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Kontrast

Johanna Mayrhofer an der FU Berlin, 2018/19

Denkt man an Berlin im Winter ist das erste, das einem dazu einfällt, wohl Grau. Nur ganz selten finden Sonnenstrahlen in den Wintermonaten ihren Weg in die düstere Betonlandschaft, so lässt der Vitamin D Mangel nicht grade lange auf sich warten. Und dennoch: Berlin hat mich mit seinem eigenen Plattenbaucharme in seinen Bann gezogen.

Die Stadt folgt einem ganz anderen Rhythmus, welcher einen voll und ganz einnimmt! Berlin besticht durch seine außerordentliche Vielfalt! Zwischen scheinbar nie enden wollenden Kunst- und Kulturangeboten, unfassbar lebendiger Nachtszene und unzähligen Dönerbuden lässt es sich hier ganz gut aushalten.

Die Freie Universität, anders als die Stadt, lässt ab und an etwas zu wünschen übrig. Das Studienangebot im Bereich Philosophie und Kunstwissenschaft im Bachelor ist (wenn man schon fortgeschrittener im Studium ist) nicht wirklich groß. Kommt man zu spät, heißt es am Boden sitzen, aufgrund der viel zu hohen Teilnehmerzahlen in den Seminaren und die Professoren wissen verständlicherweise nicht ganz, wie sie mit einem 60 Leute Seminar umgehen sollen. Am Ende gibt sich der Großteil der Professoren aber viel Mühe, den Studenten auf irgendeinem Weg dennoch etwas mit zu geben. Dafür ist es relativ einfach, Kurse aus anderen Fakultäten zu besuchen, und somit ein breiteres Spektrum an Veranstaltungen zu erlangen. Sehr zu empfehlen ist hier das Institut für Politikwissenschaften, spannende Themen und tolle Professoren. An einem normalen Unitag erreicht man aufgrund der Größe des Campus leicht die 10.000 Schrittmarke. Die Bibliotheken sind beinahe lückenlos ausgestattet.

Das Erasmus Office für Incomings ist sehr hilfreich und auch die Fachkoordinatoren stehen einem allzeit mit Ratschlägen zur Seite. Am Beginn des Semesters wurden viele Partys und Get-Togethers organisiert, was neben den offiziellen Uni-Orientierungstagen, den Start ins Semester ein großes Stück erleichtert hat. Die Finanzierung von Erasmus für meinen Aufenthalt in Berlin war mit 350€ auch wirklich in Ordnung.

Zum Thema Wohnen lässt sich sagen, dass die Wohnungssuche in Berlin ein großes Problem darstellt. Das Studierendenwerk empfiehlt ein Studentenheim in Lankwitz, wer von diesem Bezirk noch nie gehört hat, tut ganz recht daran, sich etwas anderes zum Wohnen zu organisieren. Möchte man auch ein bisschen etwas von der Stadt und ihrem Leben genießen, macht man es sich sicher leichter, die zentraleren Bezirke nach Wohnmöglichkeiten zu durchsuchen. Alles, außerhalb Mitte aber entlang der Ringbahn ist da zu empfehlen und erleichtern den Heimweg, vor allem abends oder frühmorgens immens. Mich hat der unfassbar günstige Preis von 235 Euro im Monat vom Studentenheim überzeugt. Ist man früh dran, findet man aber mit Sicherheit etwas anderes zu einem leistbaren Preis, trotz der eher schwierigen Wohnungssituation.

 

Auch wenn ich mich in der Hauptstadt eines deutschsprachigen Nachbarlandes aufgehalten habe, ließen sich meine Sprachkenntnisse doch erweitern. Vor allem habe ich mein Englisch verbessern können und die in Österreich allseits bekannte Scham, Hochdeutsch zu sprechen, ließ sich auch ganz schnell ablegen. Zudem findet man hier Menschen aus überall in der Welt, sodass man sich von Türkisch über Niederländisch bis Vietnamesisch alles beibringen lassen kann.

Berlin selbst lässt dann aber wirklich nichts aus! Das Angebot an Möglichkeiten, das man hier tagtäglich präsentiert bekommt, ist riesig! Als einzige Stadt mit mehr Museen als Regentagen, ist das Kulturprogramm niemals ausgeschöpft, zudem kann man von allen denkbaren Küchen der Welt kosten und das meist zu einem sehr akzeptablen Preis. Obwohl Berlin auch die Hauptstadt des Techno genannt wird, lässt sich in der Clubszene sicher für jeden Musikgeschmack etwas finden, wo man die Nacht zum Tag werden lassen kann. Im Grunde lässt sich der Heimweg, sogar zu jeder Tages- und Nachtzeit durch das gut ausgebaute Netz der öffentlichen Verkehrsmittel, einfach antreten, sodass man relativ schnell an jedes seiner Ziele kommt. Über die Uni bekommt man auch ein Semesterticket für alle Zonen und Verkehrsmittel zum Preis von 216 Euro, das einen sogar mit dem Regionalzug bis nach Potsdam bringen kann.

Im Großen und Ganzen kann ich Berlin für einen Austausch nur allen ans Herz legen, die viel erleben wollen. Hier passiert niemals dasselbe wie am Vortag, Alltagstrott kommt beim besten Willen nicht auf. Ich habe mich ausgesprochen wohl gefühlt. Generell ist Erasmus eine außerordentliche Chance, etwas Neues kennen zu lernen, da muss man auch gar nicht weit weg! Die Organisation Erasmus sowie die Heimat- und Gastuniversität erleichtern einen diesen Weg ungemein, somit kann und möchte ich es allen Studenten wirklich nur empfehlen.