. Insgesamt war ich sehr zufrieden mit dieser Wahl, da die etwa 330 € Miete für 14 m² im 12. Arrondissement nahezu unschlagbar sind. Wer wie ich noch kein eigenes Einkommen hat, oder nur geringfügige Einkünfte vorweisen kann, kann noch zusätzlich bei der CAF (Caisse d'Allocations Familiales) eine Wohnbeihilfe (APL) beantragen. In meinem Fall bekam ich etwa ein Drittel der Kosten erstattet. An der Universität gestaltete sich der Empfang sehr herzlich: Es gab zwei Wochen vor Semesterbeginn einige Einführungstage für die etwa 50 internationalen Studierenden, an denen uns die Universität in allen ihren Facetten vorgestellt wurde, wir mit den Fakultätsleitern unsere Learning Agreements an den tatsächlichen Studienplänen ausrichten konnten und an deren Ende sogar eine kleine Bootsfahrt auf der Seine stand. Das dafür verantwortliche Team zeigte sich sehr engagiert und besorgt um unser Wohlergehen, was die administrativen Angelegenheiten der ersten Wochen enorm erleichterte. 

Paris Die Millionenstadt Paris hat auf mich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Hinter jeder Ecke steckt eine neue Möglichkeit, jeder Teil hat seine Geschichte. Die fünf Monate des Semesters schienen mir bald viel zu kurz, um die Stadt tatsächlich kennenzulernen. Interessiert man sich so wie ich für das ganze Spektrum kultureller Produktion, so wird man hier kaum zur Ruhe kommen : Von der kleinen Nischen-Galerie über kontemporäres postkoloniales Theater bis hin zum gigantischen Louvre findet man ein beinahe unbegrenztes Angebot vor. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zum Einen die diversen historischen Orte der Stadt. Das „Patrimoine“ (deutsch etwa Kulturerbe), wie es im Französischen heißt, brachte mir die Komplexität und Vielfalt französischer Geschichte nahe. Ob es der Palast der früheren Kolonialausstellungen, der Arc de Triomphe oder das Schloss Versailles ist, jedes Monument erzählt von anderen Schwierigkeiten, Herausforderungen oder Errungenschaften, die noch bis heute das Land prägen. 

Zum Anderen habe ich die Realität des multikulturellen Zusammenlebens in Paris als Reichtum kennengelernt. Die Tatsache der Migration aus nicht-europäischen Ländern, die uns noch recht neu erscheint, ist hier schon längst Normalität. Die Geschäfte, Institutionen und alltäglichen Begegnungen spiegeln das vielfältige Bild der Lebensrealitäten wieder. 

Universität 

Das ICP fasst ca. 10000 Studenten, von denen ein beträchtlicher Teil, etwa ein Drittel, aus dem 
Ausland kommt. Sie ist zum Beispiel für Priester aus aller Welt Anlaufspunkt für ihre Studien, so konnte ich zum Beispiel während meines Sprachkurses zwei Priester aus Vietnam und Südkorea kennenlernen, die von ihren Bischöfen nach Paris entsendet worden waren. In Bezug auf das Studienangebot werden vor allem geisteswissenschaftliche Fächer angeboten, darunter Theologie und Philosophie, Sprachen, Geschichte und Kunstgeschichte. 
Für mein Erasmussemester konnte ich – entgegen dem recht starren Stundenplan der normalen Studierenden – sehr frei wählen, welche Kurse ich besuche. Am Beginn gestaltete es sich noch etwas schwierig bei den Vorlesungen gut mitzuschreiben, was sich aber im Laufe der Monate immer mehr legte. Die Lehrenden selbst erlebte ich als sehr hilfsbereit und offen für Fragen. Diesen waren immer am Ende des Kurses einige Minuten gewidmet, um jedem zu erlauben, sein Verständnis zu verbessern. Besonders hervorstreichen kann ich das Engagement der PhilosophieprofessorInnen, die die Vorlesungen sehr enthusiastisch und mit mir bis dahin unbekannten Elan gestalteten. Was die Prüfungen angeht, war man am ICP sehr entgegenkommend. Bereits zu Beginn wurde uns Erasmus Studierenden ein Zettel in die Hand gedrückt, mit dem wir individuelle Prüfungsmodalitäten für jeden Kurs vereinbaren konnten. Auch hier zeigten sich die ProfessorInnen bereit, schriftliche Prüfungen in mündliche zu verwandeln, bei Hausarbeiten die Länge etwas herunterzusetzen oder andere Kompromisse einzugehen. 
Neben dem gratis angebotenen Sprachkurs, der mehr die französische Grammatik behandelte, habe ich mich entscheiden auch einen bezahlten Kurs für die mündliche Argumentation am zur Universität gehörenden ILCF (Institut de Langue et de Culture Françaises) zu belegen. Der Preis von rund 500 € stellte sich für mich am Ende als sehr gut investiertes Geld heraus. In einer sympathischen Kleingruppe (im Wintersemester ist die Zahl der Studierenden geringer) bestehend 
u. a. aus einem britischen BBC-Journalisten, einem Priester aus Vietnam, einer süd-koreanischen UNO-Mitarbeiterin und einem New Yorker, der sein gap year zwischen high school und College nutze, um sein Französisch zu verbessern, konnte ich meine Sprachkenntnisse deutlich verbessern. 
 

Fazit 

Alles in allem hat sich der Aufenthalt auf jeden Fall gelohnt. Mein Französisch hat sich um ein ganzes 
Stück verbessert, ich konnte viel vom kulturellen Reichtum von Paris mitnehmen und einigen interessanten Vorlesungen folgen. Die potenziell abschreckenden 
administrativen Hürden und die Sprachbarriere waren dank des eingespielten Systems des ICP, das seiner Selbstdarstellung als sehr internatonale und weltoffene Hochschule mehr als gerecht wurde, schnell vergessen.