Schrift:
A
A+
A++
Kontrast

Paris, je t’aime - ma vie à Paris.

Stephanie Bayer in Paris

Schon zu meiner Schulzeit war es immer mein Traum, in einer Stadt in Frankreich für eine gewisse Zeit zu leben. Von September 2015 bis Juli 2016 konnte ich mir diesen Herzenswunsch erfüllen und mit Hilfe des ERASMUS-Programms ein Studienjahr in Paris leben und studieren.

Von Anfang an habe ich mich sehr wohl in der Stadt und an der Universität gefühlt. Das Institut Catholique de Paris ist eine verhältnismäßig „kleine“ Privatuniversität (ca. 7 500 Studierende) im Herzen von Paris im sechsten Arrondissement zwischen dem berühmten und wunderschönen Jardin du Luxembourg und dem Gare Montparnasse

Besonders das ERASMUS Programm des ICP an den ersten Unitagen hat mir geholfen mich zurechtzufinden. Ich konnte sehr schnell Kontakte zu französischen wie auch anderen ERAMUS Studierenden knüpfen und von Tag zu Tag erweiterte sich mein Freundeskreis: Gemeinsam mit vielen jungen Menschen aus Mexiko, Frankreich, Spanien, Italien, Südkorea, Taiwan, uvm. erlebte ich ein einzigartiges Abenteuer. Die einen oder anderen Verständigungsschwierigkeiten und Kulturunterschiede erschwerten den Umgang keineswegs – im Gegenteil – es wurde viel darüber gelacht, diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Wir verbrachten viel Freizeit miteinander und entdeckten gemeinsam die Schönheiten Frankreichs. Dieses Land und insbesondere Paris bot uns sehr viele kulturelle Möglichkeiten: Museen, Schlösser und Burgen, besondere Landschaften, das typische Sightseeing, Musikveranstaltungen, das Pariser Nachtleben, die Fußball EM 2016, Ausflüge nach CaenLe HavreNantesBordeaux und vieles mehr.

Nicht nur in meiner Freizeit, sondern auch an der Universität erlebte ich viel Neues und auch Unerwartetes. Meine Kurse wurden großteils von Männern im fortgeschrittenen Alter und Semester besucht. Das lag daran, dass der Studienplan für Theologie in Frankreich völlig anders gestaltet ist als an der KU bzw. allgemein in Österreich und die BesucherInnen der Kurse des zweiten Abschnitts sowie der Doktoratskurse fast nur Priesteranwärter und Ordensmitglieder sind (in den Grundkursen sieht das aber anders aus). Trotzdessen wurde ich sehr gut in die Gemeinschaft aufgenommen und habe mich mit einigen meiner StudienkollegInnen bestens verstanden. Die Organisation der Kurse, sowie des gesamten ERASMUS-Programms, war teilweise sehr kompliziert und nervenaufreibend. Von Österreich aus und vor allem zu Beginn des Studienjahres in Paris machte mir die französische Bürokratie richtig zu schaffen. Umso entspannter und studierendenfreundlicher war die Betreuung von Seiten der KU: Besonders die Flexibilität bei diversen Anrechenbarkeiten, die Schnelligkeit bei bürokratischen Anliegen und die Offenheit und positive Einstellung gegenüber eines ERASMUS Aufenthalts erleichterten mir die Organisation.

Die Kurse am ICP (inhaltlich und formal betrachtet) waren von Grund auf anders gestaltet, als ich es kannte. Auf Powerpoint, Skripten und „neue Medien“ wurde gerne verzichtet, dafür wurden die Inhalte frei vorgetragen und genügend Zeit eingeräumt, um auf Fragen der Studierenden einzugehen und zu diskutieren. Die Inhalte der Kurse wurden grundlegend von der Säkularisierung der Gesellschaft Frankreichs und der strikten Trennung von Kirche und Staat beeinflusst. Es wurde großflächiger, bewusster und praxisorientierter zu den Themen interreligiöser Dialog, Kulturen, Gesellschaften und Religionen gearbeitet. Besonders interessant erschien mir der Multikulturalismus in meinen Kursen, da ich viele StudienkollegenInnen hatte, die ursprünglich aus den verschiedensten Ecken der Erde kommen. Dies erweiterte nicht nur meinen Blickwinkel, sondern bereicherte meist auch die ganze Lehrveranstaltung.

Diese Vielfalt an Menschen, dieser einzigartige Pluralismus, kennzeichnet das Leben in Frankreich, insbesondere in Paris. Die Faszination für die Vielgestaltigkeit und für die Stadt habe ich bis heute nicht verloren. Der Studienaufenthalt hat mein Leben zutiefst geprägt: Mit vielen StudienkollegInnen stehe ich bis heute noch in sehr gutem Kontakt und die vielen positiven, aber auch negativen Erfahrungen und Ereignisse haben mich sowohl fachlich, als auch persönlich für meinen weiteren Lebensweg stark beeinflusst. Einen Studienaufenthalt im Ausland kann ich also jeder/m Studierenden nur ans Herz legen.
C’est la vie. C’est Paris.

« Être parisien, ce n'est pas être né à Paris, c'est y renaître. »
(Sacha Guitry)

Stephanie Bayer